Helmut Creutz

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Helmut Creutz

Helmut Creutz (* 8. Juli 1923[1] in Aachen) ist ein deutscher Wirtschaftsanalytiker und Publizist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Creutz' Berufsziel war Ingenieur, er wurde aber zunächst in den Zweiten Weltkrieg einbezogen: Arbeitsdienst, Flugzeugführer- und Fluglehrerausbildung, Kriegsgefangener, anschließend zwei Jahre Krankheit.

1949 bekam er eine Halbtagsstelle in einem Betrieb für Innenausbau, später wurde er dort Leiter des Planungsbüros und zeitweise Betriebsleiter.

Seit 1972 ist Helmut Creutz tätig als freier Architekt und Schriftsteller, seit 1982 als Wirtschaftsanalytiker und Publizist. 1979/80 war er Mitbegründer der Alternativen Liste und der Grünen in Aachen und Nordrhein-Westfalen.

1973 erschien sein erstes Buch: Gehen oder kaputtgehen – ein Betriebstagebuch, innerhalb der Veröffentlichungen des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt, dem er angehörte. 3.000 Exemplare der Gesamtauflage von 50.000 bezog die IG Metall für ihre Vertrauensleute. Sein zweites Buch Haken krümmt man beizeiten - Schultagebuch eines Vaters, war eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bildungssystem, dem „Zwangslernsystem“, wie Creutz es nennt.

Seit 1980 befasste er sich mit den Zusammenhängen zwischen Geld und Gesellschaft, Währung und Wirtschaft. Er hielt zahlreiche Vorträge und Seminare zu diesem Thema und veröffentlichte dazu mehrere Bücher und mehr als hundert Aufsätze. Creutz gilt als Anhänger der Lehren von Silvio Gesell. So aktualisierte Creutz 1996 den von Gesell propagierten Ansatz, dass es eine „optimal und krisenfreie funktionierende Marktwirtschaft selbstständiger und freier Wirtschaftssubjekte und Bürger, jenseits des Kapitalismus“ geben könnte.[2] Hermann Kendel attestierte, Creutz habe „die doch weitgehend in Vergessenheit geratenen Erkenntnisse von Silvio Gesell vom Anfang des letzten Jahrhunderts – nämlich, dass eine kleine Minderheit mit Hilfe des Zinseszinseffektes die große Mehrheit der Menschen für sich arbeiten lässt – wieder aufgenommen und sie unermüdlich und mutig weiterentwickelt“.[3]

1993 erschien Creutz' Hauptwerk Das Geld-Syndrom im Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, bearbeitete Ausgaben später bei Ullstein (als Taschenbuch) und Econ. Es wurde ins Ungarische, Englische, Französische und Teile davon ins Persische übersetzt, und es erschien auch als Hörbuch. 2012 gab Creutz fast 90-jährig eine vollständig überarbeitete Neuausgabe unter dem Titel Das Geld-Syndrom 2012 beim Wissenschaftsverlag Mainz, Aachen, heraus.

Helmut Creutz ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Finanzkrise ab 2007 wird Helmut Creutz von einigen Wirtschaftswissenschaftlern beachtet. So etwa durch Christian Kreiß an der Hochschule Aalen: „Im Gegensatz zur konventionellen Ökonomie haben Außenseiter wie Helmut Creutz, von dem das Eingangszitat dieser Ausführungen[4] stammt, seit langem auf Denkfehler der gängigen Volkswirtschaftslehre und strukturelle Fehlentwicklungen im Ökonomiesystem hingewiesen, wurden jedoch (und werden größtenteils auch weiterhin) von den recht hochmütig sich verhaltenden Anhängern der gängigen Ökonomielehre nicht ernst genommen“.[4] Jürgen Kremer, Wirtschaftsmathematiker in Koblenz, schrieb, er sei durch Helmut Creutz auf die Umverteilungsmechanismen des Zinses aufmerksam gemacht worden. „Durch die Auseinandersetzung mit ihm und seinen Erkenntnissen bin ich zur Entwicklung der Dynamischen Analyse inspiriert worden. Die dadurch gewonnenen Ergebnisse zählen zu den wichtigsten wissenschaftlichen Einsichten meines Lebens.“[5]

