Helma Orosz

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Helma Orosz 2013 in Dresden

Helma Ulrike Orosz [ˈoros] (* 11. Mai 1953 in Görlitz) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (CDU). Von 2003 bis 2008 war sie sächsische Staatsministerin für Soziales, vorher war sie Oberbürgermeisterin von Weißwasser/Oberlausitz, danach von 2008 bis zu ihrem krankheitsbedingten Rücktritt 2015 Oberbürgermeisterin von Dresden.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abschluss der POS lernte sie an der Medizinischen Fachschule Görlitz und schloss 1972 mit dem Beruf der Krippenerzieherin ab. Neben der Berufstätigkeit absolvierte sie eine Weiterqualifizierung zur Krippenleiterin an der Betriebsakademie Cottbus (1976–1978). Seit 1975 arbeitete sie als stellvertretende Krippenleiterin in der Stadt Weißwasser in der Oberlausitz, bevor sie 1979 die Leitung einer Kindereinrichtung übernahm. Ab 1989 war sie Leiterin der Kreiskrippenvereinigung Weißwasser. Sie wurde 1990 Gesundheits- und Sozialdezernentin im Landratsamt Weißwasser und wechselte in dieser Funktion 1994 in den neu gegründeten Niederschlesischen Oberlausitzkreis. Von 1998 bis 2001 belegte sie eine berufsbegleitende Weiterbildung in der Fachrichtung Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre an der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie in Bautzen und schloss diese als Verwaltungs-Betriebswirtin (VWA) ab.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orosz trat 2000 in die CDU ein und wurde 2001 Oberbürgermeisterin in Weißwasser/Oberlausitz. Zwei Jahre später legte sie dieses Amt nieder, um als Sächsische Staatsministerin für Soziales tätig zu sein. Von 2004 bis 2008 gehörte sie als Abgeordnete des Wahlkreises Niederschlesische Oberlausitz 1 dem Sächsischen Landtag an.

In Vorbereitung der Oberbürgermeisterwahl 2008 in Dresden wurde sie von einer parteiinternen Findungskommission und dem damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt als Kandidatin den CDU-Mitgliedern vorgeschlagen. Am 10. November 2007 wählte sie der 33. Kreisparteitag der Dresdner CDU mit 97,8 % der Stimmen zur Oberbürgermeisterkandidatin. Sie sollte den 2001 verlorenen OB-Posten für die CDU zurückgewinnen. Im ersten Wahlgang am 8. Juni 2008 verfehlte sie mit 47,61 % die absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang am 22. Juni 2008 setzte sie sich mit 64,04 % gegen Klaus Sühl (Die Linke, 31,12 %) und drei weitere Kandidaten durch.[1] Aufgrund einer Wahlanfechtung wurde sie zunächst als Amtsverweserin eingesetzt.[2] Am 20. November 2008 fand ihre Ernennung statt. Danach übernahm Volker Schimpff ihr Landtagsmandat, Christine Clauß wurde neue Sozialministerin. Am 14. November 2009 wurde sie auf dem Landesparteitag zu einer der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Sachsen gewählt.

Orosz sprach sich als Oberbürgermeisterin im Dresdner Brückenstreit für den Weiterbau der umstrittenen und von der UNESCO abgelehnten Waldschlößchenbrücke aus. Als Vorhaben ihrer Amtszeit benannte sie in der Antrittsrede unter anderem, die UNESCO davon zu überzeugen, dass Waldschlößchenbrücke und Welterbetitel gemeinsam möglich sind, sowie die Schuldenfreiheit Dresdens zu erhalten.[2] Mit Ersterem scheiterte sie letztlich im Juni 2009.

Im Januar 2015 riefen Tillich und Orosz gemeinsam auf zu einer Großkundgebung für Weltoffenheit, gegen Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz. Zuvor hatte sich Orosz um Dialog mit den islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Demonstranten bemüht.[3]

Am 7. Februar 2011 wurde eine Brustkrebs-Operation an ihr vorgenommen.[4] Erst ein Jahr später, am 1. März 2012 nahm sie ihre Amtsgeschäfte wieder auf, sie wurde in dieser Zeit vom Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vertreten.[5] Aufgrund ihrer angeschlagenen Gesundheit trat sie am 28. Februar 2015 – rund fünf Monate vor dem regulären Ablauf ihrer Amtszeit – von ihrem Amt als Oberbürgermeisterin zurück. Ihr späterer Amtsnachfolger, Dirk Hilbert, übernahm am 2. März 2015 die Amtsgeschäfte.[6][7]

Am 30. Mai 2015 wurde ihr von Landtagspräsident Matthias Rößler „für ihre Verdienste als Staats- und Stadtfrau um die freiheitliche demokratische Entwicklung in Sachsen, im Niederschlesischen Oberlausitzkreis und in Dresden“ die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen.[8] Nach ihrem Rücktritt hat sie sich weitgehend in ihr Privatleben zurückgezogen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste der beiden Löwen im Weltkulturerbe Fürst-Pückler-Park Bad Muskau

