Helga Fassbinder

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Helga Fassbinder (* 1941 in Baden-Baden) ist eine deutsch-niederländische Stadtplanerin und Politikwissenschaftlerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassbinder besuchte in Heidelberg das humanistische Kurfürst-Friedrich-Gymnasium (Abitur 1960, Schulpreis für Geschichte) und studierte anschließend an den Universitäten Heidelberg und Marburg Kunstgeschichte und Geschichte, an den Technischen Universitäten Braunschweig und Berlin Architektur und Stadtplanung (Dipl.-Ing.) und an der Universität Bremen Politologie (Dr. rer. pol. summa cum laude).

Sie lehrte als Professorin für Stadtplanung und Stadterneuerung an der Technischen Universität Eindhoven und der Technischen Universität Hamburg-Harburg sowie als Gastprofessorin an verschiedenen europäischen Hochschulen. Sie war Vorsitzende der Stiftung Support Anne Frank Tree und ist Vorsitzende der Stiftung Biotope City. Seit 2006 ist sie Chefredakteurin des internationalen online-Journals ''Biotope City''.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassbinder vertritt eine Form von Stadtplanung, in der neben der Bürgerpartizipation die öffentliche Kommunikation zwischen den verschiedenen städtischen Akteuren, den Vertretern der beteiligten Fachdisziplinen und den politischen Entscheidungsträgern eine wesentliche Rolle spielt und die Re-Integration von Elementen der Natur in die dichte Stadt als eine zentrale Methode bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels und der Stabilisierung von sozialen Gemeinschaften im urbanen Raum gesehen wird.

Behutsame Stadterneuerung

Ende der 1960er Jahre trat sie auf mit dem Postulat der Erneuerung der Innenstädte durch Renovierung und Modernisierung und stellte sich mit Aktivitäten in Berlin-Kreuzberg und verschiedenen viel beachteten Publikationen der damals vorherrschenden Kahlschlag- und Neubaupraxis-Praxis entgegen. Von 1970 bis 1975 war sie Mitglied der Redaktion von Arch+. 1975 wurde sie an die Technische Universität Eindhoven (NL) auf den ersten Lehrstuhl für Stadterneuerung in Europa berufen. Sie propagierte das Konzept einer projektorientierten, dezentralisierten Stadterneuerung und stimulierte diese mit zahlreichen Vorträgen in europäischen Städten. In den 80er Jahren betätigte sie sich aktiv in der europäischen Kampagne für Stadterneuerung und vertrat die Niederlande beim Economic Council of Europe (ECE) in Genf in der Working Party 'Urban and Regional Planning' zum Thema 'Gebietsbezogenen Stadterneuerung'.

Von 1990 bis 1998 war sie Leiterin des Arbeitsbereichs Stadtplanung an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. In dieser Funktion gab sie die Buchreihe Harburger Berichte zur Stadtplanung heraus.

Stadtforum Berlin

1990 entwickelte sie das Konzepts eines Planungsforums für Berlin, das vom damaligen Senator für Stadtentwicklung Volker Hassemer positiv empfangen wurde. Sie wurde Mitbegründerin des Stadtforum Berlin und war bis 1996 Mitglied von dessen Lenkungsgruppe. Die Vorgehensweise und Erfahrungen des Stadtforum Berlin hat sie in einer Buchpublikation mit dem Titel 'Stadtforum Berlin. Einübung in kooperative Planung' niedergelegt.

Anne Frank Kastanie

2007 errichtete sie die Stiftung Support Anne Frank Tree, die sich für die Erhaltung des Anne Frank Baums einsetzte, der Kastanie, die für Anne Frank in der Zeit, die sie sich mit ihrer Familie im Hinterhaus an der Prinsengracht in Amsterdam versteckt hielt, der einzige Ausblick aus dem Dachfenster war. Ab Februar 2008 hat die Stiftung die Sorge für diese Kastanie auf sich genommen. Die Stiftung hat Sämlinge der Kastanie gezüchtet, die an diversen Orten in Europa und in Israel als lebende Mahnmale für Toleranz, Freiheit und gegen Rassismus gepflanzt wurden. Die Stiftung wurde 2013 aufgehoben und ihre Aufgaben an die Stiftung Weltbaum übertragen.

