Helmut Markwort

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Markwort im Jahr 2005 in Berlin

Helmut Markwort (* 8. Dezember 1936 in Darmstadt) ist ein deutscher Journalist und Medienmanager. Von 1993 bis 2010 war er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus und wurde danach dessen Mitherausgeber. Zudem übernahm er Führungspositionen in verschiedenen Firmen des Burda-Konzernes

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Markwort (rechts), 2013 in Hannover

Im Zweiten Weltkrieg kam seine Familie bei Verwandten in Rodach unter. Dort besuchte er die Volksschule, anschließend für zwei Jahre das Gymnasium Casimirianum in Coburg und machte schließlich das Abitur am humanistischen Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt

Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1956 bis 1966 war Markwort im Lokaljournalismus bei verschiedenen Zeitungen in Darmstadt, Wuppertal, Nürnberg und Düsseldorf tätig, schrieb für Die Zeitung des Verlegers Waldemar Schweitzer und stand der Düsseldorfer stern-Redaktion vor.

1966 bis 1970 leitete er die Programmzeitschrift Bild+Funk, danach wechselte er zu Gong. Markwort entwickelte während der Tätigkeit beim Gong Printmedien wie die aktuelle und Ein Herz für Tiere.[1]

Von 1985 bis 1991 war Markwort Geschäftsführer von Radio Gong 2000 und wurde 1985 geschäftsführender Gesellschafter der Medienpool GmbH, die sich 1988 an Antenne Bayern beteiligte.[2]

Im Juni 1992 wechselte Markwort zu Hubert Burda Media. Als Vorstandsmitglied prägte er die Schweriner Volkszeitung und ab 1993 als Chefredakteur das Nachrichtenmagazin Focus, das als Alternative zum Spiegel konzipiert wurde. Focus erzielte eine relativ hohe Auflage[3] und wurde durch das Wirtschaftsblatt Focus-Money [4], dessen Herausgeber er ist, sowie Focus TV und Focus Online, deren Geschäftsführer er seit 1996 ist[5], ergänzt. Der Werbespruch des Focus „Fakten, Fakten, Fakten“ wurde zum geflügelten Wort. Dieser wurde vom Satiremagazin Titanic im Rahmen einer Karikatur als "Ficken, Ficken, Ficken" humoristisch verarbeitet, was schließlich eine erfolglose[6] Klage seitens Markworts nach sich zog.[7]

Seit 1994 hat Markwort die Position des alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführers der Burda Broadcast Media GmbH inne. Dezember 2001 bis Juli 2004 war er Aufsichtsratsvorsitzender der „Tomorrow Focus AG“. Von Juni 2002 bis Herbst 2010 [8] war er Aufsichtsratsvorsitzender der Playboy Deutschland Publishing.[9]

Laudatio von Markwort auf Henryk Broder, 2007

Markwort hat sich im Herbst 2010 als Focus-Chefredakteur zurückgezogen. Sein Nachfolger wurde Wolfram Weimer, der vom politischen Magazin Cicero kam. Markwort blieb Herausgeber von Focus.[10] Seit Jahresbeginn 2013 ist der bisherige Chefredakteur Uli Baur Mitherausgeber.

Fernsehen und neue Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1989 ist Markwort regelmäßig im Fernsehen präsent, zum Beispiel als Stammgast beim „Stammtisch“ von 3sat oder bis 2003 als Co-Moderator von Gerd Ruge in „NeunzehnZehn“ sowie bis 2007 in der Sendung „bookmark“.[11] Bei der ZDF-Suche nach dem wichtigsten Deutschen 2003 präsentierte Markwort Otto von Bismarck.[12]

Aufsehen erregte er am 12. Juni 2005 in der Sendung „Sabine Christiansen“, als er den politisch Linken generell und seinem Nebenmann Ottmar Schreiner (SPD) im Besonderen vorwarf, ihre Wirtschaftspolitik sei „nationaler Sozialismus“. Schreiner warf Markwort daraufhin vor, mit der Aussage diffamierend auf die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ anzuspielen.

Neben diesen Positionen leitet Markwort seit Oktober 2007 die Fernsehdiskussionsrunde Sonntags-Stammtisch im Bayerischen Fernsehen.[13] Markwort hat im Lauf der Jahre ein kleines Reich an Radiobeteiligungen aufgebaut, darunter an Antenne Bayern und Hit Radio FHH. Im Februar 2016 beteiligte er sich an dem Technikdienstleister UPLINK Network GmbH aus Düsseldorf[14] für die Zeit ab Frühjahr 2011 wurde er ausgewählt als neuer Moderator der Sat 1 Talkshow Talk im Turm, was jedoch vom Bayerischen Fernsehen vereitelt wurde.[15] Am 8. Mai 2016 erklärte Markwort in der BR-Sendung Sonntags-Stammtisch: „Ich habe aus zuverlässiger Quelle gehört, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zurücktreten will.“. Dieser dementierte umgehend. Markwort behauptete anschließend, er fühle sich von seinem Informanten missbraucht.[16] Die Deutlichkeit, mit der sich Markwort auf diese Behauptung eindeutig festgelegt hatte, brachte ihm im Internet und bei Satirikern viel Spott ein.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markwort spielt neben Tennis auch Fußball und begleitet als Aufsichtsratmitglied des FC Bayern München dessen Mannschaft mitunter zu Spielen.[17][18] Im Focus schrieb er unter dem Pseudonym Moritz Rodach über den seinen Verein, ohne seinen Interessenkonflikt offenzulegen.[19] Insoweit wies Hans Leyendecker auf die Ironie der Geschichte hin, dass 2013 ausgerechnet Markworts Focus als erstes Blatt über die Steueraffäre von Uli Hoeneß berichtete, während Markwort selbst vor allem über die Verletzung des Steuergeheimnis lamentierte.[20]

