Henriette Feuerbach

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Henriette Feuerbach nach dem 1877 von Anselm Feuerbach gemalten Ölbild. Nationalgalerie Berlin.

Henriette Feuerbach (* 13. August 1812 in Ermetzhofen, Mittelfranken als Henriette Heydenreich; † 5. August 1892 in Ansbach) war eine deutsche Schriftstellerin, Ehefrau des Altphilologen und Archäologen Joseph Anselm Feuerbach sowie Stiefmutter, Agentin und Förderin des Malers Anselm Feuerbach.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henriette Feuerbach wurde als drittes Kind und einzige Tochter des Pfarrers Johann Alexander Heydenreich (1754–1814) und dessen Ehefrau Friederika Christine geb. Freudel geboren. Mit ihren beiden Brüdern Friedrich Wilhelm Heidenreich (1798–1857, praktischer Arzt) und Christian Heydenreich (1800–1865, Landrichter in Kronach) wuchs sie in Ansbach auf und erhielt eine klassische Bildung in den Fächern Latein, Griechisch und Musik.[1] Am 13. April 1834 heiratete sie den Witwer Josef Anselm Feuerbach der in erster Ehe mit Amalie Keerl (1805–1830) verheiratet gewesen war.[2] Mit ihm und den beiden Kindern Emilie (1827–1873) und Anselm (1829–1880) aus seiner ersten Ehe lebte sie zunächst in Freiburg und später in Heidelberg. Sie gab Klavierunterricht, leitete einen Chor und veranstaltete Hauskonzerte. In ihrem häuslichen Musiksalon gaben viele Künstler Konzerte, darunter Clara Schumann und Johannes Brahms.[3]

„Henriette Feuerbach war durch mehrere Schriften bekannt geworden. Schon 1839 veröffentlichte sie – damals noch anonym – ihre ‚Gedanken über die Liebenswürdigkeit von Frauen‘, einen ‚kleinen Beitrag zur weiblichen Charakteristik‘. Mit ‚Sonntagsmuße‘ folgte 1846 ‚Ein Buch für Frauen‘. 1853 brachte sie gemeinsam mit Hermann Hettner die vierbändige Ausgabe der ‚Nachgelassenen Schriften‘ ihres verstorbenen Mannes Anselm Feuerbach heraus, deren ersten Band sie bearbeitet hat. Und 1866 veröffentlichte sie mit ‚Uz und Cronegk‘ Porträts zweier fränkischer Dichter aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus sind von ihr mehrere kleinere Beiträge, meist Rezensionen, in Zeitungen bzw. Zeitschriften erschienen (vgl. E. Schippel: Henriette Feuerbach, Jena 1930, S. 70–71).“[4]

Anhand ihrer Briefe (Henriette Feuerbach – Ihr Leben in ihren Briefen) und den Briefen von Anselm Feuerbach an seine Mutter, beides zusammengestellt und veröffentlicht von dem Kunsthistoriker Hermann Uhde-Bernays, sind über einen Zeitraum von 50 Jahren, nachhaltige Dokumente vorhanden, die belegen, welchen Einfluss Henriette Feuerbach auf die Erziehung und die Entwicklung des Malers Anselm Feuerbach hatte. Henriette Feuerbach, die ihren Stiefsohn zeit seines Lebens nach besten Kräften unterstützte, veröffentlichte 1882 das Buch „Ein Vermächtnis“, um Feuerbachs Ansehen postum zu fördern. Dabei hat sie die Textaufzeichnungen, die der Maler in Manuskript-Form hinterlassen hatte, jedoch stark redigiert. Der Erfolg der „Biografie“ war durchschlagend: „Ein Vermächtnis – Anselm Feuerbach“ erschien bis heute in zehn Verlagen und in über 50 Auflagen.[5] Um den Gemälden ihres Stiefsohnes zum Durchbruch zu verhelfen, kaufte sie nach dessen Tod 1880 sein künstlerisches Erbe mit dem Großteil ihres Vermögens auf und organisierte größere Kunstausstellungen, unter anderem in Berlin.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedanken über die Liebenswürdigkeit der Frauen. Campe Verlag, Nürnberg 1839.
  • Sonntagsmuße – ein Buch für Frauen. Campe Verlag, Nürnberg 1846.
  • Feuerbach, J.A. v., Nachgelassene Schriften in 4 Bänden, Verlag Vieweg und Sohn, Braunschweig 1853
    • 1. Bd.: Anselm Feuerbach’s Leben, Briefe und Gedichte, hrsg. von Henriette Feuerbach,
    • 2. bis 4. Band: Geschichte der griechischen Plastik und Kunstgeschichtliche Abhandlungen, hrsg. von Hermann Hettner.
  • Uz und Cronegk. Zwei fränkische Dichter aus dem vorigen Jahrhundert., Engelmann Verlag, Leipzig 1866.
  • Henriette Feuerbach (Hrsg.): Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach; Propyläen-Verlag, Berlin 1924 (mit autobiographischen Aufzeichnungen Anselm Feuerbachs)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Uhde-Bernays (Hrsg.): Anselm Feuerbachs Briefe an seine Mutter. 2 Bände, Meyer & Jessen, Berlin 1911.
  • Hermann Uhde-Bernays (Hrsg.): Henriette Feuerbach – Ihr Leben in ihren Briefen. Meyer & Jessen, Berlin 1912.
  • Herbert Eulenberg: Henriette Feuerbach – Ein Kranz auf ihr Grab, in: Die Familie Feuerbach in Bildnissen, S. 143 ff, Stuttgart 1924.
  • Verein „Feuerbachhaus Speyer“ e. V. (Hrsg.): „Gedanken über die Liebenswürdigkeit der Frauen“. Nach der Originalausgabe von 1839, Zechnersche Buchdruckerei, Speyer 1974.
  • Daniel Kupper: Anselm Feuerbachs „Vermächtnis“. Die originalen Aufzeichnungen. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 1992
  • Werner Schuffenhauer (Hrsg.): Ludwig Feuerbach. Gesammelte Werke, Bd. 21, Briefwechsel V (1862–1868). Nachträge (1828–1861), Akademieverlag, Berlin 2004.
  • Ilona Scheidle: „Ins Leben hineingeplumpst“. Die Briefeschreiberin Henriette Feuerbach (1812–1892). In: Heidelbergerinnen, die Geschichte schrieben. München 2006, S. 63–75.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Uhde-Bernays: Anselm Feuerbach – Briefe an seine Mutter, S. 457.
  2. Hermann Uhde-Bernays: Henriette Feuerbach – Ihr Leben in ihren Briefen., S. 6.
  3. Verein „Feuerbachhaus Speyer“ e. V. (Hrsg.): Gedanken über die Liebenswürdigkeit der Frauen – Nachdruck der Originalausgabe mit einem Nachwort von Dr. Hans Schimpf, S. 103.
  4. Werner Schuffenhauer: Ludwig Feuerbach: Gesammelte Werke, Band 21: Briefwechsel V (1862–1868). Nachträge (1828–1861). Akademieverlag, Berlin 2004, S. 513.
  5. Daniel Kupper: Anselm Feuerbachs „Vermächtnis“. Die originalen Aufzeichnungen. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 1992.