Streckenkilometer

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Kilometertafel und -stein an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen

Der Streckenkilometer dient der Kilometrierung von Eisenbahnstrecken. Das Pendant im Straßenverkehr ist der Kilometerstein.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hektometerstein und -tafel an der Bodenseegürtelbahn bei Überlingen

Die Eisenbahnstrecken in Deutschland sind durchgehend kilometriert, das heißt in der Länge vermessen und mit Kilometerangaben beschildert. Der Gesetzgeber schreibt die Beschilderung zwar nicht mehr wie früher in der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung vor, dennoch ist sie überall an den Eisenbahnstrecken vorhanden. Die Zahlenangabe nennt sich Streckenkilometer. Sie muss nicht unbedingt mit den Tarifkilometern übereinstimmen.

Je nach Bahngesellschaft und Streckentyp gibt es Varianten der Streckenkilometeranzeige, sie richten sich unter anderem nach der Einstufung der Strecke (Hauptbahn/Nebenbahn, Höchstgeschwindigkeit nach VzG oder Entwurfsgeschwindigkeit) und der Art der Betriebsführung (eingleisig/zweigleisig, Gleiswechselbetrieb). Während auf den Hauptbahnen alle geradzahligen Hektometerdistanzen angezeigt werden, sind die Markierungen auf Nebenbahnen alle 500 m anzubringen.[1] Auf den Hauptbahnen im Bereich der Deutsche Bahn AG sollen die Streckenkilometer im Prinzip an jedem vollen Streckenkilometer sowie den folgenden geradzahligen Hektometerdistanzen (z.  B. km 74,0 → 74,2 → 74,4 usw.) angezeigt werden.

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hektometerstein
Hektometerzeichen an einem Oberleitungsmast bei Strecken­kilometer 122,6 mit Korrektur­angabe „605“ (m) (kleine Zahl unten rechts)

In den Anfangszeiten der Bahn wurden neben dem Gleis auf den Eisenbahnstrecken Kilometersteine gesetzt. Es waren in den Boden rechtwinklig zur Achse des Bahnkörpers eingelassene Steinquader mit Aufschrift, die circa 50 Zentimeter aus dem Erdreich ragten. Sie bestanden aus bearbeitetem Stein oder aus Beton und tragen eingemeißelte oder auflackierte, bei der Betonvariante auch eingegossene Angaben.

Ein oftmals seitlich an einem Hektometerstein angebrachter waagerechter, schwarzer Pfeil gibt die Richtung an, die zum nächstgelegenen Fernsprecher führt. Vor allem entlang nicht elektrifizierter Strecken und Nebenbahnstrecken finden sich noch Abteilungszeichen in Form von Hektometersteinen.

Um auch bei widrigen Wetterverhältnissen ein besseres Erkennen zu ermöglichen, ersetzten erhöht angebrachte Blechtafeln die alten Kilometersteine, da der Wartungsaufwand (Farbanstrich, Gebüschrodung) eingespart werden konnte, ferner auch in der Herstellung wesentlich billiger ist. Die Zeichen sind an mehrgleisigen Strecken beiderseits aufgestellt an Pfosten und auch an Signalmasten sowie an Tunnelwänden.

Mit Aufkommen der elektrifizierten Strecken wurden die Zahlentafeln regelhaft an den Gittermasten der Oberleitung angebracht. Diese Masten sind nach betrieblichen Anforderungen und daher nicht exakt an vollen Hektometerdistanzen platziert sind, stimmen die gerundeten Zahlenangaben zumeist nicht mit der genauen Distanz überein. Deshalb ist auf jeder Tafel am rechten unteren Rand in 30 Millimeter hoher Schrift mit einer dreistelligen Zahl der metergenaue Standort angegeben.[1]

Ausführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Netz der Deutschen Bahn gibt es Kilometer- und Hektometerzeichen in zwei Ausführungen: die große ist 80 Zentimeter hoch und 72 bzw. 48 Zentimeter breit, bei einer Ziffernhöhe von 31 Zentimeter. Die kleine Ausführung ist 61 Zentimeter hoch, 32 bzw. 48 Zentimeter breit und ihre Ziffern 21 Zentimeter hoch. Die Ziffern sind jeweils zentriert. Die Zeichen werden aus Aluminiumblech gefertigt. Kilometertafeln werden auf ihrer Vorderseite mit reflektierender Folie versehen, Hektometerzeichen weiß pulverbeschichtet. Die obere Zahl auf dem Zeichen bezeichnet den Kilometer, die untere (einstellig) den Hektometer. Beispiel: Das Abteilungszeichen mit der Aufschrift 122 - 6 befindet sich bei Streckenkilometer 122,6.

Betrieblicher Zusammenhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Netz der Deutschen Bahn dienen Kilometer- und Hektometerzeichen (KMZ, HMZ) der Orientierung der Triebfahrzeugführer, des Instandhaltungs- und Betriebspersonals sowie der Polizei- und Rettungskräfte.

