Heizkraftwerk Chemnitz-Nord

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Heizkraftwerk Chemnitz-Nord
Das Heizkraftwerk Nord von Süden mit dem von Daniel Buren farbig gestalteten Schornstein
Das Heizkraftwerk Nord von Süden mit dem von Daniel Buren farbig gestalteten Schornstein
Lage
Heizkraftwerk Chemnitz-Nord (Sachsen)
Heizkraftwerk Chemnitz-Nord
Koordinaten 50° 51′ 28″ N, 12° 55′ 26″ OKoordinaten: 50° 51′ 28″ N, 12° 55′ 26″ O
Land Deutschland
Daten
Typ Heizkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Braunkohle, Heizöl, Erdgas
Leistung 195 Megawatt
Eigentümer Stadtwerke Chemnitz
Betreiber eins energie in sachsen Gmbh & co.KG
Projektbeginn 1957
Betriebsaufnahme 1. Dezember 1961
Kessel 3
Feuerung Kohlenstaubfeuerung, Öl-, alternativ Gasfeuerung
Schornsteinhöhe 301,8 m
Website http://www.eins-energie.de/
Stand 11/2011

Das Heizkraftwerk Chemnitz-Nord ist ein im Norden der Stadt Chemnitz gelegenes braunkohlebefeuertes Heizkraftwerk mit einer installierten elektrischen Leistung von 230 Megawatt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk wurde unter der Bezeichnung "Heizkraftwerk Nord I" ab 1957 errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 30. April 1959. Der erste Kraftwerksblock ging am 1. Dezember 1961 ans Netz. Insgesamt wurden drei Maschinensätze mit einer Leistung von jeweils 25 Megawatt installiert. Das Kraftwerk diente der Energieversorgung der Stadt Chemnitz und stellte Fernwärme für etwa 14.000 Haushalte zur Verfügung. Das "Heizkraftwerk Nord I" wurde am 4. April 1997 außer Betrieb genommen.

Im Zuge der Stadterweiterung, die ab 1974 durch die Errichtung des Großwohngebietes Fritz Heckert geprägt war, zeichnete sich ein weiter steigender Wärme- und Energiebedarf ab. Um diesen zu decken erfolgte am 9. Oktober 1981 die Grundsteinlegung des "Heizkraftwerk Nord II", das am 5. Dezember 1986 erstmals Wärme in das Fernheiznetz der Stadt abgab. Bis 1990 wurden drei Blöcke mit einer Leistung von jeweils 160 Megawatt zur Wärmeabgabe und jeweils 60 Megawatt elektrischer Leistung in Betrieb genommen. 1995 erfolgte die Installation einer Rauchgasentschwefelungsanlage. 2008/09 wurde eine 100 Megawatt Entnahme-Kondensationsturbine installiert, welche eine der herkömmlichen Gegendruckturbinen ersetzt. Zur Strom- und Wärmeerzeugung stehen insgesamt 3 Blöcke zur Verfügung. Die Blöcke B und C werden mit einheimischer Rohbraunkohle befeuert. Der Block A kann wahlweise mit Erdgas oder leichtem Heizöl betrieben werden.[1]

Der Netzanschluss erfolgt über die Umspannwerke Chemnitz-Glösa und Chemnitz-Mitte auf der 110-kV-Hochspannungsebene in das Netz des Verteilnetzbetreibers Netzgesellschaft mbH Chemnitz.[2]

Nach Angaben des Umweltbundesamtes betrug 2011 der Ausstoß von CO2 1,22 Mio Tonnen.[3]

Das Kraftwerk wird derzeit von der eins energie in sachsen GmbH & Co. KG betrieben.

Zahlen zum Heizkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden rund 2000 Gebäudeeinheiten mit Fernwärme versorgt, dafür wird ca. 400 MW Leistung benötigt. Das Kraftwerk war ursprünglich für 1000 MW Heizleistung ausgelegt, aber nach der Wende wurden nur noch 400 MW benötigt. Die Länge der Leitungen für die Fernwärme in Chemnitz beträgt 380 km; damit ist das Netz eines der größten in Deutschland.

Das Heizkraftwerk hat eine Gesamtfernwärmeleistung von 475 MW, die sich auf 3 Blöcke aufteilt. Der mit Gas oder leichtem Heizöl befeuerte Block A hat 170 MW, Block B mit Kohlestaubfeuerung 165 MW und Block C mit Kohlestaubfeuerung 140 MW.

Schornstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Errichtung des Heizkraftwerks Nord II erfolgte 1978 die Baufeldfreimachung und es wurde 1979 begonnen, mittels Gleitschalung den neuen Kraftwerksschornstein zu errichten. Dieser wurde 1984 fertiggestellt. Er ist mit einer Höhe von 301,80 Metern stadtbildprägend und zudem das höchste Bauwerk in Sachsen.[4]

Im Rahmen eines Kunstprojektes des französischen Malers Daniel Buren erhielt der Schornstein bis zum 8. Oktober 2013 einen aus sieben Farbabschnitten bestehenden bunten Anstrich.

Farbe RAL-Farbe
verkehrsgelb RAL 1023
signalviolett RAL 4008
melonengelb RAL 1028
himmelblau RAL 5015
laubgrün RAL 6002
erdbeerrot RAL 3018
aquamarin

Nach Aussage von eins energie ist der Schornstein jetzt schon das höchste Gesamtkunstwerk der Welt.[5] Das Konzept sah ursprünglich auch die Anbringung einer Kette mit 1200 LED-Leuchten vor, die spiralförmig um das Bauwerk gewunden werden sollte. Nur wenige Wochen nach Anbringung der Leuchten mussten diese im Oktober 2014 aufgrund technischer Probleme und dem Eindringen von Feuchtigkeit wieder demontiert werden.[6] Ob und wann mit einer Fertigstellung des Kunstprojektes gerechnet werden kann ist derzeit ungewiss.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elektro-Innung Chemnitz (Hg.): Festschrift 80 Jahre Elektro-Innung Chemnitz 1930-2010. Chemnitz 2010 (Digitalisat; PDF-Datei; 2,7 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heizkraftwerk Chemnitz-Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heizkraftwerk Chemnitz - Anlagenübersicht abgerufen am 14. April 2014
  2. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Archiviert vom Original am 22. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  3. Schadstoffregister des Umweltbundesamtes abgerufen am 14. April 2014
  4. Schönheitskur für Sachsens höchstes Bauwerk. Spezialisten sanieren Chemnitzer Kraftwerksschornstein. In: Freie Presse. Medien Union GmbH Ludwigshafen, 28. Juni 2011, archiviert vom Original am 20. September 2012, abgerufen am 7. November 2011 (php).
  5. Letzter Pinselstrich am eins-Schornstein. Höchstes Gesamtkunstwerk der Welt steht in Chemnitz. eins energie in sachsen, 8. Oktober 2013, abgerufen am 9. Oktober 2013 (php).
  6. Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG: LED-Lichter am Eins-Schornstein werden wieder entfernt. In: freiepresse.de. Abgerufen am 13. Januar 2017.
  7. Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG: Schornstein ohne Licht - Versorger Eins muss zahlen. In: freiepresse.de. Abgerufen am 13. Januar 2017.