Helmut Sinn

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Helmut Sinn

Helmut Sinn (* 3. September 1916 in Metz, Lothringen; † 14. Februar 2018[1]) war ein deutscher Pilot, Instrumenten- und Kunstfluglehrer, Luftfahrtsachverständiger und Unternehmer. Sinn galt als Ausnahmepersönlichkeit in der Uhrenbranche und war auch im hohen Alter noch unternehmerisch und erfinderisch tätig. Er wurde auch „der schnelle Helmut“ genannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Sinn machte 1939 kurz vor Kriegsbeginn beim Militär seinen Pilotenschein und wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Er war in einem Aufklärungsgeschwader und stürzte über russischem Gebiet ab. Er wurde am Rücken schwer verletzt und verlor beide kleinen Finger. Er war trotzdem als Fluglehrer tätig, vor allem auf der JU 52 und der JU 88. Seinen eigenen Pilotenschein ließ Sinn nach mehr als 15.000 Starts in den 1990-Jahren nicht mehr verlängern.[2]

Nach Kriegsende betätigte er sich als Rallyefahrer und war 1953 mit einem Porsche-motorisierten VW Käfer Klassensieger bei der Raid Méditerranée-Le Cap zwischen Algier bis Kapstadt. Schon zu dieser Zeit beschäftigte er sich mit Planung und Bau von Zeitmessinstrumenten für den Motorsport, insbesondere mit Rallye-Autoborduhren. Zudem verkaufte er Sinn Kuckucksuhren an US-amerikanische Soldaten.[2]

Sinn gründete 1961 in Frankfurt-Rödelheim die Uhrenmanufaktur Sinn Spezialuhren unter seinem Namen und entwickelte zunächst funktionale Uhren für Piloten und Fluglehrer. Er erfand zahlreiche technische Neuheiten für seine selbstentwickelten mechanischen Armbanduhren, vor allem hochwertige Chronographen, die er unter den Marken Sinn Spezialuhren und Chronosport im damals innovativen Direktvertrieb an Endkunden verkaufte. Sinn verkaufte das Unternehmen 1994 an einen Nachfolger. Er gründete anschließend die Marke Jubilar-Uhren und war von 1995 bis zu seinem altersbedingten Ruhestand im 98. Lebensjahr 2014 Eigentümer des Schweizer Uhrenherstellers Guinand, dessen Sitz er nach Frankfurt-Rödelheim verlegte.[1]

Helmut Sinn war zweimal kurz verheiratet und hatte drei Kinder.[2] Seinem Wunsch entsprechend wurde er luftbestattet.[3]

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Hasmanis und Jan-Peter Hamann: Helmut Sinn Dokuportrait - Die Zeitmaschine. Verlag medienatelier.tv, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-00-032245-7.
  • Hans-Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980. Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten. 3. erweiterte Auflage. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie e.V., Nürnberg 2017, ISBN 978-3-941539-92-1.
  • Gerd-Lothar Reschke: Das Zeitgefühl-Uhrenbuch. Selbstpublikation. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2005, ISBN 3-938607-61-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thorsten Winter: Frankfurter Uhren-Pionier Sinn gestorben. In: FAZ, 15. Februar 2018. Abgerufen am 20. Februar 2018.
  2. a b c Sabine Börchers: Ein Mann, der kein Held sein will. In: FAZ, 3. September 2016. Abgerufen am 20. Februar 2018.
  3. Traueranzeige für Helmut Sinn. Abgerufen am 20. Februar 2018