Helfried Weiß

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Helfried Weiß (* 8. August 1911 in Kronstadt, Siebenbürgen, damals Königreich Ungarn; † 6. Dezember 2007 in Röhrmoos bei München) war ein Maler, Zeichner und Kunsttheoretiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde Helfried Weiß am 8. August 1911 in Kronstadt, wo er das Honterus-Gymnasium besuchte und vom Maler Heinrich Schunn früh gefördert wurde. Sein Kunststudium begann er in Klausenburg, setzte es in Paris und Bukarest fort, um es 1937 an der Akademie für Angewandte Kunst in München abzuschließen. Danach war Helfried Weiß, der eine mehrköpfige Familie zu ernähren hatte, Kunsterzieher an unterschiedlichen Schulen in Rumänien, vor allem in Kronstadt, zuletzt an dem Gymnasium, das er als Achtzehnjähriger verlassen hatte. Nie hat er es sich leisten können, als freischaffender Künstler sich ausschließlich seiner bildnerischen Arbeit zu widmen. 1988 siedelte er als Rentner nach Deutschland aus, lebte zunächst in München und zuletzt in Röhrmoos. Nach dem Tod seiner Frau 1989 sei er wie gelähmt gewesen, doch zahlreiche Reisen nach Italien, die er in den neunziger Jahren mit einer neuen Gefährtin unternahm, das flimmernde Licht auf der südlichen Landschaft und deren farbenfrohe Lebendigkeit weckten seine Schaffenskraft aufs Neue: Es entstanden optimistisch heitere Aquarelle und Arbeiten in Mischtechnik, die nichts von dem Alter dessen ahnen lassen, der sie schuf.

In Erinnerungen, die er dem Publizisten und Kunsthistoriker Claus Stephani 2004 aufs Band gesprochen hat, äußerte sich Helfried Weiß unter anderem kurz auch über das, was ihm seine Herkunft bedeute, und gab lakonisch zu Protokoll, Kronstadt, der Ort seiner Geburt, mit wenig Unterbrechungen auch der seines Lebens und Schaffens über 75 Jahre lang, sei für ihn inzwischen „wie ein Phantomschmerz“, das ist das Wehtun von Gliedmaßen, die längst amputiert worden sind und sich dennoch von Zeit zu Zeit schmerzhaft zurückmelden.

Es muss also im Selbstverständnis dieses Künstlers eine sehr enge, intime, geradezu organische Verbindung zum Landstrich seiner Herkunft gegeben haben, so wie vom Rumpf zum Bein oder zu Arm und Hand. Und sie hat offenbar bis spät bestanden, diese Art von Bindung, auch wenn sich der Maler in den Jahren nach seiner Ausreise 1988 anderen Landschaften und anderen Gegenständen zugewandt hat. Sie war wohl von Anbeginn und bis zuletzt sicherer Teil des tragenden Grunds, auf dem der Suchende, der jeder Künstler ist, immer wieder Halt fand und von dem er ausgehen konnte auch zu neuen Ufern.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den siebenbürgisch-sächsischen Künstlern ist Helfried Weiß der unbestrittene Meister materialgerechter Schwarz-weiß-Grafik. In seinen Arbeiten setzt er sich mit zahlreichen Techniken auseinander: Linolschnitt, Holzstich, Collage, Siebdruck, Schablonendruck, Monotypie und Zeichnung. In Kompositionen, die nicht an bestimmte Objekte gebunden, spontaner Eingebung folgen, erreicht seine Kunst ihren Höhepunkt.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Stephani: Täglich einmal ins Palais du Louvre. Rumänische Künstler in Frankreich / Zu einem Buch von Gabriel Badea-Păun. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (Bukarest), 30. Dezember 2015, S. 11.
  • Gabriel Badea-Păun: Pictori români în Franța, 1834–1839. Noi Media Print: București, 2012, S. 279 ISBN 978-606-572-014-5
  • Gertrud Lexen-Linsenmaier: Da kann ich mich nur tief verneigen. Anlässlich der Vernissage des Malers und Grafikers Helfried Weiß. In: Neue Kronstädter Zeitung (München), 27. Jg., Folge 3, 7. Oktober 2011, S. 3.
  • Ausstellung in Dachau: Zum 100. Geburtstag von Helfried Weiß. In: Siebenbürgische Zeitung (München), 27. Juli 2011.
  • Hannes Schuster: Helfried Weiß – Welt abgebildet mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit. In: Siebenbürgische Zeitung (München), 13. August 2008.
  • Claus Stephani: „Ich hatte niemals Angst.“ (II) Rückschau auf ein Leben. Prof. Helfried Weiß / Erinnerungen an den Krieg. In: Neue Kronstädter Zeitung (München), 4/2004, 15. Dezember 2004, S. 1 u. 3.
  • Claus Stephani: „Ich hatte niemals Angst.“ (I) Rückschau auf ein Leben / Prof. Helfried Weiß an seinem 93. Geburtstag. In: Neue Kronstädter Zeitung (München), 3/2004, 20. September 2004, S. 1 u. 3.
  • Brigitte Nussbächer-Stephani: „Folge von Gedanken und Erinnerungen.“ Zu den Zeichnungen von Helfried Weiß. In: Neue Kronstädter Zeitung (München), 18/4, 20. Dezember 2002, S. 4.
  • Rohtraut Wittstock-Reich: Die Welt malerisch sehen. Ein Atelierbesuch bei dem Grafiker Helfried-Weiß. In: Brigitte Stephani (Hg.): Sie prägten unsere Kunst. Studien und Aufsätze. Dacia Verlag, Cluj-Napoca, 1985, S. 269–270.
  • Brigitte Stephani: So lange es Menschen gibt. Zu Besuch bei Helfried Weiß. In: Sie prägten unsere Kunst. Studien und Aufsätze. Dacia Verlag, Cluj-Napoca, 1985, S. 271–273.
  • Günther Ott: Helfried Weiss. In: Ostdeutsche Gedenktage 1986. Persönlichkeiten und historische Ereignisse. Bonn 1985, S. 140–142.
  • Claus Stephani: Früchte aus zehn Jahren. Retrospektivausstellung Helfried Weiß in Kronstadt. In: Neue Literatur (Bukarest), 17/5-6, 1966, S. 142.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Schuster: Helfried Weiß – Welt abgebildet mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit. Siebenbürgische Zeitung, 13. August 2008.
  2. Lexikon der Siebenbürger Sachsen. Wort und Welt Verlag, 1993, S. 569.