Henkell & Co. Sektkellerei

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Henkell & Co. Sektkellerei KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1832
Sitz Wiesbaden, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Andreas Brokemper, Eberhard Benz, Frank van Fürden (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 1.934 (2017)[1]
Umsatz 823,7 Mio. € (2018)[1]
Branche Schaumweinproduktion, Weinproduktion, Spirituosenproduktion
Website www.henkell-freixenet.com

Werbung aus dem Jahr 1904 mit Hinweis auf Import aus der Champagne
Das Henkell-Stammhaus in Wiesbaden
Der Marmorsaal (Eingangsbereich) des Henkell & Co.-Stammhauses in Wiesbaden-Biebrich

Die Henkell & Co. Sektkellerei KG (Außenauftritt als Henkell Freixenet) ist ein deutsches Unternehmen für Sekt, Wein und Spirituosen mit Sitz in Wiesbaden. Sie ist in 30 Staaten mit eigenen Produktions- sowie Vertriebsstandorten aktiv und vertreibt ihre Marken in mehr als 150 Staaten weltweit. Seit 1958 gehört die Gruppe zur Dr. August Oetker KG. Das heutige Stammhaus wurde in den Jahren 1907 bis 1909 vom Architekten Paul Bonatz errichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1832 gründete Adam Henkell die Weinhandlung Henkell & Cie in Mainz. 25 Jahre später ließ er in der Mainzer Walpodenstraße eine „Champagnerfabrik“ bauen und war damit einer der ersten in Deutschland, der die Technik beherrschte, aus Wein Sekt herzustellen. Unter der Leitung von Otto Henkell wurde 1894 die Marke Henkell Trocken geprägt, 1898 als eine der ersten Marken in Deutschland amtlich geschützt. 1909 zog Henkell & Co. in das neue Kellereigebäude in Biebrich (heute Stadtteil von Wiesbaden). In den Jahren von 1900 bis 1920 wurde die Marke Henkell Trocken, die von Ferdinand Sauerbruch[2] bevorzugte Sektmarke, stark beworben. So erschienen regelmäßig großformatige Anzeigen zum Beispiel in der Jugend oder im Simplicissimus. Für die Gestaltung der Anzeigen wurden Künstler wie Thomas Theodor Heine, Ernst Oppler, Lucian Bernhard, Gino von Finetti oder Adolf Münzer beauftragt. Auch das Kellereigebäude im neoklassizistischen Stil war in der für Lucian Bernhard typischen Gestaltungsweise Gegenstand etlicher ganzseitiger Reklameanzeigen.

Joachim von Ribbentrop heiratete am 5. Juli 1920 in die Familie Henkell ein, indem er Otto Henkells Tochter Anneliese ehelichte. Otto Henkell betraute Ribbentrop daraufhin mit dem Aufbau und der Leitung der Berliner Niederlassung von Henkell & Co.[3]

Otto Henkell und Ludwig Stollwerck gelten als die Erfinder der Gemeinschaftswerbung, die sie ab etwa 1900 einsetzten. Damit wurden erstmals Marketingmaßnahmen von Unternehmen einer Branche gemeinschaftlich entwickelt und finanziert.

1935 entwickelte Henkell & Co. den Pikkolo und lässt auch diese Marke eintragen. Ab 1936 war der „Schwarze Herr“ im Stil eines Scherenschnitts viele Jahre das Erkennungszeichen von Henkell Trocken.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ribbentrop wurde 1938 Deutschlands Außenminister; in dieser Position war er an der Deportation von Juden beteiligt. Das Henkell-Anwesen in Wiesbaden diente von 1939 bis 1945 als Stab der Luftwaffe. Während der Zeit des Nationalsozialismus setzte die Firma Henkell rund 50 französische Kriegsgefangene für ihre Wein- und Champagnerproduktion ein.[4] Das Unternehmen verweigert bis 2019 Einlass in ihr Privat-Archiv.[5]

Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 übernahm das Unternehmen die Wodka Gorbatschow GmbH und Lutter & Wegner (beide Berlin), im Jahr 1975 folgte die Sektkellerei Carstens KG. Im Jahr 1986 verkaufte Otto Henkell jun. die Kellerei an den Unternehmer Rudolf-August Oetker, der bereits 1958 die Söhnlein Rheingold Sektkellerei übernommen hatte. Nachdem sich zunächst die Sektkellerei Henkell & Co. und die Söhnlein Rheingold KG eigenständig entwickelt hatten, fusionierten die einstigen Konkurrenten 1987 zu den Henkell & Söhnlein Sektkellereien mit Sitz in Wiesbaden-Biebrich. Beide Unternehmen wurden bis 2009 weitergeführt und in der Muttergesellschaft Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG konsolidiert.

Henkell & Söhnlein Sektkellereien tat den ersten Schritt hin zu einer europäischen Getränkegruppe, als im Jahr 1988 die Akquisition von Scharlachberg, Österreich, unter Ausklammerung des gleichnamigen Weinbrandes erfolgte. Henkell & Söhnlein, Österreich, wurde mit nunmehr eigener Sektherstellung in Wien und eigener Spirituosenabfüllung in Salzburg gegründet. 1992 übernahm man die Hungarovin, Budapest, den ungarischen Marktführer für Sekt; 1995 erwarb das Unternehmen die Aktienmehrheit an der Kurpfalz Sektkellerei in Speyer. 1996 wurde die Henkell & Söhnlein Polska, Warschau gegründet, 1997 die Deinhard Sektkellerei KG in Koblenz übernommen und die qualifizierte Mehrheit an der Vinpol in Toruń, Polen erworben. 1999 übernahm die Gruppe die qualifizierte Aktienmehrheit an der Bohemia Sekt Českomoravská vinařská, Starý Plzenec, Tschechien, 2000 die Aktienmehrheit an der slowakischen Schaumweinfirma Hubert J.E. in Sereď. Im gleichen Jahr wurden die beiden französischen Schaumweinhersteller Gratien & Meyer in Saumur sowie Champagne Alfred Gratien in Épernay gekauft. 2003 übernahm Henkell & Söhnlein Vertrieb und Markenrechte für die Sektmanufaktur Menger-Krug in Deidesheim und die S.C. Astese Production, Bukarest, Rumänien. 2004 kamen die Marken Kupferberg Gold und Scharlachberg Meisterbrand hinzu. 2006 erfolgte die Übernahme der Spirituosenmarken Der Gute Pott und Stern-Marke von der A. Racke GmbH & Co, Bingen. Im Oktober 2007 expandierte das Unternehmen weiter mit der Übernahme der in Kiew ansässigen Sektkellerei Kijewskij Sawod Schampanskich Win Stolitschnij. Im Mai 2008 übernahm Henkell & Söhnlein Sektkellereien das italienische Prosecco-Kellerei Mionetto mit Sitz in Valdobbiadene sowie die estnische Distributionsgesellschaft Budampex AS. Zum 1. Januar 2009 wurde die Henkell & Söhnlein Sektkellereien zur Henkell & Co. Sektkellerei KG umfirmiert.[6] Im selben Jahr wurde die Mionetto USA Inc. übernommen. 2010 erwarb Henkell & Co. die Spirituosenmarken Kuemmerling, Fürst Bismarck und Jacobi 1880. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die Import- und Distributionsgesellschaften Henkell & Co. Baltic SIA (Lettland), Henkell & Co. Sverige AB (Schweden), Henkell & Co. Benelux B.V. (Niederlande) und Henkell & Co. Schweiz GmbH gegründet, zudem der spanische Cava-Herstellers Cavas J. Hill S.L. übernommen. 2013 setzte das Unternehmen mit der vollständigen Übernahme der britischen Copestick Murray Wine Solutions Ltd. sowie der Gründung der Tochterunternehmen Henkell & Co. Norge AS (Norwegen) und Henkell & Co. Suomi OY (Finnland) seine Expansion weiter fort. Zur Bündelung der weltweiten Exporttätigkeiten und Verkaufsaktivitäten wurde 2016 die Geschäftseinheit Henkell & Co. Global gegründet. Anfang 2018 wurde der litauische Vertriebsspezialist Filipopolis mit Sitz in Kaunas übernommen. Im März desselben Jahres wurde die Mehrheit an dem spanischen Sekthersteller Freixenet erworben.

