Helena Rubinstein

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Helena Rubinstein um 1930

Helena Rubinstein (* 25. Dezember 1870 in Krakau, Österreich-Ungarn, als Chaja Rubinstein[1]; † 1. April 1965 in New York) war eine US-amerikanische Kosmetikunternehmerin, Pionierin der Kosmetikentwicklung und Mäzenin polnischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helena Rubinstein wurde als die älteste von acht Töchtern des jüdischen Lebensmittelkaufmanns Herzel „Horaz“ Rubinstein und seiner Frau Augusta (geborene Silberfeld, genannt „Gitte“) im überwiegend jüdischen Krakauer Stadtteil Kazimierz[1] geboren. Ihre Schwestern waren Pauline, Rosa, Regina, Stella, Ceska, Manka und Erna. Mit 15 Jahren beendete sie die Schule vorzeitig. Nachdem sie mehrere Heiratsangebote ausgeschlagen hatte, ging sie 1894 nach Wien, wo sie im Pelzgeschäft von Angehörigen mithalf. 1896 wanderte sie auf dem Schiff Prinzregent Luitpold[1] nach Coleraine in Australien aus und wählte auf dem Weg dorthin für sich die Vornamen Helena Juliet, anstelle des jüdisch klingenden Chaja.

In Australien arbeitete sie zunächst als Verkäuferin bei ihrem Onkel. Drei ihrer Onkel lebten bereits dort. Von ihrer Mutter erhielt sie zwölf Tiegel mit Creme zur kosmetischen Pflege in der Ferne, die sie teilweise an Farmerinnen in Coleraine weitergab. 1900 zog sie nach Toowoomba,[1] wo sie als Kindermädchen des Gouverneurs von Queensland, Lord Lamington,[1] angestellt wurde. Ihre erste eigene Geschäftsidee war, die Cremes zu importieren und zu verkaufen. Schließlich fing sie jedoch an, diese selbst herzustellen. 1902 eröffnete sie den ersten Schönheitssalon Australiens in Melbourne.[2] Ab 1901 hatte sie in Melbourne und zunächst als Kellnerin in einem Teesalon gearbeitet. Auf Basis von Lanolin, Sesam und Mineralöl stellte sie eine Zubereitung her, der sie den Namen Valaze[1] gab (Ungarisch für „Geschenk des Himmels“).

Sie vertrieb auch aus Polen importierte Cremes, die hauptsächlich aus einer Mixtur von Kräutern, Mandelöl und Rinderfett bestanden. Damit hatte sie großen Erfolg, zumal in Australien zu dieser Zeit Kosmetika wenig verbreitet und sie selbst mit ihrer zarten weißen Haut ihr bester Werbeträger war. Zudem veröffentlichte sie einen ersten Schönheitsratgeber. Um ihre Produkte weiterentwickeln zu können, verließ sie Australien wieder und übergab ihr Geschäft an zwei ihrer Schwestern.

In Paris besuchte sie den Chemiker Marcellin Berthelot,[1] und befasste sich mit Ernährungswissenschaft und Gesichtschirurgie. Zurück in Sydney lernte Rubinstein 1907 den ebenfalls polnischstämmigen US-amerikanischen Journalisten Edward William Titus (1870–1952) kennen, der als Arthur Ameisen in Podgórze[1] geboren war. Sie heirateten 1908 in London. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: Roy Valentine (1909–1989)[3] und Horace Titus (1912–1958). Ihr Mann hatte überdies zwei Söhne aus erster Ehe. Noch während ihrer ersten Schwangerschaft gründete sie 1908 in Wellington einen zweiten und im selben Jahr im Stadtteil Mayfair in London einen dritten Salon. Und dann als zweifache Mutter 1912 in Paris einen vierten Schönheitssalon. Die Familie lebte nun in Paris. 1913 entstand ein Labor in Saint-Cloud.

Emigration in die USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus Helena Rubinsteins in Krakau
Helena Rubinstein gezeichnet von Paul César Helleu (1908)

1914 verließ die Familie während des Ersten Weltkriegs Europa und emigrierte in die USA. Nur ein Jahr später eröffnete sie dort ihre vierte Filiale mit importierten Pflegeprodukten. Bis 1920 entwickelte sie dann ihre erste eigene Kosmetiklinie. Fortan trugen die von ihr vertriebenen Produkte den Namen Helena Rubinstein. Dieser Markenname besteht auch heute noch, über 80 Jahre nach Firmengründung.

1928 verkaufte sie zwei Drittel der „Rubinstein Inc.“ für 7,3 Millionen US-Dollar an das Bankhaus Lehman Brothers. Als die Weltwirtschaftskrise ihren tiefsten Punkt erreichte und das Bankhaus 1929 in finanzielle Schwierigkeiten kam, erwarb sie den ganzen Komplex für nur 1,5 Millionen US-Dollar zurück. Äußerst vermögend kehrte sie nach Paris zurück und widmete sich dort ihrer Kunstleidenschaft. In ihrem Salon verkehrten namhafte Maler wie z. B. Matisse, Modigliani, Chagall oder Schriftsteller wie Faulkner und Hemingway. Sie ließ sich von mehreren bekannten Malern porträtieren, darunter Roberto Montenegro (1941), Cândido Portinari (1939), Marie Laurencin (1934), Margherita Russo (1953), Pavel Tchelitchew (1934), Christian Bérard (1938) und Graham Sutherland (1957). Diese Porträts wurden ein Teil ihrer Kunstsammlung.[4]

Das Gebäude Quai de la Béthune 24, das Helena Rubinstein 1934 an der Stelle eines Stadtpalais' aus dem 17. Jahrhundert errichten ließ

1937 wurde ihre erste Ehe geschieden und im Jahr darauf heiratete sie den fast 30 Jahre jüngeren georgischen Prinzen Artchil Gourielli-Techkonia (1897–1955). Zu dieser Zeit begann auch ihr Konkurrenzkampf mit der Kosmetikunternehmerin Elizabeth Arden, der ihr Leben lang andauern sollte.

