Helmbrechts

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Helmbrechts
Helmbrechts
Deutschlandkarte, Position der Stadt Helmbrechts hervorgehoben
50.23677311.715915616Koordinaten: 50° 14′ N, 11° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Hof
Höhe: 616 m ü. NHN
Fläche: 58,66 km²
Einwohner: 8533 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 145 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95233
Vorwahl: 09252
Kfz-Kennzeichen: HO, MÜB, NAI, REH, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 75 136
Adresse der
Stadtverwaltung:
Luitpoldstraße 21
95233 Helmbrechts
Webpräsenz: www.stadt-helmbrechts.de
Bürgermeister: Stefan Pöhlmann (SPD)
Lage der Stadt Helmbrechts im Landkreis Hof
Schwarzenbach an der Saale Zell im Fichtelgebirge Weißdorf Trogen (Oberfranken) Töpen Stammbach Sparneck Selbitz (Oberfranken) Schwarzenbach am Wald Schauenstein Rehau Regnitzlosau Oberkotzau Naila Münchberg Lichtenberg (Oberfranken) Konradsreuth Köditz Issigau Helmbrechts Geroldsgrün Gattendorf (Oberfranken) Feilitzsch Döhlau Berg (Oberfranken) Bad Steben Landkreis Kronach Hof (Saale) Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Kulmbach Landkreis Bayreuth Martinlamitzer Forst-Nord Geroldsgrüner Forst Gerlaser Forst Forst Schwarzenbach a.Wald Sachsen Thüringen TschechienKarte
Über dieses Bild

Helmbrechts ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Hof.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt unweit der Autobahn A 9 auf halber Strecke zwischen Kulmbach und Hof. Sie gilt als Eingangstor zum Frankenwald.

Gliederung[Bearbeiten]

Gemeindeteile sind:[2]
Absang, Almbranz, Altsuttenbach, Bärenbrunn, Baiergrün, Bischofsmühle, Buckenreuth, Bühl, Burkersreuth, Dreschersreuth, Edlendorf, Einzigenhöfen, Enchenreuth, Geigersmühle, Gösmes, Günthersdorf, Hampelhof, Helmbrechts, Hohberg, Hopfenmühle, Jägersruh, Kleinschwarzenbach, Kollerhammer, Kriegsreuth, Lehsten, Oberbrumberg, Oberweißenbach, Ochsenbrunn, Ort, Ottengrün, Ottengrüner Einzel, Rappetenreuth, Rauhenberg, Schlegelmühle, Stechera, Suttenbach, Taubaldsmühle, Unterbrumberg, Unterweißenbach, Wüstenselbitz und Zimmermühle.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundliche erwähnt wurde Helmbrechts im Jahre 1232. Ein Ritter „Dietericus de Helmbrehtes“ ließ zu jener Zeit die ostfränkische Grafschaft des Radenzgaues besiedeln. In einer anderen Stiftungsurkunde vom 25. Mai 1266 wurde ein „Rudegerus de Helmbrehtes“ als Zeuge genannt, der ein Gefolgsmann der „Schawinsteiner“ war. Der Burggraf von Nürnberg schied 1385 sein Reich in zwei Teile, von da an gehörte Helmbrechts zum sogenannten Oberland des Fürstentums Kulmbach (ab 1604 Fürstentum Bayreuth). Da der Burggraf von Nürnberg Schulden bei den Herren von Weida aus der Übernahme der Stadt Hof und des Regnitzlandes hatte, litt Helmbrechts viel unter deren Fehde. Am 8. Dezember 1408 wurde die Region Schauenstein an den Vogt Heinrich von Gera verkauft, 1410 zurückgekauft und 1413 an Meinhard Götz von E(l)bersdorf und Nikel von Watzdorf weiterveräußert. 1412 wurde eine Stadtmauer mit vier Toren gebaut. 1422 erhielt Helmbrechts vom Nürnberger Burggrafen Friedrich V. Stadtrechte. Da das offizielle Dokument in den Wirren beim Einfall der Hussiten (1430) verloren ging, wurden die Stadtrechte 1449, 1639 und 1755 erneuert. Im Jahre 1424 erfolgte auch die kirchliche Trennung von Schauenstein, in Helmbrechts wurde erstmals ein eigener Geistlicher eingesetzt. 1445 wurde Helmbrechts von einer Pestwelle erfasst. Der Bergwerksstollen St. Johann unter dem Kirchberg wurde im Jahr 1490 eröffnet. Es ist nicht bekannt, was abgebaut wurde und wie lange er im Betrieb war, die Dauer wird auf ca. 100 Jahre geschätzt. Viele Legenden ranken sich um die Stollen. Ab 1500 gehörte Helmbrechts zum Fränkischen Reichskreis. 1549 wurde der Vogteibezirk Helmbrechts Kulmbach zugeordnet. 1810 kam der Ort zum Königreich Bayern, nachdem die Stadt von 1806 bis 1810 unter der Herrschaft Napoleons gestanden hatte und zuvor zehn Jahre preußisch regiert worden war.

