Heisterburg

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Heisterburg
Das um 1930 ausgegrabene nordwestliche Tor der Heisterburg (2007)

Das um 1930 ausgegrabene nordwestliche Tor der Heisterburg (2007)

Alternativname(n): Hoyer, Hoysburg, Hoiesburg
Entstehungszeit: um 900 bis 1200
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Mauerreste, Wälle, Gräben
Ort: Lauenau-Feggendorf
Geographische Lage 52° 17′ 46″ N, 9° 24′ 37″ O52.2961111111119.4102777777778Koordinaten: 52° 17′ 46″ N, 9° 24′ 37″ O
Heisterburg (Niedersachsen)
Heisterburg

Bei der Heisterburg im Deister handelte es sich um eine Wallburg des 10. bis 11. Jahrhunderts in der Nähe des Lauenauer Ortsteils Feggendorf auf dem Gebiet der Samtgemeinde Nenndorf in Niedersachsen.

Lage[Bearbeiten]

Die Anlage hat ihren Standort in einem Waldgebiet am nordwestlichen Ende des Deisters. Sie befindet sich nahe dem Deisterkamm auf etwa 330 Meter über NN in einer Geländemulde zwischen zwei flachen Erhebungen. Die Befestigungsanlage liegt an der früheren Grenze zwischen den mittelalterlichen Gauen Bukkigau und Marstemgau. Heute liegt hier die Grenze zwischen der Region Hannover und dem Landkreis Schaumburg.

Name[Bearbeiten]

Im Jahr 1875 veröffentlichte ein Heimatforscher und Pastor aus Barsinghausen-Hohenbostel seine Nachforschungen [1] zur Namensherkunft der Heisterburg. Demnach wurde die Anlage noch im 16. Jahrhundert Hoyer, Hoysburg oder Hoiesburg genannt. In alten Flurkarten wird das Gelände 1574 als hoiser Burch, 1651 Hoisburg und 1840 Heuser Burg genannt. Der Wortstamm Hoyer leitet sich vom alten Wort hoye für Hütung ab. Es ist sinnverwandt mit den in anderen Orten gebräuchlichen Bezeichnung Warte für derartige Anlagen. Hoysburg hat demnach die Bedeutung einer in erhöhter Position gelegenen Wächterburg, von der das Umland zu überblicken und zu überwachen ist.

Beschreibung[Bearbeiten]

Grundriss der Hauptburg der Heisterburg von Carl Schuchhardt um 1900
Bodenvertiefung in der Hauptburg, vermutlich frühere Zisterne

Die Heisterburg besteht aus einer kleineren, etwa 0,9 ha großen Hauptburg und einer geräumigen etwa 7,4 ha großen Vorburg. Die Hauptburg ergibt sich aus einem nahezu quadratischen Ringwall von 106 bzw. 115 × 107, bzw. 111 Metern. Die beiden Zugangstore befanden sich an der nordwestlichen Ecke und im östlichen Wall im südöstlichen Bereich. Beim nordwestlichen Tor sind die noch auf ein Meter Höhe erhaltenen Wallmauern nach innen eingebogen, wo sie sich zum Tor mit 2,6 m Breite verengen. Das südöstliche Tor verengte sich ebenfalls nach innen. Beide Torbereiche wiesen eine Pflasterung auf.

Der Wall ist heute noch 2 m hoch und etwa 10 m breit. Die Außenfront des Walls bestand aus einer gemörtelten Mauer von 1,70 m Stärke und wohl mehreren Metern Höhe, von der unterirdisch noch Reste in einer Höhe von 1,5 m vorhanden sind. Nach Nutzungsende der Anlage wurden die oberirdischen Steine der Mauer vermutlich für Bauvorhaben in den nahegelegenen Dörfern oder für den Bau von anderen Befestigungsanlagen, wie die Wasserburg Lauenau und die Wasserburg Rodenberg, abgetragen. Außen vorgelagert war ein Spitzgraben, stellenweise als Sohlgraben ausgeprägt, mit einer ursprünglichen Tiefe von ca. 2,50 m und etwa 8 m Breite. In der Südwest-Ecke der Hauptburg befanden sich als neuzeitlich identifizierte Fundamente, die der Unterbau eines hölzernen Turms gewesen sein könnten.