2020 veräußerte Henkell die traditionsreiche Koblenzer Sektmarke Deinhard an die Weinkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues.[7]

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochterunternehmen der Henkell-&-Co.-Gruppe im In- und Ausland sind:

  • Champagne Alfred Gratien S.A.S. (Frankreich)
  • S.C. Angelli Spumante & Aperitive S.R.L. (Rumänien)
  • Bohemia Sekt, S.R.O. (Tschechien)
  • Budampex AS (Estland)
  • Cavas J. Hill S.L. (Spanien)
  • Copestick Murray Wine Solutions Ltd. (Vereinigtes Königreich)
  • Filipopolis (Litauen)
  • Freixenet (Spanien)
  • Henkell & Co. Baltic SIA (Lettland)
  • Henkell & Co. Benelux B.V. (Niederlande)
  • Henkell & Co. Global (Deutschland)
  • Henkell & Co. Norge AS (Norwegen)
  • Henkell & Co. Sektkellerei Ges. m. b. H. (Österreich)
  • Henkell & Co. Schweiz GmbH (Schweiz)
  • Henkell & Co. Suomi OY (Finnland)
  • Henkell & Co. Sverige AB (Schweden)
  • Henkell & Co. Polska SP. Z O.O. (Polen)
  • Hubert J.E., S.R.O. (Slowakei)
  • Kiewer Sektkellerei Stolichniy PAT (Ukraine)
  • Mionetto S.P.A. (Italien)
  • Mionetto USA Inc. (USA)
  • Törley Sektkellerei Kft. (Ungarn)
  • Schloss Johannisberg (Deutschland)

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Henkell-&-Co.-Gruppe schloss ihr Geschäftsjahr 2017 mit einem Umsatz von 526,5 Mio. Euro (702,0 Mio. Euro inkl. Verbrauchssteuern) ab. Das entspricht einem Umsatzzuwachs von 5,0 Prozent. Kursbereinigt lag das Wachstum bei 5,6 Prozent. In Deutschland wurde ein Plus von 4,2 Prozent auf 156,9 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Anteil des Inlandsgeschäfts am Gruppenumsatz belief sich auf 29,8 Prozent. Das Auslandsgeschäft wuchs um plus 5,4 Prozent (kursbereinigt plus 6,3 Prozent) auf 369,6 Mio. Euro.

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marken: Henkell-Sekt und Fürst von Metternich Sekt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Henkell & Co. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b henkell-gruppe.de: HENKELL & CO.-GRUPPE WÄCHST IM IN- UND AUSLAND
  2. Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; zitiert: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 118 f. und 127.
  3. Deutsche Biographie: Ribbentrop, Joachim von - Deutsche Biographie. Abgerufen am 12. Juli 2020.
  4. Halb Schloss, halb Fabrik. 17. November 2009, abgerufen am 12. Juli 2020.
  5. Wie Düsseldorfer Firmen mit ihrer NS-Zeit umgehen. 29. Januar 2019, abgerufen am 12. Juli 2020.
  6. Firmen-Chronik
  7. Da ist der Deinhard: Henkell Freixenet verkauft an Kellerei Peter Mertes. In: Handelsblatt. 2. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  8.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!

Koordinaten: 50° 3′ 13″ N, 8° 14′ 39″ O