Bis zur Gebietsreform am 1. Juli 1972 gehörte Helmbrechts zum Landkreis Münchberg und kam im Zuge der Reform zum Landkreis Hof. Mit der Gemeindegebietsreform kamen zahlreiche Orte im Umkreis zur Stadt. Helmbrechts ist nach Münchberg und Rehau die drittgrößte Stadt im Landkreis Hof.

Sonstige Daten der jüngeren Stadtgeschichte:

Jahr Ereignis
1555 Pest
1632 ff. Im Dreißigjährigen Krieg immer wieder durchziehende Truppen
1726 Großbrand (80 Wohnhäuser zerstört)
1733 Brand bei dem ein Drittel aller Bürgerhäuser zerstört wurden, daraufhin wurde der Stadt fünf Jahre Steuerfreiheit gewährt
1807 Nach dem Frieden von Tilsit wird Helmbrechts französisch
1810 Napoleon tritt die Markgrafschaft Bayreuth an den König von Bayern ab, Helmbrechts wird bayerisch
1817 Bau einer Straße von Münchberg nach Helmbrechts
1844 Großbrand
1850 Einweihung der Johanniskirche
1867 Erste Straßenbeleuchtung in Helmbrechts
1871 Großbrand
1877 Sogenanntes 'Weißes Schulhaus' wird gebaut
1887 Am 1. Juni Einweihung der Bahnlinie nach Münchberg
1895 Bau des Aussichtsturms auf dem Kirchberg
1924 Am 1. Juni Einweihung der Bahnlinie nach Schauenstein
1945 Am 11. und 12. April: Tieffliegerangriffe, am 15. April: Räumung des Außenlagers Flossenbürg, Einmarsch der US-Streitkräfte

KZ-Außenlager Helmbrechts[Bearbeiten]

Gedenkstätte Langer Gang in Schwarzenbach an der Saale

Das KZ-Außenlager Helmbrechts war ein im August 1944 bezogenes, aus Holzbaracken bestehendes Konzentrationslager für weibliche Häftlinge, dem KZ Ravensbrück und kurz nach der ersten Belegung dem KZ Flossenbürg unterstellt. Die später bis zu 1000 Insassinnen hatten in den Hallen des Textilunternehmens Witt Zwangsarbeit für die Kabel- und Metallwerke Neumeyer aus Nürnberg zu leisten. Am 13. April 1945 fand der Todesmarsch von insgesamt 1175 Häftlingen statt, der von Haide aus über Meierhof und Ahornberg nach Schwarzenbach an der Saale (siehe auch Gedenkstätte Langer Gang) und dann über Neuhausen bei Rehau, Franzensbad, Marienbad, Plan und Taus ins böhmische Wallern führte. Über 200 Frauen starben an Erschöpfung oder wurden ermordet.

Lagerleiter war der SS-Unterscharführer Alois Dörr, der eine brutale Herrschaft ausübte.[3] Er musste sich 1969 vor dem Schwurgericht in Hof wegen Mordes in 217 Fällen verantworten. Allein während des Todesmarsches starben 59 Häftlinge auf seinen Befehl hin oder wurden von ihm selbst erschossen. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, kam 1979 jedoch aufgrund einer Begnadigung durch den bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel frei.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Baiergrün, Kleinschwarzenbach, Oberweißenbach und Wüstenselbitz eingegliedert.[5] Am 1. Januar 1977 kamen der Markt Enchenreuth und Gösmes (beide vorher im Landkreis Stadtsteinach) hinzu. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Ahornberg und der Gemeinde Schauenstein folgten am 1. Mai 1978.[6]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2002, 2008 und 2014 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

2002 2008 2014
CSU 8 7 7
SPD 11 8 8
Überparteiliche Wählergemeinschaft Stadt und Umland 3 2 1
Helmbrechtser Netzwerk, sprechende Bürger 2 2 3
Aktive Helmbrechtser - 1 1
Gesamt 24 20 20

Wappen[Bearbeiten]

Das Helmbrechtser Wappen ist gespalten, vorne von Silber und Schwarz geviert. Hinten in Silber ein gold bewehrter, rechtsgewandter, roter Adler.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Orgelbauer Karsten Hörl aus Helmbrechts

Wirtschaft[Bearbeiten]

Helmbrechts ist ein Zentrum der Textil- und Kunststoffindustrie. Schon im Mittelalter befanden sich in der Stadt Leinen- und Barchentwebereien. Bauern suchten einen Nebenverdienst, da auf dem nährstoffarmen Boden oft nicht genug Nahrungsmittel produziert werden konnten. Aus diesem Grund wird Helmbrechts oft als „Kleiderschrank der Welt“ bezeichnet.

