Hemmschwellentheorie

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Die Hemmschwellentheorie ist eine strafrechtliche Theorie, die besagt, dass der Täter bei Tötungsdelikten womöglich eine Hemmschwelle, die Tötungshemmschwelle, überwinden muss.

Um sich wegen Mordes (§ 211 StGB) oder Totschlags (§ 212 StGB) strafbar zu machen, muss der Täter den Tod eines anderen Menschen vorsätzlich herbeiführen. Dies setzt zumindest Eventualvorsatz beim Täter voraus. Er muss also den Tötungserfolg für möglich halten und ihn billigend in Kauf nehmen. Wenn man aufgrund der objektiven Gefährlichkeit der Handlung zu dem Schluss kommt, dass der Täter den Todeserfolg für möglich gehalten hat, liegt die Annahme nahe, dass der Täter sich auch mit dem Todeserfolg abgefunden hat, wenn er die Tat trotzdem ausführt. Vertraut der Täter hingegen ernsthaft auf das Ausbleiben des Erfolgs, so handelt er lediglich bewusst fahrlässig.[1][2]

Bei Tötungsdelikten geht die Rechtsprechung nach der sogenannten Hemmschwellentheorie davon aus, dass dieser Schluss von der Gefährlichkeit der Handlung auf das „sich damit abfinden“ nicht ohne weiteres möglich sei. Das Leben eines Menschen sei ein derart wertvolles Rechtsgut, dass ein Täter eine höhere, innere Hemmschwelle überwinden müsse, um ein Leben zu vernichten. Deshalb sei das Vorliegen eines Tötungsvorsatzes genauestens nach einer Gesamtschau aller objektiven Tatumstände zu bewerten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BGH NStZ 1983, 407.
  2. BGHSt 57, 183.
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