Henry Wirz

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Henry Wirz (* 25. November 1823 in Zürich, Schweiz; † 10. November 1865 in Washington, D.C., ursprünglich Heinrich Hartmann Wirz) war Captain der konföderierten Armee während des Amerikanischen Bürgerkriegs.

Captain Henry Wirz

Der Deutschschweizer Heinrich Hartmann Wirz verließ 1849 sein Heimatland und wanderte in die USA aus. Wie viele so genannte Forty-Eighters emigrierte Wirz während der europäischen Revolutionen 1848. Wirz arbeitete anfangs als Weber in einer Fabrik im Süden, bevor er in den Westen aufbrach, um schließlich 1854 in Kentucky als Assistenzarzt zu arbeiten.[1]

Mit seinen größtenteils autodidaktisch erworbenen Medizinkenntnissen fand er eine Anstellung als Arzt auf einer Plantage in Louisiana. Mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges trat Wirz in die 4th Louisiana Infantry ein und wurde bei der Schlacht von Seven Pines mehrfach verwundet.[2] Nachdem er in den Rang eines Captains aufgestiegen war, kam er unter das Kommando von General John Henry Winder. Unter Winder wurde er am 27. März 1864 Lagerkommandant des Kriegsgefangenenlagers Camp Sumter der konföderierten Armee in Andersonville.

Wirz wurde 1865 von Unionstruppen verhaftet, wegen Kriegsverbrechen angeklagt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 10. November 1865 in Washington D.C. vollstreckt. Wirz war neben Champ Ferguson der einzige Südstaatler, der von einem ordentlichen Gericht wegen Kriegsverbrechen verurteilt und hingerichtet wurde. Lincoln und sein Kabinett hatten beschlossen, auf langjährige Haftstrafen und weitere Hinrichtungen im Zuge der Versöhnung zu verzichten, um nicht zu sehr den Eindruck eines besetzenden Siegers zu erwecken als vielmehr den der regulären Regierung, die ihre „verlorenen Kinder“ mit sanfter Hand in die Union zurückführt.

Der Krieg mit seinen Restriktionen wurde als Strafe genug für die Bevölkerung des Südens angesehen, während bei den Soldaten klar der Befehlsnotstand als Hindernis für erfolgreiche Prozesse erkannt wurde. Daher wurde die Hinrichtung von Henry Wirz als Signal der Bereitschaft zu harten Strafen, gleichzeitig aber auch als Anfang einer Versöhnung und des Wiederaufbaus gesehen, da weitere Hinrichtungen ausblieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weibel, Jürg: Captain Wirz. Eine Chronik, Edition Erpf, Bern 1991, ISBN 978-390551-736-1 (Ausführliche Romanbiographie über Henry Wirz, teils psychologisierend und mit leicht exkulpierender Tendenz: Wirz wird als Sündenbock und Bauernopfer dargestellt, verglichen mit anderen Kriegsverbreche(r)n des Sezessionskriegs.)
  • Kantor, MacKinlay: Andersonville, Stuttgart 1955 (Breite Darstellung der Lagergeschichte, teils romanhaft, aber mit Verarbeitung vieler zeitgenössischer Quellen über Henry Wirz und seine Handlungen in Andersonville, wodurch auch Wirz' innere und äußere Handlungszwänge verständlich werden.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Henry Wirz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Simkin: Henry Wirz. In: Spartacus Educational
  2. http://www.absoluteastronomy.com/topics/Henry_Wirz