Helles

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Helles im Glas

Helles, auch Helles Lager, Münchner Hell oder Bayrisch Hell ist eine untergärige, hellgelbe und schwach gehopfte Biersorte.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Farbe des Hellen kann je nach Hersteller von 5 bis 12 EBC variieren. Die Farbe ergibt sich durch niedrige Darrtemperaturen der verwendeten Braumalze. Verwendet werden ausschließlich Malze aus Braugerste, zumeist Pilsner Malz, es können jedoch zusätzlich geringe Beimengungen weiterer Malze zum Einsatz kommen. Vom ähnlichen Pilsner Bier unterscheidet es sich durch eine schwächere Hopfung, wodurch es nur eine geringe Bittere von 16 bis 22 IBU aufweist. Die Stammwürze beträgt zumeist 11,3 bis 12,8 °P bei einem Alkoholgehalt von 4,7 bis 5,4 Volumenprozent.[1] Dadurch ist es von der Biersorte Export Hell nicht klar abgrenzbar. Viele Brauereien im Süden des deutschsprachigen Raumes brauen neben einem Hellen noch ein etwas stärker eingebrautes helles Bier, das dann oft „Export“, „Spezial“, „Märzen“ oder „Festbier“ genannt wird. Die Bezeichnung „Helles“ weist somit auf einen vergleichsweise geringeren Alkoholgehalt hin. Vor der Abfüllung wird es gefiltert, weshalb das Helle ein sogenanntes „blankes Bier“ ist. Wird es nicht gefiltert und kommt trüb zur Abfüllung, wird es auch Keller- oder Zwickelbier genannt.

Helles mit einem Alkoholgehalt von etwa 5 %, hat einen Brennwert von ca. 167 - 175 kJ/100 g (40 - 42 kcal/100 g), die empfohlene Trinktemperatur liegt bei 7 bis 9 °C.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bayern wurde untergäriges Gerstenbier im 19. Jahrhundert zum dominierenden Biertyp. Die Farbe dieser Biere war jedoch sehr unterschiedlich. Die Zeitschrift Wöchentlicher Anzeiger für Biertrinker veröffentlichte im Juli 1829 das Ergebnis einer Untersuchung, wonach von den 51 damaligen Münchner Brauereien 28 Biere als weingelb, 22 Biere als hellbraun und ein Bier als dunkelbraun eingestuft wurden. In den 1850er und 1860er Jahren kamen in München dann jedoch immer häufiger dunklere Biere zum Ausstoß, so dass bald dunkelbraunes Bier als typisch Münchnerische Brauart galt.[2] Um sich gegen die in Norddeutschland auf dem Vormarsch befindlichen Pilsener Brauereien behaupten zu können, braute die Münchner Brauerei Spatenbräu 1894 ein helles Bier für den norddeutschen Markt. Als Spatenbräu dieses Bier am 20. Juni 1895 auf dem Münchner Biermarkt einführte, löste dies einen großen Wirbel aus. Obwohl es auch in den Jahren zuvor immer wieder helle Biere in München zu kaufen gab, gilt dieser Tag als der Geburtstag des Hellen.[3] Auch wenn das Helle anfangs sehr umstritten war, zogen die anderen Münchner Brauereien innerhalb weniger Jahre nach und brauten Helles. Allerdings blieb in München noch bis in die 1940er Jahre das Dunkle das meist getrunkene Bier. Grund dafür könnte gewesen sein, dass der Preis von Dunklem aufgrund einer staatlichen Preisfestsetzung zwei Pfennige unter dem des Hellen lag. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Helle allmählich als die beliebteste Biersorte in München und in weiten Teilen des deutschsprachigen Raumes durch.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom europäischen Markenamt wurde nach anfänglicher Ablehnung und Widerspruch des Unternehmens für Bier aus dem österreichischen 90-Einwohner-Ort Fucking der Name „Fucking Hell“ gebilligt. Die Verwechslungsmöglichkeit mit dem englischen Wort wurde nicht als Ablehnungsgrund gewertet. „Hell“ bezieht sich auf die Farbe des Bieres, die Herstellung erfolgt jedoch nach Pilsner Brauart. [5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Helles – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jörg Krüger: Münchner Hell – Rezepte und Brautipps, Braumagazin, Winter 2014/15
  2. Christian Schäder, Münchner Brauindustrie: 1871 - 1945 ; die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung eines Industriezweiges, Dissertation Universität Regensburg, Tectum Verlag, 1999, ISBN 3828880096, S. 97
  3. Christian Schäder, Münchner Brauindustrie: 1871 - 1945, S. 93
  4. Christian Schäder, Münchner Brauindustrie: 1871 - 1945, S. 96
  5. n-tv: Neues Bier aus Österreich: Brüssel genehmigt „Fucking Hell“, 30. März 2010