Die Ausgrabungen im Innenraum der Hauptburg förderten zwei etwa 5,5 m tiefe Schächte zutage, die als Brunnen oder Zisternen gedeutet werden. In einer Bodenvertiefung fanden sich bis in 4 Meter Tiefe Scherben und Knochen. Auch wurden die Fundamente von fünf einräumigen Gebäuden in der Größe von bis zu 5 × 10 Meter entdeckt, die über Keller verfügten, sowie weitere ungeklärte Mauerzüge. Im Norden der Hauptburg fanden sich bei Grabungen im Jahr 1930 über 20 Steinpackungen, die als Herde zu deuten sind. In diesem Bereich lagerten Reste von Eisenschlacken, Eisenerzen und Hufeisen. Dies lässt auf Eisenverhüttungs- und Schmiedetätigkeiten schließen. In der Vorburg wurde ein eingetieftes Sechs-Pfosten-Grubenhaus mit Herdstelle und Keramikresten aus dem 10. Jahrhundert entdeckt.

Die Vorburg schließt sich nach Norden an und fasst mit ihren Wällen einen Bachlauf ein. Sie kennzeichnet sich im Osten durch einen 500 Meter langen Wall, der am untersten Ende ein sieben Meter breites Zangentor aufwies, bei dem die Wallenden mit Mauerzügen versteift waren. Im Westen schützte ein 100 m langer Wall. 400 m nördlich der Vorburg befindet sich ein Vorwall mit Graben. Im Gegensatz zur Hauptburg befinden sich in den Wällen keine Mauern. Außerdem finden sich mehrere Wallzüge östlich und westlich des Kernwerks sowie in weiterer Umgebung. Es könnte sich um Vorwälle oder Bestandteile der jüngeren Bückethaler Landwehr handeln.

Bei den Grabungen wurden verschiedene Fundstücke, wie Nägel, Reste von Keramikgefäßen, Hufeisen, Knochenreste entdeckt. Aus Scherbenresten konnten ein größerer und ein kleinerer Kugeltopf rekonstruiert werden. Die zwei Funde sind im Museum Rinteln ausgestellt.

Im Jahre 2011 stellten der Landkreis Schaumburg und die Niedersächsischen Landesforsten Verbotsschilder auf den Wällen der Burg auf, die Grabungstätigkeiten und das Mountainbiking untersagen. Es war beobachtet worden, dass die Wälle der historischen Anlage als Hindernisparcours dienten und zu diesem Zweck umgestaltet wurden. [2]

Archäologische Untersuchungen[Bearbeiten]

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Untersuchung der Hauptburg mit Georadar, im Hintergrund der westliche Wall (2014)

Ausgrabungen auf dem Gelände der Wallburg gab es in den Jahren 1887, 1891–92 und 1929–32. Die erste Grabung wurde 1887 von Bad Nenndorf aus durchgeführt. Im Juli 1891 führte ein Freiherr aus dem heutigen Barsinghausener Ortsteil Wichtringhausen eine Grabung mit 15 Arbeitern durch. Dabei wurde die Steinmauer innerhalb der Wälle im Bereich der Hauptburg freigelegt. Auch wurde ein Tor im Nordwesten der Hauptburg ausgegraben. Im Oktober 1891 ließ der hannoversche Archäologe Carl Schuchhardt die Ausgrabung mit 10 bis 15 Arbeitern, bei denen es sich überwiegend um Bergleute handelte, fortsetzen. Im Folgejahr 1892 wurden sie im Juli und September mit vier Arbeitern fortgeführt. Um 1930 fanden hauptsächlich Grabungen auf dem Gelände der großräumigen Vorburg statt.

Neuere Prospektionen[Bearbeiten]

Im Herbst 2014 ließ die Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft unter Leitung des Ärchäologen Jens Berthold in der Hauptburg und stellenweise im Vorburgbereich geophysikalische Vermessungen zur näheren Prospektion durchführen. Das sich auf 10.000 Euro belaufende Projekt ermöglichte das zerstörungsfreie Durchleuchten des Untergrunds zum Erkennen von Resten der Heisterburg. [3] Bei den sechstägigen Untersuchungen durch eine Prospektionsfirma und ehrenamtliche Helfer kamen geoelektrische Bodenwiderstandsmessungen und Georadar zum Einsatz. [4] In der Vorburg zeichneten sich frühere Aktivitätsbereiche durch Siedlungsgruben und vermutlich durch Verhüttungsöfen sowie Schlackenreste ab. In der Hauptburg konnten Grundrisse eines bisher unbekannten Gebäudekomplexes in der Größe von etwa 15 × 13 Meter Ausdehnung dokumentiert werden. Die Untersuchungen dienen einer fundierten Bestandsaufnahme der gesamten Anlage. Für diesen Zweck ist auch im Jahre 2015 eine Reliefkartierung durch Studierende der Geoinformatik der Universität Hannover vorgesehen. Derartige Vermessungen archäologisch bedeutsamer Anlagen zur Anfertigung eines virtuellen 3D-Modells finden seit langem im Zusammenwirken der Universität Hannover mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege statt. Ausgrabungen auf der Heisterburg sind zunächst nicht geplant.

