Helga Grebing

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Helga Grebing bei der Präsentation ihres Buches Fritz Sternberg. Der Dichter und die Ratio – Erinnerungen an Bertolt Brecht in Berlin

Helga Grebing (* 27. Februar 1930 in Berlin-Pankow) ist eine deutsche Historikerin und emeritierte Professorin mit den Schwerpunkten in der Sozialgeschichte und der Geschichte der Arbeiterbewegung.

Helga Grebing 2009

Familie und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helga Grebings Vater war Maurer, ihre Mutter war Fabrikarbeiterin und später Lebensmittelverkäuferin. Ihre Jugend verbrachte sie in Berlin-Pankow und in der Nähe von Berlin.[1] Sie besuchte nach der Volksschule die Handelsschule in Berlin-Neukölln. In den letzten beiden Kriegsjahren arbeitete sie als „Rüstungsfabrikarbeiterin in Wildau bei Schwartzkopff, dem großen Lokomotivbau-Unternehmen“.[2][3][4] In der Zeit war sie BDM-Führerin.[5][6][7][8] Im Jahr 1946 schloss sie die Handelsschule als geprüfte Kauffrau ab. Unmittelbar danach begann Helga Grebing als Jüngste ihres Jahrganges mit 16 Jahren an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät der Berliner Universität und machte dort 1947 das Abitur. Danach studierte sie an den regulären Fakultäten der Hochschule Geschichte, Germanistik, Philosophie und Staatsrecht. Im Jahr 1948 trat Grebing der SPD bei. Wegen Ablehnung der Entwicklung in der DDR wechselte sie 1949 an die Freie Universität Berlin und promovierte bei Hans Herzfeld 1952 zum Dr. phil. Thema der Arbeit war Das Zentrum und katholische Arbeiterschaft in der Weimarer Republik.

Berufliche Tätigkeit und Habilitation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1953 bis 1959 arbeitete sie als Lektorin für Zeitgeschichte und Politik im Olzog-Verlag sowie als Redakteurin der Zeitschrift Politische Studien. Außerdem war sie seither Dozentin bei der Akademie für politische Bildung in Tutzing, für weitere Bildungseinrichtungen des DGB und der SPD sowie der Lehrerfortbildung. Zwischen 1959 und 1961 leitete Grebing das Internationale Studentenwohnheim „Geschwister Scholl“ in München und war gleichzeitig in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Akademiker in München aktiv. Zwischen 1961 und 1965 war sie Abteilungsleiterin der Münchner Volkshochschule. In den Jahren 1964 bis 1966 arbeitete sie als Referentin der Hessischen Zentrale für politische Bildung. Im Jahr 1967 begann Helga Grebing ihre Habilitationsschrift im Fach Politikwissenschaften mit dem Titel Konservative Kritik an der Demokratie in der Bundesrepublik nach 1945. Gutachter waren Iring Fetscher, M. Rainer Lepsius und Hans Herzfeld. Im Jahr 1969 wurde sie habilitiert.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1971 wurde Grebing zur Professorin für politische Wissenschaften (C2) in Frankfurt am Main berufen. Bereits im Wintersemester wechselte sie als Lehrstuhlvertreterin für mittlere und neuere Geschichte nach Göttingen. Dort wurde sie Ende 1972 zur ordentlichen Professorin (C4) für Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ernannt. Im Jahr 1988 wechselte sie zur Ruhr-Universität Bochum und übernahm dort eine Professur für die vergleichende Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und der sozialen Lage der Arbeiterschaft. Verbunden war dies mit der Funktion als Leiterin des „Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung“ (heute Haus der Geschichte des Ruhrgebiets). Im Februar 1995 wurde sie emeritiert.

Außeruniversitäres Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der universitären Forschung und Lehre ist Helga Grebing Mitglied der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand und war zeitweilig Mitglied der Grundwertekommission der Partei. Daneben ist sie Mitglied zahlreicher weiterer wissenschaftlicher und kultureller Organisationen, Kuratorien, Beiräte und Vorstände.

Grebing ist Biographin, Nachlassverwalterin und Mitherausgeberin der Schriften des bedeutenden Kunsthistorikers Wilhelm Worringer.[9] Sie verfasste 2004 eine Doppelbiographie über ihn und seine Frau Marta.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zentrum und katholische Arbeiterschaft 1918–1933. Ein Beitrag zur Geschichte des Zentrums in der Weimarer Republik. Diss. (MS) Berlin 1953.
  • Der Nationalsozialismus. Ursprung und Wesen. Olzog Verlag München 1959f.
  • Die Nachkriegsentwicklung in Westdeutschland 1945–1949. Stuttgart 1980, ISBN 3-476-20140-6.
  • Arbeiterbewegung und Faschismus. Essen 1990.
  • Linksparteien und Gewerkschaften in Europa. Köln 1992.
  • Das „andere Deutschland“ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Essen 1994.
  • Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. Essen 2000.
  • Die Worringers: Bildungsbürgerlichkeit als Lebenssinn – Wilhelm und Marta Worringer (1881–1965). Parthas, Berlin 2004, ISBN 978-3-936324-23-5.
  • Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Von der Revolution 1848 bis ins 21. Jahrhundert. Berlin 2007.
  • Willy Brandt: Der andere Deutsche. München 2008, ISBN 978-3-770547-10-4.
  • Freiheit, die ich meinte. Erinnerungen an Berlin. Berlin 2012, ISBN 978-3-942476-39-3.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.helgagrebing.de/docs/Ankuendigung_Freiheit_die_ich_meinte.pdf
  2. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/intervie/grebing.htm
  3. Schwermaschinenbau Wildau#Schwartzkopffs Lokomotivfabrik
  4. http://www.schwartzkopff-wildau.de/
  5. https://www.helgagrebing.de/
  6. http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/uploads/2012-pdf/2012-12-04_flyer.pdf
  7. http://www.gegen-vergessen.de/regionale-ags/berlin-brandenburg/detailansicht/article/freiheit-die-ich-meinte-erinnerungen-an-berlin-buchpraesentation-mit-helga-grebing.html
  8. http://archiv.spd-berlin.de/archiv/news/news-2013/april-2013/lesung-mit-helga-grebing-freiheit-die-ich-meinte/
  9. http://deutsche-guggenheim.de/d/ausstellungen-abstractionempathy02.php
  10. Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. März 2017.