Helma Orosz war von dessen Gründung an im Mai 2004 bis November 2010 Vorsitzende des Fördervereins Fürst-Pückler-Park Bad Muskau e. V. [9] Unter ihrer Leitung hat der Verein über 100.000 Euro zur Wiederaufstellung der beiden Löwenplastiken vor dem Neuen Schloss im Muskauer Park, der einzigen sächsischen Welterbestätte, gesammelt. Am 14. August 2009 wurde der erste der in Lauchhammer gegossenen Löwen aufgestellt, am 1. April 2010 folgte der zweite.[10]

Am 3. Dezember 2009 setzte Helma Orosz vor dem Landgericht Dresden das Verbot des Bildes „Frau Orosz wirbt für das Welterbe“ der Dresdner Malerin Erika Lust durch. Das Gericht entschied im Eilverfahren, das Bild verletze die Persönlichkeitsrechte von Frau Orosz.[11] Am 16. April 2010 hob das Oberlandesgericht Dresden das Verbot auf, da das Gemälde nach Ansicht der Richter „ein Bildnis der Zeitgeschichte und eine satirische Darstellung“ sei. Das Persönlichkeitsrecht der Klägerin habe hinter die Meinungs- und Kunstfreiheit der Beklagten zurückzutreten. (Az.: 4 U 127/10).[12] Gegen das Urteil war kein weiterer Rechtszug mehr möglich. Da Helma Orosz eine Klage beim Bundesverfassungsgericht ablehnte, war damit das Verfahren abgeschlossen.[13][14]

Orosz ist geschieden, hat eine Tochter und zwei Enkel.[15] Sie wohnt im Dresdner Stadtteil Loschwitz.[16]

Kabinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helma Orosz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlergebnis vom 22. Juni 2008 (dresden.de)
  2. a b Brigitte Holland: Helma Orosz und die sechs Bürgermeister. In: MeinDresden.info. Archiviert vom Original am 5. Januar 2015, abgerufen am 5. Januar 2015.
  3. Rede der Dresdner Oberbürgermeisterin vor dem Stadtrat (Memento vom 18. Juni 2015 im Internet Archive) - mdr, 12. Dezember 2014
  4. An Krebs erkrankte Helma Orosz wird heute operiert. In: Sächsische Zeitung, 7. Februar 2011.
  5. Oberbürgermeisterin Orosz aus Krankenhaus entlassen – Weitere Therapien stehen fest. In: dresden.de. Landeshauptstadt Dresden, 16. Februar 2011, abgerufen am 9. Februar 2017 (Pressemitteilung).
  6. Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz tritt im Februar zurück – nun kandidiert Ulbig. In: DNN-Online, 17. November 2014.
  7. Andreas Weller: Wer kommt nach Helma Orosz? In: Sächsische Zeitung, 3. März 2015.
  8. Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler ehrte sieben Persönlichkeiten mit der Sächsischen Verfassungsmedaille. 30. Mai 2015, abgerufen am 9. Februar 2017 (Pressemitteilung des Landtags zur Verleihung der Sächsischen Verfassungsmedaille).
  9. Regina Weiß: Helma Orosz übergibt Staffelstab an Michael Kretschmer: Förderverein Fürst-Pückler-Park wählt neuen Vorstand. In: Lausitzer Rundschau. 30. November 2010, abgerufen am 5. Juli 2013.
  10. Saisonauftakt mit „Löwengebrüll“ im Park Bad Muskau. Ostdeutsche Sparkassenstiftung, 1. April 2010, abgerufen am 5. Juli 2013.
  11. Gericht verbietet nackte Orosz – Kunst darf eben doch nicht alles! (Bild.de, 4. Dezember 2009)
  12. Bildnis nackter Oberbürgermeisterin von Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt – Urteil Az.: 4 U 127/10 (Oberlandesgericht Dresden, 16. April 2010)
  13. Lust darf Orosz wieder nackt zeigen, in: Sächsische Zeitung, 17. April 2010.
  14. Orosz verzichtet auf Verfassungsklage, in: Bild-„Zeitung“, 20. April 2010.
  15. Helma Orosz: Frauen-Power in Dresden. In: Superillu. Archiviert vom Original am 3. August 2008, abgerufen am 29. März 2009.
  16. Stephan Lohse, Christoph Springer: Hochwasser in Dresden – Pieschen und Laubegast besonders umkämpft. In: DNN-Online. 5. Juni 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
Vorgänger Amt Nachfolger
Ingolf Roßberg (2001–2008) Oberbürgermeister von Dresden
2008–2015
Dirk Hilbert (seit 2015)