Helmut Erlinghagen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Helmut Erlinghagen SJ (* 9. Oktober 1915 in Hagen; † 29. Oktober 1987 in Bad Soden am Taunus[1][2]) war ein deutscher Augenzeuge des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6. August 1945 und Mitglied des Jesuitenordens. Er überlebte die Explosion der Atombombe um 42 Jahre.

Seit 1935 gehörte Helmut Erlinghagen der Gesellschaft Jesu an und übersiedelte 1937 nach Japan. Über Begleitumstände seiner Priesterweihe kurz vor dem Ende des II. Weltkrieges berichtet er selbst:

In den letzten Tagen des Juni 1945 wurde ich von Bischof Fukabori von Fukuoka, der nur mit großer Mühe zu uns kommen konnte, in der Kapelle des Noviziats vorzeitig zum Priester geweiht. Diese nicht nur bei mir vorgezogenen Weihen zeigen den Ernst der damaligen Situation: Wir sollten zumindest „als Priester sterben“.[3]

Am 2. Januar 1945 fuhr er mit dem Zug mit einem Missionskollegen von Tokio nach Hiroshima zur Missionszentrale der Gesellschaft Jesu, die zwischen Bahnhof und Stadtzentrum lag. Von dort ging es weiter zum Noviziat der Gesellschaft Jesu nach Nagatsuka – hier blieb er wohl bis Oktober –, das sich genau viereinhalb Kilometer vom Stadtmittelpunkt Hiroshimas entfernt auf einem der westlichen Ausläufer der Berge befand:

„Das Haus war im japanischen Stil erbaut, doch durch solide Querverstützungen war es stabiler als die üblichen Holzkonstruktionen.“[3]

Er erlebte dort als einer der wenigen Europäer den Abwurf der Atombombe auf die Stadt, als dessen Spätfolge er 1978 schwer lungenkrank wurde. Nach einem Philosophiestudium in den USA zog er erneut nach Japan und lehrte dort Ethik an der Sophia-Universität von Tokio. Im Jahr 1971 kehrte er in seine Heimat Deutschland zurück und hatte bis zu seinem Tod 1987 einen Lehrauftrag an der Universität Mainz.

Eines der wichtigen Anliegen seines ethischen Schaffens war es, den Einsatz der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki als Verbrechen zu verurteilen und den Sinn des Lebens im Atomzeitalter darin zu sehen, sich für alle lebenden Werte verantwortlich zu fühlen und in soziale Verantwortlichkeiten einbezogen zu werden.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Japan – Ein deutscher Japaner über die Japaner (1974)
  • Japan – Eine Landeskunde (1979)
  • Hiroshima und wir – Augenzeugenberichte und Perspektiven (1982)
  • Selbstmord und Lebenssinn im Atomzeitalter (1994)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.kulturkreis-glashuetten.de/wir-%C3%BCber-uns/
  2. https://www.google.com/imgres?imgurl=https%3A%2F%2Fwww.fernuni-hagen.de%2Fimperia%2Fmd%2Fimages%2Fpresse%2Ffotos%2F2019%2F12%2Fhagen-postkolonial-helmut-erlinghagen.jpg&imgrefurl=https%3A%2F%2Fwww.fernuni-hagen.de%2Funiversitaet%2Faktuelles%2F2019%2F12%2Fstadtplan-hagen-mit-kolonialen-orten.shtml&docid=XlkahnkbA60_aM&tbnid=PJzny5Y62EOULM%3A&vet=10ahUKEwjyut6u5bXmAhVLY8AKHf6bBD0QMwhWKAcwBw..i&w=500&h=300&bih=852&biw=1745&q=helmut%20erlinghagen&ved=0ahUKEwjyut6u5bXmAhVLY8AKHf6bBD0QMwhWKAcwBw&iact=mrc&uact=8
  3. a b Helmut Erlinghagen: Hiroshima und wir. Augenzeugenberichte und Perspektiven. Frankfurt am Main 1982. S. 9, 11