Mit der Firma Orgelbau Hörl, Werkstatt für künstlerischen Orgelbau unter der Leitung von Orgelbauer Karsten Hörl, wurde die Tradition des Orgelbaus im Landkreis Hof, 1739 begründet durch Johann Nikolaus Ritter, fortgesetzt. Seit 1999 arbeitet Hörl als selbständiger Orgelbauer und gründete 2005 seinen Betrieb mit Sitz in Helmbrechts. Zu den Instrumenten, die die Firma Hörl betreut, gehören die Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen mit 101 Registern, die historische Steinmeyer-Orgel der Stadtpfarrkirche St. Marien in Hof sowie weitere Instrumente in Oberfranken, der Oberpfalz und im benachbarten Tschechien. Die bislang größte neue Orgel der Firma Hörl, mit drei Manualen und 55 Registern, befindet sich in der Pfarrkirche St. Jakob in Mitterteich.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Empfangsgebäude des neuen Bahnhofs
Flugplatz

Straßen[Bearbeiten]

Über die Staatsstraßen 2695 (bis Volkmannsgrün) und 2695 (bis zur Anschlussstelle Hof West) ist Helmbrechts mit der Bundesautobahn 9 (Richtung Berlin, etwa zehn Kilometer) und weiter über die Bundesstraße 15 mit der Stadt Hof verbunden. Nach Münchberg führt die Staatsstraße 2194, die an der Anschlussstelle Münchberg Nord (ca. 6 km) die Verknüpfung mit der A 9 in Richtung Nürnberg bietet. Die Staatsstraße 2194 führt in nordwestlicher Richtung nach Schwarzenbach am Wald, die Staatsstraße 2195 über Presseck nach Stadtsteinach.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Helmbrechts ist von Münchberg aus heutiger Endpunkt der einstigen Bahnstrecke Münchberg–Selbitz. Nach Münchberg verkehren Nahverkehrszüge weitgehend im Stundentakt.

Der erste Bahnhof wurde am 15. November 1886 als Endbahnhof der Strecke Münchberg–Wüstenselbitz–Helmbrechts mit der Fahrt eines „Probezugs“ eröffnet und anschließend im Güterverkehr betrieben.[8] Die Eröffnung auch für den Personen- und Stückgutverkehr zog sich bis zum 1. Juni 1887 hin. In der Folge ließen sich bald mehrere mechanische Textilbetriebe im Ort nieder.[9]

1924 wurde der Bahnhof um ca. 500 Meter versetzt, das alte Gebäude 1986 abgerissen. Am 29. Februar 1924 wurde die Verbindung nach Selbitz zur Bahnstrecke Hof–Bad Steben fertiggestellt, der Helmbrechtser Bahnhof mit dem neuen Empfangsgebäude wurde Durchgangsbahnhof.

Der Reiseverkehr in Richtung Selbitz endete 1976, ein bescheidener Güterverkehr bis Schauenstein verblieb zunächst. Am 31. Dezember 1978 wurde auch dieser Restabschnitt stillgelegt, der Bahnhof Helmbrechts war wieder Endbahnhof.[10]

Flugplatz[Bearbeiten]

Am Südrand der Stadt liegt der Flugplatz Ottengrüner Heide.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Helmbrechts hat ein Hallenwellenbad, ein bewirtschaftetes Naturfreibad, einen Sonderlandeplatz (SFZ Ottengrüner Heide) und einen „FunPark“. Es gibt markierte Rund- und Radwanderwege, darunter einen Jakobsweg sowie Loipen im Winter. Die Europäischen Fernwanderwege E3 und E6 berühren die Stadt. Der Tennisclub Helmbrechts besteht seit 1951 und verfügt über eine Anlage mit drei Plätzen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dr. Martin-Luther-Kirche im Ortsteil Wüstenselbitz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helmbrechts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, München 1987 (Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns), S. 305
  3.  Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus. Frühjahr 1945 in Oberfranken. Späthling, Weißenstadt 2015, ISBN 978-3-942668-23-1, S. 82.
  4. Peter Engelbrecht, op. cit., S. 84
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 526.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 687 und 688.
  7. Ludger Stühlmeyer, Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. S. 180.
  8.  Gernot Dietel, Roland Fraas: Eisenbahn in Münchberg 1848–1998. 1. Auflage. Münchberg-Helmbrechtser Zeitung Verlag, Münchberg 1998, ISBN 3-938463-01-5, S. 71.
  9. Gernot Dietel, Roland Fraas, op. cit., S. 72
  10. Die Lokalbahn Münchberg - Helmbrechts bei mec01.muenchberg.de, abgerufen am 8. Juni 2015
  11. Oberfränkisches Textilmuseum Helmbrechts