Während der deutschen Besetzung Frankreichs (1940–1944) im Zweiten Weltkrieg erhielt der nationalsozialistische Bildhauer Arno Breker – vermutlich mit Hilfe seines Freundes Albert Speer – das inzwischen „arisierte“ Luxusappartement Helena Rubinsteins auf der Île Saint-Louis (Quai de Béthune 24) zu seiner Verfügung.[5]

1953 eröffnete Helena Rubinstein unweit von New York eine der größten Fabriken, die jemals von einer Frau geschaffen worden waren. Bald besaß sie weitere Fabriken in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Israel, Australien, Japan, Kanada und Südamerika.

Der Ablauf der Produktion im Kosmetikimperium der als äußerst sparsam bekannten Rubinstein war gut durchrationalisiert. Der gesamte Bedarf an Creme, Lotion und Duftwasser für Frankreich, Skandinavien und die Beneluxländer wurde bereits 1964 von nur vier Arbeitskräften hergestellt. Die Produktion von Puder für diesen riesigen Verbrauchermarkt war vollautomatisiert und wurde von nur einer Bedienungskraft gesteuert. Als innovative Unternehmerin beschritt sie auch bei der Vermarktung neue Wege. So entwarfen bekannte Designer und Künstler ihre aufwendigen Verpackungen. Verschiedene Schriftsteller texteten für sie Werbeanzeigen, Prospekte und das hauseigene Magazin. Innenarchitekten staffierten ihre Schönheitssalons aus, die sich den Besucherinnen als wahre Tempel der Kunst präsentierten.

Bis zu ihrem Tod umfasste ihr Unternehmen 100 Niederlassungen in 14 Ländern mit etwa 30.000 Beschäftigten. Sie verfügte über ein Privatvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Am 1. April 1965 starb Helena Rubinstein im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus. Bis kurz vor ihrem Tod hatte sie ihr Unternehmen noch selbst geleitet. Sie hinterließ ihren 121 Erben das von ihr aufgebaute Kosmetikimperium sowie Häuser, Schmuck und Gemälde. Den größten Teil vererbte sie der Gesundheitsfürsorge, weil sie es bedauerte, nicht Ärztin geworden zu sein, und es ihr nicht gelungen war, Kosmetik zur Medizin fortzuentwickeln. Die Luxusmarke Helena Rubinstein gehört seit 1988 zum L’Oréal-Konzern, Paris.

Mäzenatentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rubinstein galt als Förderin der Künste und der Wissenschaften. Sie gab Gemälde in Auftrag, wurde selbst von etwa 50 Malern porträtiert, sammelte Kunst jeglicher Art und organisierte Ausstellungen für unbekannte Maler. Sie stiftete Reisestipendien an Künstler und einen Kunstpreis in Frankreich, richtete einen Fonds zur Unterstützung von Kunststudenten ein und ließ in Tel Aviv ein Museum für Moderne Kunst, den Helena-Rubinstein-Pavillon, erbauen. An der Universität von Massachusetts richtete sie einen Lehrstuhl für Chemie ein und gründete 1953 die Helena Rubinstein-Foundation, die bis heute Wissenschaftlerinnen fördert und seit 1998 mit Unterstützung der UNESCO alljährlich den mit je 20.000 US-Dollar dotierten Helena-Rubinstein-Preis an vier Forscherinnen vergibt.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Puderkrieg, Dokumentarfilm, USA 2007 (Das Drehbuch entstand nach dem Buch War Paint: Miss Elizabeth Arden & Madame Helena Rubinstein von Lindy Woodhead.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwin Blumenfeld: "Einbildungsroman", Die andere Bibliothek, Greno Nördlingen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helena Rubinstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Marie-Sophie Carron de la Charrière-Lévy, Michèle Fitoussi, Mason Klein, et al.: Helena Rubinstein – L'aventure de la beauté. Éditions Flammarion, Paris 2019, ISBN 978-2-08-147920-3, S. 17–32.
  2. Claudia Lanfranconi, Antonia Meiners, "Kluge Geschäftsfrauen", Elisabeth Sandmann Verlag, ISBN 978-3-938045-22-0
  3. http://www.nytimes.com/1989/04/17/obituaries/roy-v-titus-79-cosmetics-executive-and-philanthropist.html
  4. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/wie-einst-helena-rubinstein-ist-heute-irena-eris-die-schoenheits-botschafterin-polens-es-gibt-keine-haesslichen-frauen,10810590,10722648.html
  5. Jonathan Petropoulos: The Faustian Bargain – the art world in Nazi Germany. Oxford University Press US, 2000. ISBN 0195129644 Seite 233