Der Triebfahrzeugführer benötigt die Streckenkilometerangaben zur korrekten und sicheren Durchführung der Zugfahrt. Er findet die Kilometrierung in den betrieblichen Unterlagen wie dem Buchfahrplan oder dem EBuLa. Sie gibt ihm Hinweise auf Geschwindigkeitswechsel, Signalstandorte, Bremsweglänge, Bremswegabstand zu den Haupt- und Vorsignalen, Bahnübergängen, Haltepunkte, Beginn und Ende von Langsamfahrstellen und einiges mehr. An den Streckenkilometerangaben sind auch die orangen Kennzeichnungen der Abschnitte mit Notbremsüberbrückung zu finden.

Die Streckenkilometerangaben lassen in Deutschland in Verbindung mit der VzG-Streckennummer eine genaue Lokalisierung jedes beliebigen Punkts im Eisenbahn-Streckennetz zu, welche beispielsweise nach Unfällen das sichere Heranführen von Rettungskräften (Hilfszug) auch bei Dunkelheit, Nebel, in schwierigem und unübersichtlichem Bahngelände ermöglichen.

An Betriebsstellen wie Bahnhöfen können verschiedene Eisenbahnstrecken zusammentreffen, so dass hier in kurzem Abstand unterschiedliche Streckenkilometerstände anzutreffen sein können.

Während die Kilometerangaben auf der Strecke meist in Schritten von 200 Metern erscheinen, sind in Bahnhofsunterlagen für Fahrdienstleiter oder technisches Personal die Angaben in Streckenkilometern auf den Meter genau, zum Beispiel: „km 74,135“.

Negative Hektometerangaben auf Hektometersteinen und -zeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negative Strecken­kilometerangabe auf der Höllentalbahn bei Freiburg

Es gibt in Einzelfällen auch Hektometersteine und -zeichen, auf denen negative Hektometerangaben zu finden sind, die mit Hilfe eines Minuszeichens vor der Kilometerstelle (meistens eine 0) angegeben werden, also z. B. -0 8. Diese gibt es vor allem bei Streckenverlagerungen und damit verbundenen -verlängerungen vor allem im Bereich des Beginns der Kilometrierung. Diese negativen Angaben wurden gewählt, um nicht die Kilometrierung auf der gesamten Strecke ändern zu müssen. Beispiele sind in Deutschland die Strecke von Bruchsal in Richtung Bretten (hier bedingt durch die Anlage eines Tunnels und der damit verbundenen Verlängerung der Strecke im Bereich des Bruchsaler Bahnhofes) und in Österreich der Beginn der Österreichischen Südbahn im Bereich des ehemaligen Wiener Südbahnhofs durch Verlagerung des Bahnhofs um circa 200 Meter.

Heute wird am den Südbahnhof ersetzenden Hauptbahnhof Wien eine ergänzende Kilometrierung von 100 km abwärts (99,9 ...) angewandt.

Zusatzangaben auf Hektometerzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Hektometerzeichen mit Zusatzangaben wie z. B. + 14. Diese stehen an Strecken, deren Kilometrierung eine Lücke aufweist, die nur behoben werden kann, wenn entweder neu durchkilometriert wird oder eben Zeichen angebracht werden, um die entstandene Überlänge zu kennzeichnen. Diese Zeichen stehen im Abstand von 200 Meter mit Zusatzangaben wie z. B. + 2, + 4, + 6 usw., bis der nächste volle Kilometer erreicht wird, z. B. wenn zwischen km 83 - 6 und km 83 - 8 1,5 Kilometer liegen. Dann heißt es 83 - 6; 83 - 6 - +2; 83 - 6 - +4; 83 - 6 - +6; 83 - 6 - +8; 83 - 6 - +10; 83 - 6 - +12 und bei 83 - 6 - +14 steht ggf. 83 - 6 +14 = 83,693. Solche „Zwischenkilometrierungen“ gibt es z. B. an der Strecke von Neuss nach Düsseldorf und an der S-Bahn-Strecke von Düsseldorf nach Essen (S6). Das Entstehen dieser Zwischenkilometrierungen ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass bei Streckenverlagerungen (Streckenverlängerungen) die Bahnstrecke ansonsten in ihrem weiteren Verlauf hätte umkilometriert werden müssen.

Ferner existieren Kilometersprünge, welche entstehen, wenn Bahnstrecken auf Grund von Umbauten verkürzt werden.

Meistens bewegt sich der Wertebereich von Fehl- und Überlängen im Meterbereich, es gibt aber auch Strecken, wo es um mehrere hundert Meter oder einige Kilometer geht.

Formatierung auf Planungsunterlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Planungsunterlagen wird die Kilometrierung - analog zu den Kilometertafeln - im Format nn+mmm geschrieben, beispielsweise 24+680 (bei Streckenkilometer 24,680), 0+123 (km 0,123), 0-456 (km -0,456), -1-234 (km -1,234), Zentimeterangaben werden mit Dezimalkomma (bzw. -punkt) hinter die Meterangabe geschrieben, zum Beispiel 24+680,13 (= km 24,68013).