Nutzungsdeutung[Bearbeiten]

Infotafel am südöstlichen Zugang zur Heisterburg

In der schriftlichen Überlieferung finden sich keine Erkenntnisse zu den Erbauern oder Nutzern der Heisterburg, so dass ihre Geschichte trotz der bisherigen Untersuchungen noch ungeklärt ist. Die nähere Erkundung wird seit langem als dringendes Forschungsdesiderat betrachtet, auch im Hinblick auf einen Zusammenhang mit den Besitzungen der Billunger im nahe gelegenen Deister-Süntel-Tal. Die frühen archäologischen Untersuchungen konnten keine zweifelsfreien Erkenntnisse zur Entstehungszeit erbringen, dies ist auch auf die mangelhafte Befundaufnahme während der damaligen Arbeiten zurückzuführen.

Die Fundstücke, insbesondere die vorgefundene Kugeltopfkeramik aus dem 10. Jahrhundert, führten zu der Annahme, dass die Anlage im Wesentlichen im 11. Jahrhundert benutzt wurde. Sie könnte als Fliehburg gedient haben, in der die Bevölkerung mit ihrer beweglichen Habe in Zeiten von Krieg oder Gefahr Schutz finden konnte. Ähnliche Wallanlagen finden sich in und um den Deister; die nächste ist die nur 600 Meter südlich gelegene Wirkesburg. Alle diese Anlagen sind vermutlich im Zeitraum zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert entstanden, was in einigen Fällen anhand der 14C Datierung nachgewiesen werden konnte.

Der Theorie einer Fluchtburg widersprechen im Fall der Heisterburg früh- und hochmittelalterliche Aktivitätszonen mit Gebäuderesten, die sie als befestigte Höhensiedlung erscheinen lassen. Allerdings könnten es sich bei den Gebäuderesten auch um spätere Einbauten in eine frühere Anlage handeln.

Ähnliche Befestigungsanlagen der näheren Umgebung[Bearbeiten]

Befestigungswerke dieser Art wurden von der archäologischen Forschung ursprünglich als sächsisch oder als Heinrichsburgen angesehen. Die neuere Forschung ordnet die Bauwerke im Raum der Mittelweser und der Leine dagegen einer Zeitspanne vom 8. bis 12. Jahrhundert zu. Wegen fehlender Besiedlung dürften die Anlagen nur sporadisch genutzt worden sein und als Fliehburgen gedient haben. Bei den im Deisterraum gelegenen Anlagen (Wirkesburg, Bennigser Burg, Heisterschlösschen) ist typisch, das sie auf abfallenden Bergrücken und in der Nähe eines Bachlaufs errichtet wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Schuchhardt: Ausgrabungen auf der Heisterburg 1891 u. 1892 in Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, 1891, 1892
  • Heinrich Ohlendorf: Die Heisterburg im Deister. Sonderveröffentlichung des Vereins für Orts- und Familienkunde Barsinghausen e. V., Hannover 1997
  • Hans-Wilhelm Heine: Burgen um 1000 zwischen Mittelweser und Leine. Sonderveröffentlichung anlässlich des Kolloquiums in Porta Westfalica aus: Archäologie in Ostwestfalen, Band 4, ISBN 3-89534-289-0, 1999
  • Hans-Wilhelm Heine: Die ur- und frühgeschichtlichen Burgwälle im Regierungsbezirk Hannover. Hannover 2000, ISBN 3-7752-5645-8
  • Hans-Wilhelm Heine: Schaumburger Land - Burgenland. in der Reihe Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens (29) , Oldenburg, 2010, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Kommission für Niedersachsen, ISBN 978-3-89995-673-3

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Th. Fromme: Idiotikum der fünf Bördedörfer, 1875, handgeschrieben
  2. Gelbe Warnschilder gegen wilde Bergtouren in: Schaumburger Nachrichten vom 23. November 2011
  3. Unsichtbares unter der Erde sichtbar machen in: Schaumburger Wochenblatt vom 15. November 1014
  4. Einblicke in die Geschichte in: Dewezet vom 24. November 2014