Markwort gilt als ein Freund des Schauspiels; so war er mit Günter Strack befreundet und ist mitunter im Darmstädter „Datterich“ auf der Bühne zu sehen.[21][22] 2010 spielte Markwort in Freilichtaufführungen des Volkstheaters Frankfurt den „Tod“ in „Der hessische Jedermann“.[23] und in der Aufführung des Musicals „My Fair Lady“ auf der Freilichtbühne Altusried die Rolle des „Oberst Pickering“.[24] Hinzu kamen kleinere Rollen in Film- und Fernsehproduktionen.

Markwort ist seit 1968 Mitglied der FDP[25] und seit 2003 Mitglied im Kuratorium der von ihm mitgegründeten Christian-Liebig-Stiftung e.V., die im Gedenken an den im Irak getöteten FOCUS-Journalisten Christian Liebig gegründet wurde und sich für mehr Bildung in Afrika einsetzt. 2007 wählte Markwort als alleiniger Preisrichter des Ludwig-Börne-Preises den „geborenen Polemiker[26] Henryk Broder zum Preisträger.

Aus einer früheren Ehe hat Markwort einen Sohn. Seit 1996 ist seine Lebensgefährtin Patricia Riekel;[27] sie ist bzw. war Chefredakteurin der Burda-Blätter „Bunte“,„InStyle“ und der 2009 eingestellten„Amica“.[28]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografie im who's who
  2. Andreas Wilkens: Alles zum Thema: Helmut Markwort - GQ. GQ Starportrait. In: Gentlemen’s Quarterly. Condé-Nast-Verlag, 1. August 2012, archiviert vom Original am 1. August 2012, abgerufen am 14. Mai 2016 (HTML, deutsch).
  3. Fakten, Fakten, Fakten - Vor 15 Jahren erschien die erste Nummer des Nachrichtenmagazins „Focus“
  4. Medien-Macher: Helmut Markwort : Die Bad Honnefer Wochenzeitung. In: Die Bad Honnefer. Condé-Nast-Verlag, 28. Dezember 2007, archiviert vom Original am 13. Februar 2010, abgerufen am 14. Mai 2016 (HTML, deutsch).
  5. www.planetpraktika.de:markwort
  6. Die verbotenste Zeitschrift Deutschlands. 20min.ch (7. Oktober 2009)
  7. Der Focus Chefredakteur verklagt die Frankfurter Satirezeitschrift Titanic auf 60 000 Mark Schmerzensgeld. Berliner Zeitung (28. Oktober 1996)
  8. http://www.tomorrow-focus.de/investor-relations/fest/investor-relations-unternehmensberichte_aid_399.html, Geschäftsbericht 2010, S. 199: "Aufsichtsratsvorsitzender der Playboy Deutschland Publishing GmbH, München (bis zum 23. September 2010)
  9. Kress News 8, September 2010
  10. FAZ.NET Im Gespräch: Helmut Markwort
  11. „bookmark“: Helmut Markwort verlässt 3sat
  12. http://www.imdb.com/name/nm0549052/filmotype
  13. Meyers Lexikoneintrag zu Helmut Markwort, Sichtungsdatum 26. Februar 2009
  14. Pressebericht www.meedia.de
  15. Talkmaster gesucht! Helmut Markwort geht nicht zu Sat.1. FAZ. 1. Januar 2011. Abgerufen am 1. Januar 2011.
  16. "Focus"-Herausgeber Markwort fühlt sich missbraucht. In: Die Welt. Springer Verlag, 9. Mai 2016, abgerufen am 14. Mai 2016 (HTML, deutsch): „Ich habe aus zuverlässiger Quelle gehört, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zurücktreten will.“
  17. Helmut Markwort: Die Bayern sind ein Segen
  18. BR: Sonntags-Stammtisch Die Stammtischler
  19. Markwort schrieb unter Pseudonym über FC Bayern, Zeit Online, 8. Oktober 2014
  20. Hans Leyendecker: Harakiri in Bad Wiessee. sueddeutsche.de, 6. Juni 2013
  21. Interview mit Markwort anlässlich der Bad Hersfelder Festspiele 2015
  22. «Diese Drombuschs»-Autor Robert Stromberger ist tot
  23. Markwort im Theaterstück 'Jederrmann (Süddeutsche, 16. Juli 2010)
  24. http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Helmut-Markwort-Journalist-und-Tausendsassa-id17844966.html
  25. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Freiheit, Freiheit, Freiheit…!“ - Auszeichnung für Markwort vom 12. September 2008
  26. „Henryk M. Broder: Das Ungetüm vom Dienst“, FAZ, 2. Februar 2007
  27. - Sagen Sie jetzt nichts, Patricia Riekel SZ-Magazin, 2009
  28. Interview mit „Bunte“-Chefin Patricia Riekel: „Wir Menschen brauchen Klatsch“ vom 21. November 2007
  29. „So ein Schlamassel“: Helmut Markwort spielt in ARD-Komödie mit, 28. Januar 2010, wuv.de.
  30. Omamamia in der Internet Movie Database.