Henriette Gottlieb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Henriette Jette Martha Gottlieb[1], verheiratete Henriette Huth, (* 1. Juni 1884 in Berlin; † 2. Januar 1942 im Ghetto Litzmannstadt) war eine deutsche Opernsängerin (Sopran).

Leben[Bearbeiten]

Henriette Gottlieb hatte ihr erstes Engagement 1909 am Stadttheater Plauen, ab 1913 war sie durchgehend an der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus Berlin) verpflichtet.

Im Jahr 1918 sang sie die Marion in der Berliner Premiere von d'Alberts Liebesketten und nahm an der Uraufführung der Oper Die Hügelmühle von Friedrich Ernst Koch teil, 1923 sang sie in der Uraufführung der Oper Holofernes von E.N. von Reznicek. Gottlieb wurde vor allem als Wagner-Interpretin bekannt und sang alle großen Sopranrollen wie die Brünnhilde im Ring des Nibelungen, Ortrud im Lohengrin, Venus im Tannhäuser und Kundry im Parsifal. Sie sang aber auch Partien wie die Leonore im Fidelio, die Königin der Erdgeister in Hans Heiling von Marschner, die Rachel in Halévys La juive. Bei den Bayreuther Festspielen war sie zwischen 1927 und 1930 als dritte Norn, Ortlinde und eine der Walküren eingesetzt, der Antisemitismus auf dem Grünen Hügel verhinderte größere Rollen und ein weiteres Engagement. Bei einem Gastspiel am Théâtre des Champs-Élysées in Paris 1930 unter Franz von Hoesslin sang sie die Gerhilde in der Walküre, übernahm aber bei den anschließenden Schallplattenaufnahmen bei Pathé die Partie der Brünnhilde, da Frida Leider und Nanny Larsén-Todsen vertraglich an andere Firmen gebunden waren. Sie sang auch Partien wie die Hexe in Hänsel und Gretel und die Ciesca in Gianni Schicchi von Puccini.

Als Jüdin konnte sie nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten in Deutschland nicht mehr auftreten und sie verlor ihre Existenzgrundlage. Am 24. Oktober 1941 wurden sie und ihr Mann Carl Huth mit dem zweiten Transport der Berliner Juden in das Ghetto Litzmannstadt im besetzten Polen deportiert, und sie kamen unter den unmenschlichen Bedingungen dort um.[2] Carl Huth starb am 3. Mai 1942.

Erinnerungstafel an Henriette Gottlieb und Ottilie Metzger im Festspielpark Bayreuth.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henriette Gottlieb auf den Seiten der Universität Hamburg
  2. Sascha Feuchert, Erwin Leibfried, Jörg Riecke (Hrsg.): Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, 5 Bände. ISBN 3-89244-834-5