Hennickendorf (Nuthe-Urstromtal)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hennickendorf
Koordinaten: 52° 9′ 40″ N, 13° 5′ 55″ O
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 15,8 km²
Einwohner: 522 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner/km²
Eingemeindung: 6. Dezember 1993
Postleitzahl: 14947
Vorwahlen: 03371, 033732
Dorfkirche

Das Dorf Hennickendorf ist seit dem 6. Dezember 1993[1] einer von 23 Ortsteilen der Gemeinde Nuthe-Urstromtal im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Der Ort hat 468 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015).[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil liegt nordöstlich von Luckenwalde. Nördlich grenzt der Ortsteil Stangenhagen der Stadt Trebbin an. Es folgen im Uhrzeigersinn der Ortsteil Schönhagen (ebenfalls zu Trebbin), Ahrensdorf, Berkenbrück, Gottsdorf, Nettgendorf und Rieben, das zur Stadt Beelitz gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Jahr 1157 ist eine Besiedelung durch Germanen überliefert. Das Dorf unterstand in den folgenden Jahrzehnten der Herrschaft in Trebbin. 1307 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde der Edlen von Trebin als Hentkendorpf urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit lebte eine Adelsfamilie derer von Heinrichsdorf auf einer Burg im benachbarten Trebbin. Sie veräußerten ein Jahr später die Gemarkung an das Kloster Zinna. Die Vermutung liegt daher nahe, dass sich der Ortsname von diesen Adeligen ableitet. Die Gemeinde Nuthe-Urstromtal hingegen vermutet, dass zu dieser Zeit der Ort von einem Lokator Henning oder Hennig verwaltet wurde. Die neuen Herren, die Zisterzienser errichteten 1342 auf dem zentralen, leicht erhöhten Dorfplatz die Kirche St. Nikolai[3] und betrieben Landwirtschaft und Weinbau. Aus dem Jahr 1480 existiert eine Urkunde, in der erstmals die Bezeichnung Hennickendorf erscheint. 1553 endete mit der Reformation die Herrschaft der Zisterzienser. Die Bevölkerung bestand nachweislich eines Kirchenbuchs aus dem Jahr 1667 zu zwei Dritteln aus zugezogenen Franken und anderen Volksstämmen, die im Zuge der Christianisierung zu den bereits vor Ort lebenden Slawen hinzukamen. 1709 eröffnete eine Schule. Am 13. August 1851 kam es zu einem Großbrand, bei dem die Kirche, die Schule wie auch die Hälfte des Ortes zerstört wurde.[4] In den Jahren 1856 bis 1858 errichtete die Kirchengemeinde einen Neubau nach einem Typentwurf, der auf Friedrich August Stüler zurückgeht. Am 1. Juni 1900 schlug ein Blitz in das Kreuz auf dem Westturm ein und zerstörte einen Teil der Feldsteinwand sowie der Inneneinrichtung. Ein Jahr später brannte die Schule nieder. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete im Ort eine Bäckerei, ein Kolonialwarenladen und eine Gaststätte. 1923 kam ein Schmied hinzu, der bis 1963 tätig war. In demselben Jahr erhielt der erste Hof den Anschluss an den elektrischen Strom.

Im Zweiten Weltkrieg brannten im Ort zahlreiche Ställe und Scheunen ab, die von den Einwohnern zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgebaut wurden. Die Kirchengemeinde musste von den ursprünglich drei Kirchenglocken zwei im Zuge einer Metallspende des deutschen Volkes abgeben. Sie wurden eingeschmolzen und gingen damit verloren. Nach Kriegsende gelangte Hennickendorf im Jahr 1952 zum neu gegründeten Kreis Luckenwalde. 1953 entstand mit der Heimattreue eine erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Typ I, die zahlreiche Gebäude im Ort nutzte. So entstand auf einem Hof aus dem 19. Jahrhundert eine Maschinen-Traktoren-Station mit Werkstatt und Konsum-Verkaufsstelle. Etwa zur gleichen Zeit erhielt die Kirche eine neue Ausstattung. 1955 ging die LPG I in eine LPG III Ernst Thälmann über. 1957 feierten die Hennickendorfer auf der Grundlage der Besiedlungen durch die Germanen eine 800-Jahr-Feier.

1960 errichtete die Nationale Volksarmee am nordöstlichen Waldrand eine Kaserne mit einer Bunkeranlage; eine neue Schule entstand und die wirtschaftliche Situation verbesserte sich. 17 Jahre später musste die Schule jedoch geschlossen werden und die Kinder fuhren mit dem Schulbus nach Luckenwalde. 1985 wurde die Hauptstraße betoniert; ein neuer Friseursalon warb um Kunden. Im Jahr 1987 nahm ein Wasserwerk den Betrieb auf und stellt seither die zentrale Trinkwasserversorgung im Ort sicher. 1991 waren die Arbeiten an den Abwasserleitungen beendet. Zum 5. Dezember 1993 schlossen sich 21 Gemeinden, darunter auch Hennickendorf, zur neuen Gemeinde Nuthe-Urstromtal zusammen. 2004 gründete sich ein Ortsverein. Bis September 2007 bestand im Ort die Wilhelm-Leuschner-Kaserne. Zuletzt war in ihr das 6. und 7. Instandsetzungsbataillon 410 stationiert (siehe Liste ehemaliger Bundeswehr-Liegenschaften). Zur 700-Jahr-Feier Hennickendorfs gab der Ortsverein eine Chronik zur Geschichte des Dorfes heraus. 2010 baute die Kirchengemeinde eine Winterkirche in dem Sakralbau ein.

Sehenswürdigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neugotische Dorfkirche ist ein Baudenkmal im Ort (siehe Liste der Baudenkmale in Nuthe-Urstromtal). Es entstand von 1856 bis 1858 nach Plänen von Friedrich August Stüler vermutlich auf dem Fundament eines Vorgängerbaus aus dem 14. Jahrhundert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort sind einige Handwerksunternehmen tätig, darunter ein Autoteilehändler, eine Landfleischerei und ein Keramik-Atelier. Es existieren weiterhin ein Sonderpostenmarkt und ein Schullandheim. Mehrere Bewohner bieten Ferienwohnungen für Touristen an.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Hennickendorf verläuft die Landesstraße L 73 (siehe Liste der Landesstraßen in Brandenburg). Als Hauptstraße ermöglicht sie nach Westen hin eine Verbindung nach Dobbrikow, während sie als Luckenwalder Chaussee in südöstlicher Richtung nach Berkenbrück führt. Ein Abzweig bindet den Ort mit der Schönhagener Straße in nordöstlicher Richtung nach Ahrensdorf an. Die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming bindet den Ortsteil mit der Linie 755 nach Kemnitz, Ahrensdorf und Luckenwalde an.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  2. Ortsteil Hennickendorf, Webseite der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, abgerufen am 8. Februar 2017.
  3. Ortsteil Hennickendorf, Webseite der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, abgerufen am 4. Januar 2017.
  4. Luise Fröhlich: Älteste Kirche stand in Hennickendorf. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 16. März 2015, abgerufen am 4. Januar 2017.