Biotope City

2002 stellte sie mit dem gleichnamigen internationalen Kongress an der TU Eindhoven das Konzept '''Biotope City''' vor, das die intensive Begrünung von baulichen Strukturen als effizienteste und gleichzeitig kostengünstigste Methode der Milderung von Folgen des Klimawandels beinhaltet und von der Vorstellung der hochverdichteten Stadt als einer Form von Natur ausgeht. In der Folge errichtete sie die Stiftung Biotope City, die die Integration von Natur in die dichte Stadt propagiert und u. a. seit 2006 das viersprachige online-journal Biotope City (deutsch, englisch, französisch, niederländisch) herausgibt.

Von 2003 bis 2013 war Helga Fassbinder Mitglied und Vizevorsitzende der 'Technische Commissie Hoofdgroenstructuur' (Grünstruktur-Kommission) der Gemeinde Amsterdam.

Ab 2011 arbeitete sie zusammen mit dem österreichischen Architekten Harry Glück und initiierte den Bau einer Biotope City in Wien. Ab 2013 war sie beratend bei dem Projekt der Biotope City Wienerberg tätig, das 2015 genehmigt wurde, und betreut seit 2016 wissenschaftlich im Rahmen einer Begleitforschung zusammen mit der Universität für Bodenkultur Wien die Planung und den Bau dieses Projekts, das mit ca. 1.000 Wohnungen und Wohnfolgeeinrichtungen auf dem ehemaligen CocaCola-Terrain am Wienerberg entsteht und 2019/20 fertig gestellt sein soll. 2018 hat dieses Projekt den Status eines Kandidat-Pilot-Projekts der Internationalen Bauausstellung Wien (IBA) 2022 erhalten.

Sie veröffentlichte zahlreiche Buchpublikationen und Artikel zu den Themen Offene Planung, Partizipation, Planungsstrategien, Stadterneuerung, Wohnungsbau, Wohnungsversorgung und Design und seit 2002 vorrangig zum Thema Städtebau unterm Klimawandel und dem Einsatz von Begrünung zur Milderung der Klimafolgen. Sie ist Mitglied des Deutschen Werkbundes.

Sie lebt in Amsterdam und Wien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Fassbinder, Biotope City – die Gartenstadt des 21. Jahrhunderts. BIOTOPE CITY JOURNAL 2017
  • Helga Fassbinder, Eine Kastanie in Amsterdam / Un marronier d'Amsterdam. Les Editions Manson, Paris 2016
  • Helga Fassbinder, De Stad als Natuur als Bouwopgave. BIOTOPE CITY JOURNAL, Amsterdam, 2014
  • Helga Fassbinder, The City as Nature: Programming a U-Turn in Architecture and Urban Planning. BIOTOPE CITY JOURNAL, Amsterdam, 2012
  • Helga Fassbinder, Stadtforum Berlin. Einübung in kooperative Planung. Hamburg 1995
  • Helga Fassbinder, Isabel Bauer, Wichtig war das Bewusstsein, Einfluss zu haben. Erfahrungswelten von Frauen im Bau- und Planungswesen der DDR. Hamburg 1997
  • Helga Fassbinder, Jos van Eldonk, Flexible Fixation. The paradox of Dutch housing architecture. Assen/Maastricht 1991
  • Helga Fassbinder, Adrie Proveniers, New Wave in Buildings. A flexible Way of Design, Construction and Real Estate Management. Assen/Maastricht 1990

weitere Literaturangaben auf der Homepage von Helga Fassbinder

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]