Helene Deutsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Journalistin ähnlichen Namens siehe Helen Deutsch.

Helene Deutsch (geboren 9. Oktober 1884 in Przemyśl, Galizien, Österreich-Ungarn; gestorben 29. März 1982 in Cambridge, Massachusetts; geborene Rosenbach) war eine austroamerikanische Psychoanalytikerin. Sie war die erste Psychoanalytikerin, die sich auf die Psychologie der Frau und weibliche Sexualität spezialisierte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Als jüngste Tochter einer assimilierten jüdischen Familie – ihr Vater Wilhelm Rosenbach war Rechtsanwalt – wuchs Deutsch ohne religiöse Bindung an das Judentum auf. Mit dem sozialistischen Politiker Herman Lieberman gründete sie in Przemyśl eine Organisation für Arbeiterinnen und begleitete ihn 1910 zum Kongress der Sozialistischen Internationale nach Stockholm.

Sie studierte ab 1907 Medizin in Wien und München und promovierte 1912 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Im gleichen Jahr heiratete sie den Arzt Felix Deutsch und nahm eine unbezahlte Stelle als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien bei Julius Wagner-Jauregg an und assistierte bei dessen Erforschung der Malariatherapie zur Behandlung der progressiven Paralyse.

1917 wurde ihr Sohn Martin Deutsch geboren, der ein bekannter Physiker wurde. Die von ihr wahrgenommenen, durch Mutterschaft und Frau-Sein bedingten Konflikte bearbeitete sie 1918 in einer Analyse bei Sigmund Freud. Er brach diese allerdings ab, weil er meinte, keine Hinweise auf eine Neurose bei ihr finden zu können.

Als Schülerin und Mitarbeiterin Freuds und seit 1918 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung war sie die erste Frau, die sich intensiver mit der „Psychologie der Frauen“ befasste. 1923 ging sie nach Berlin, um sich weiterzubilden und bei Karl Abraham eine Lehranalyse zu durchlaufen. 1935 flüchtete die Familie aus dem vom Austrofaschismus regierten Österreich und zog in die USA. In Cambridge (Massachusetts) war sie bis zu ihrem Tod 1982 als anerkannte Psychoanalytikerin tätig.

In Weiterführung des Freudschen Ansatzes übernahm Helene Deutsch zwar die Vorstellungen Freuds von Ödipuskomplex, Penisneid, Kastrationsangst und Narzissmus, betonte aber die anatomischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern und beschäftigte sich hauptsächlich mit den spezifischen Auswirkungen dieser psychoanalytischen Konzepte auf die weibliche Psyche und Sexualität.

In ihren Arbeiten über die Psychologie der Frau und über weibliche Sexualität flossen autobiografische Erfahrungen ein. 1973 erschien ihre Selbstbiografie Confrontations with myself (in deutscher Übersetzung: Selbstkonfrontation). Anfang der 1970er Jahre nahm an Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg teil.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Confrontations with Myself. New York : Norton, 1973
    • Selbstkonfrontation. Die Autobiographie einer großen Psychoanalytikerin. München : Kindler, 1975

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Vol II, 1 München : Saur 1983 ISBN 3-598-10089-2, S. 212 f.
  • Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938. Tübingen : Edition Diskord, 1992 ISBN 3-89295-557-3, S. 75–77
  • Jutta Dick & Marina Sassenberg: Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert, Rowohlt, Reinbek 1993 ISBN 3-499-16344-6.
  • Uwe Henrik Peters: Psychiatrie im Exil : die Emigration der dynamischen Psychiatrie aus Deutschland 1933–1939, Kupka, Düsseldorf 1992, ISBN 3-926567-04-X, S. 72 f.
  • Paul Roazen: Helene Deutsch. A Psychoanalyst’s Life, Doubleday, N.Y. 1985.
    • Paul Roazen: Freuds Liebling Helene Deutsch. Das Leben einer Psychoanalytikerin. Verlag Internat. Psychoanalyse, München 1989, ISBN 3-621-26513-9.
  • Inge Stephan: Helene Deutsch in: Hans Erler u.a. (Hrsg.): „Meinetwegen ist die Welt erschaffen“. Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums. 58 Portraits Campus, Frankfurt 1997, ISBN 3-593-35842-5, S. 185–191

Weblinks[Bearbeiten]