Hellmuth Tschörtner

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Hellmuth Tschörtner (* 1. September 1911 in See, Landkreis Rothenburg/Ob. Laus.; † 3. April 1979 in Leipzig) war ein deutscher Maler und Grafiker, der vor allem als Gebrauchsgrafiker und Buchgestalter erfolgreich war.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschörtner begann seine Ausbildung 1930 bei dem Gebrauchsgrafiker Fred Gravenhorst (1896–1977) in Leipzig. Ende 1932 zog er nach Liberec in die ČSR und arbeitete dort unter anderem als Bühnenbildner für das Stadttheater. Ab 1935 besuchte er die Deutsche Kunstschule in Liberec und kehrte schließlich 1938 nach Leipzig zurück. Dort war er als Grafiker bei der Graphischen Kunstanstalt G. Rebner & Co. tätig und besuchte parallel die Abendschule der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. Von 1940 bis 1945 war er als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingesetzt.

Nach 1945 wandte sich der freischaffende Grafiker Tschörtner vor allem der Schrift- und Buchgestaltung zu. Er schuf zahlreiche Stahlstich-Schriftkarten für den Oberlausitzer Kunstverlag und Plakate für das Leipziger Messeamt und das Leipziger Gewandhaus und entwarf Bucheinbände für den Insel-Verlag Leipzig, den Neumann-Verlag Radebeul, den Paul List Verlag und Edition Leipzig. Für die Leipziger Ausstellung Schönste Bücher aus aller Welt gestaltete er 1968 den Sonderpreis Goldene Letter, eine vergoldete Nachbildung der Type a aus Gutenbergs Textura.

Originale Tschörtner-Antiqua, Bleisatz 16 Punkt
Ein Vergleich der Schriften zeigt erhebliche Unterschiede.

Anfang der 1950er begann Tschörtner auf Anregung von Horst Erich Wolter mit den Entwürfen zu einer Satzschrift, die schließlich 1955 als Tschörtner-Antiqua mit der dazugehörigen Tschörtner-Kursiv bei Herbert Thannhaeusers VEB Typoart Dresden/Leipzig für den Handsatz und die Linotype[1] veröffentlicht wurde.

Für seine „hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Buchkunst“ wurde Tschörtner 1973 der Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig verliehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Walch: Zum Schriftschaffen Hellmuth Tschörtners. In: Marginalien (1970) 37, S. 44–47.
  • Walter Weller: Spezialkatalog zum Nachlaß Hellmuth Tschörtner. Sächsische Landesbibliothek, Dresden 1986 (Digitalisat der SLUB Dresden).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine originalgetreue Version der Tschörtner-Antiqua für den Digitalsatz existiert nicht. Eine 2008 veröffentlichte „gefühlvolle Neuinterpretation und vorsichtige Weiterentwicklung“ namens Toshna (Andreas Seidel, Astype/GTF) verzichtet auf die markanten Besonderheiten von Tschörtners Schrift (so den in der Gestaltung an die Minuskel u angelehnten Versalbuchstaben U). Bei genauerer Betrachtung lässt sich feststellen, dass die Dickten der Versalien teilweise erheblich verändert wurden, beispielsweise beim C, W. Der i-Punkt sitzt höher, somit lässt sich kaum noch unterschneiden (Wi), da der Punkt nicht mehr unter der Serife des W sitzt, er überschneidet; die Normalziffern fallen größer aus usw.
    Vgl. auch Informationen zur Toshna. GTF German Type Foundry, archiviert vom Original am 12. Februar 2015, abgerufen am 12. Februar 2015.