Verschiedentlich werden Creutz rechtsextreme Tendenzen vorgeworfen[6][7], was damit begründet wird, dass er Anfang der 1980er Jahre mindestens zwei Mal in der Heimvolkshochschule des Collegium Humanum referierte und für die rechtsoffene[8] Zeitschrift Der dritte Weg der Freisozialen Union sowie für die DAZ des NPD-nahen[9] Deutschen Arbeitnehmer-Verbands schrieb. Creutz weist die Vorwürfe zurück; es gehe seinen Kritikern nur um Diffamierung. Weder in seiner Vita noch in seinen ganzen Veröffentlichungen sei Belastendes zu finden. Auf der Seite In eigener Sache[10] seines Internetauftritts nimmt er detailliert Stellung und bekundet: „Ich distanziere mich uneingeschränkt sowohl vom Rechts- als auch vom Linksextremismus!“

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gehen oder kaputtgehen – ein Betriebstagebuch, Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1973, ISBN 978-3436017040.
  • Haken krümmt man beizeiten – Schultagebuch eines Vaters, Bertelsmann, 1977, ISBN 978-3423100823.
  • Wachstum bis zur Krise (zusammen mit Werner Onken und Dieter Suhr), Basis-Verlag, Berlin 1986, ISBN 978-3880254145.
  • Bauen, Wohnen, Mieten – welche Rolle spielt das Geld?, Gauke Verlag, Lütjenburg 1987, ISBN 978-3879984077.
  • Das Geld-Syndrom (1. Auflage), Wirtschaftsverlag Langen Müller/Herbig, München 1993, ISBN 3-7844-7306-7.
  • Das Geld-Syndrom 2012 (aktualisierte Neuausgabe), Wissenschaftsverlag Mainz, Aachen 2012, ISBN 978-3-8107-0140-4.
  • Die 29 Irrtümer rund ums Geld, München: Signum Wirtschaftsverlag, München 2004, ISBN 3-7766-8004-0.

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geldsyndrom. Kurze Einführung in die Problematik des Zinssystems nach dem gleichnamigen Buch. Laufzeit: 10:31 Minuten.
  • „Das Geldsyndrom“ − über den Autor. Befürworter der Geldreform über die Arbeit von Helmut Creutz. Mit englischen Untertiteln. Laufzeit: 9:58 Minuten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wulsten/Lindner/Onken: Helmut Creutz wird 75 (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive). In: Zeitschrift für Sozialökonomie, 117. Folge, Juni 1998. Abgerufen am 28. November 2013.
  2. Detlef Georg Siebert: Wir im All – das All in uns. Ken Wilbers Vision eines ungeteilten Daseins. Konzepte für eine menschliche Evolution, Books on Demand, Norderstedt 2001, S. 143.
  3. Aus Hermann Kendels persönlicher Unterstützung eines Antrags auf Verleihung des Right Livelyhood Award 2007 an Helmut Creutz. Abgerufen auf der Homepage von Helmut Creutz am 21. Juni 2010.
  4. a b Christian Kreiss: Alles nur Zufall? Die Auswirkungen der Finanzkrise auf Spanien, horizonte 37, Monsheim März 2011. Abgerufen am 28. November 2013.
  5. Aus dem Vorwort seines Buches Grundlagen der Ökonomie – Geldsystem, Wachstum, Zinsen und die Polarisierung der Gesellschaft, Metropolis, Weimar bei Marburg 2012.
  6. so Oliver Geden, „Rechte Ökologie“, Jutta Ditfurth, „Entspannt in die Barbarei“, Justus Ulbricht, „Grün als Brücke zu braun?“
  7. Vgl. Klaus Schmitt: Entspannen Sie sich, Frau Ditfurth!, Espero & Editions Achtacht3, 1998, S. 33. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  8. Hans-Joachim Werner: Gutachten Hans-Joachim Werners für den Landesverband Nordrhein-Westfalen der FSU.
  9. Verfassungsschutzbericht für das Land NRW 1994, S 55f
  10. Helmut Creutz: In eigener Sache