In der Richtlinie der Deutschen Bahn[2] wird als Schreibweise die Angabe der Kilometer mit Hektometer als Nachkommastelle, einem Pluszeichen, gefolgt von Metern (< 100) mit Zentimetern nach dem Komma, zum Beispiel 13,4+23,05 (entspricht dem Streckenkilometer 13,42305). Bei negativer Kilometrierung (Streckenkilometer -13,42305) würde die Schreibweise -13,4+-23,05 sein.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An einem Oberleitungs­masten montierter Neigungs­zeiger und Metertafel an der Albulalinie der Rhätischen Bahn (RhB)

In der Schweiz sind die Bahnstrecken mit Kilometer- und Hektometerzeichen oder -steinen versehen.[3] Wenn die Kilometrierung an den Fahrleitungsmasten gekennzeichnet ist, kommen Meterzeichen zum Einsatz.

Nullpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Steinrelief im Bahnhof Olten mit der Zahl 0 und dem Schweizerkreuz markiert den seinerzeitigen Nullpunkt der Vermessung der Bahnlinien.

Im Bahnhof Olten befindet sich ein Steinrelief, das den Nullpunkt der vom Bund vorgeschriebenen Distanzmessung der Bahnlinien dokumentiert. Vom Ausgangspunkt in Olten aus vermaß die Schweizerische Centralbahn (SCB) in Wegstunden die Strecken. Der Stein markierte jedoch nie den Kilometer Null. Als 1877 die alten Längenmasse durch den Meter abgelöst wurden, verlegte die SCB den Nullpunkt der Kilometrierung nach Basel.[5]

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben die Kilometrierung ihrer Strecken von den Vor- bzw. Vorvorgängerinnen übernommen:

Bahn (Übernahme) km 0 in ... Ausnahmen
Schweizerische Centralbahn SCB (1902) Basel Zofingen–Suhr: km 0 in Zofingen
Schweizerische Nordostbahn NOB (1902) Zürich Winterthur–Koblenz: km 0 in Winterthur
Bischofszellerbahn SG: km 0 in Sulgen
Effretikon–Wetzikon–Hinwil-Bahn EH: km 0 in Effretikon
Schweizerische Nationalbahn SNB: km 0 in Winterthur
Vereinigte Schweizerbahnen VSB (1902) Sargans Toggenburgerbahn TB (und von SBB eröffnete Rickenbahn): km 0 in Wil
Jura–Bern–Luzern JBL (JS, 1903) Bern Brünigbahn: km 0 in Luzern
Pont–Vallorbe PV (JS, 1903) Vallorbe
Suisse-Occidentale–Simplon SOS (JS, 1903)
und Strecke Genf–La Plaine (1913)
Lausanne Franco-Suisse-Linie: km 0 in Neuenburg
Broye transversale: km 0 in Yverdon
Gotthardbahn-Gesellschaft GB (1909) Immensee Luzern–Immensee: km 0 in Luzern
Zug–Arth-Goldau: km 0 in Zug
Jura neuchâtelois JN (1913) Neuenburg
Tösstalbahn TTB (1918) Winterthur
Seetalbahn STB (1922) Emmenbrücke Beinwil am See–Beromünster: km 0 in Beinwil am See
Lenzburg–Wildegg: km 0 in Lenzburg Spitzkehre
Uerikon-Bauma-Bahn UeBB (1948) Uerikon
Chemin de fer Vevey–Chexbres VCh (2013) Vevey

Der Nullpunkt des Stammnetzes der Rhätischen Bahn (RhB) befindet sich in Landquart. Die früher eigenständige Aroser- und Berninabahn haben ihre eigene Kilometrierung.[5]

Negative Kilometrierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Verlängerung der Wipkinger Linie 1894 durch den Bau des Viadukts Bahnhof Zürich beginnt die Strecke über Wipkingen nach Oerlikon im Zürcher Bahnhof beim Kilometer –0,58.

Seit 1997 beginnt Murilinie Bern–Worb in Bern Zytglogge bei Kilometer –0,48 statt bei Kilometer 0 in Bern Kirchenfeld. Der Abschnitt Zytglogge–Kirchenfeld–Bern Egghölzli gehört den Städtischen Verkehrsbetriebe Bern (SVB), die restliche Strecke dem Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS).

Die Strecke Wädenswil–Einsiedeln der Schweizerischen Südostbahn (SOB) beginnt im Bahnhof Wädenswil bei Kilometer –0,10.[5]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Streckenkilometer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Richtlinie Netzinfrastruktur Technik entwerfen (800), Modul Kilometer-, Hektometer- und Zusatzzeichen anbringen (Modul 0104), gültig ab 1. September 2013, S. 5–7.
  2. Deutsche Bahn Netz AG (Hrsg.): Richtlinie Bautechnik, Leit-, Signal- u. Telekommunikationstechnik (883), Modul Gleis- und Bauvermessung - Bahnstrecken kilometrieren (Modul 0010), gültig ab 1. Juli 2008.
  3. Rudolf W. Butz: Signale der Schweizer Bahnen. Orell Füssli Verlag, Zürich 1972, S. 99.
  4. a b Bundesamt für Verkehr: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bav.admin.chFahrdienstvorschriften. Bern, 2012. R 300.2, Abschnitt 2.6.5.
  5. a b c Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9. (Text deutsch und französisch)