Henri-Robert de La Marck

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Henri-Robert de La Marck (* 7. Februar 1539; † 2. Dezember 1574) war zweiter Herzog von Bouillon und erster Fürst von Sedan. Er war außerdem Gouverneur der Normandie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er stammte aus einer französischen Linie des Hauses Mark. Der Vater war Robert IV. de La Marck und die Mutter Françoise de Brézé, Gräfin von Maulévrier.

Während sich sein Vater in Gefangenschaft befand, befehligte er die Garde der Hundertschweizer. Er war auch Gouverneur der Normandie. Nach dem Tod des Vaters 1556 erbte er dessen Besitz. Dazu gehörten auch die Grafschaft Braine.

Henri-Robert de La Marck heiratete 1559 Françoise de Bourbon. Diese war Tochter des Louis III. de Bourbon, duc de Montpensier. Der Herzog trat wohl im Zusammenhang mit seiner Heirat zum Calvinismus über. In der Folge verlor er das Kommando über die Kompanie der Hundertschweizer. Im selben Jahr musste er die Burg Bouillon und den nördlichen Teil des Herzogtums an Heinrich II. abtreten. Dieser hatte im Frieden von Cateau-Cambrésis zuvor einwilligen müssen, dass umstrittene Gebiet an das Hochstift Lüttich zurückzugeben. Für den Verlust versprach der König Entschädigung. Die Abtretung schwächte die Familie sehr und der Herzog musste 1562 an seinen Onkel Claude, duc d'Aumale die Baronie von Bec Bresien verkaufen.

Er nannte sich nach dem Verlust von Bouillon Fürst von Sedan. Das Fürstentum Sedan wurde zum Zufluchtsort von Protestanten. So nahm der Herzog den Festungsbaumeister Jean Errard de Bar-le-Duc in seine Dienste. Im Fürstentum Sedan war de la Marck bemüht, den Einfluss der Stände abzubauen.[1]

Insgesamt war die Haltung des Herzogs eher von dynastischen und politischen Zielen und weniger von der Konfession bestimmt. Er versuchte die Unabhängigkeit seiner Territorien auszubauen und sich gleichzeitig eine Position am Hof zu verschaffen. In den 1560er Jahren hielt er sich von den militanten Hungenotten fern.[2]

Längere Zeit besuchte er die Normandie nur selten. Im Jahr 1558 wurde er zur Verbesserung der Verteidigung nach Dieppe entsandt. Er versäumte es, sich in der Region Anhänger zu schaffen.[3] In der Normandie wandte sich 1562 Rouen und ein Teil des Landes aus religiösen Gründen gegen ihn. Sein Einfluss beschränkte sich im Wesentlichen auf Caen. Allerdings unterstützte ihn ein Großteil des Adels. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen mit entsprechenden Greueln, ehe königliche Truppen 1562 die Ordnung wieder herstellten. Der Herzog bat den König um Nachsicht, musste aber das Schloss von Caen räumen. Er blieb zwar nominell Gouverneur, verlor aber jegliche Macht in der Normandie. Aus Rücksicht auf den Schwiegervater des Herzogs sah der König von weiteren Strafen ab. Der Schwiegervater veranstaltete 1566 ein Religionsgespräch nicht zuletzt, um seine Tochter und den Herzog wieder für den Katholizismus zu gewinnen. Später hat er auf Seiten des Königs gekämpft und war 1573 an der Belagerung von La Rochelle beteiligt.

Nach seinem Tod kam in protestantischen Kreisen das Gerücht auf, er sei durch Gift möglicherweise auf Veranlassung von Caterina de’ Medici ermordet worden. Beweise gibt es nicht.[4]

Aus der Ehe mit seiner Frau gingen sechs Kinder hervor. Der älteste Sohn starb jung. Erbe war Guillaume-Robert de La Marck. Die Tochter Charlotte de La Marck heiratete Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon. Als ihr Bruder starb, wurde sie Erbin des Herzogtums. Durch sie kam der Besitz an das Haus La Tour d’Auvergne.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut Kretzer: Calvinismus und französische Monarchie im 17. Jahrhundert. Berlin, 1975 S. 63, Geschichte von Sedan
  2. Mark W. Konnert: Local Politics in the French Wars of Religion: The Towns of Champagne, the, the Duc de guise and the Catholic League 1560-1595. Aldershot, 2006 S. 30
  3. Stuart Carroll: Noble Power during the French Wars of Religion: The Guise Affinity and the Catholic Cause in Normandy. Cambridge, 1998 51f.
  4. Hugh Trevor-Rope: Europe's Physician: The Various Life of Theodore de Mayerne. Yale, 2006 384

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian von Stramberg: Das Rheinufer von Coblenz bis Bonn. Bd. 1. Koblenz, 1853 S. 632–635