Henry de Bracton

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Titelseite des vermutlich von Bracton stammenden De legibus & consuetudinibus Angliæ, gedruckt 1569

Henry de Bracton, auch Henrici Bracton, Henry Bratton oder Henry Bretton, (* zwischen 1200 und 1210 in Bratton Fleming, Devon; † 1268) war ein englischer Kleriker und Jurist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bracton studierte wahrscheinlich an der Domschule von Exeter bei William Raleigh Theologie, römisches und kanonisches Recht. Dort trat er in den geistlichen Stand ein. Um 1230 nahm Bracton eine Tätigkeit als Schreiber beim königlichen Richter Raleigh auf. Dort stieg er bis zum Senior Clerk beim königlichen Gerichtshof King’s Bench auf. 1239 bleibt er in Diensten Raleighs, als dieser zum Bischof von Norwich gewählt wurde. 1245 wurde Bracton von König Heinrich III. zum Justice in Eyre (sinngemäß: Reiserichter) ernannt. Zwei Jahre später stieg er als Nachfolger von William of York selbst zum Richter am königlichen Gerichtshof King’s Bech auf. Dieses Amt hatte er bis 1251 und erneut von 1253 bis 1257/59 inne. Von 1264 bis zu seinem Tod 1268 war Bracton Domkanzler von Exeter.

Lange Zeit galt Bracton als Autor der berühmtesten Abhandlung zum englischen Recht des Mittelalters mit dem Titel De legibus et consuetudinibus Angliae. Mittlerweile wird auch die Ansicht vertreten, dass dieses Traktat eigentlich von Raleigh stammt und von dessen Schreibern, zu denen Bracton zählte, lediglich aufgezeichnet wurde. Aufgrund zahlloser Überarbeitung im Laufe der Jahre, von denen einige bewiesenermaßen von Bracton selbst stammen, ist die Rekonstruktion des ursprünglichen Textes unmöglich. In diesem Werk werden die verschiedenen Klageformen des englischen Zivilprozessrechts und das gesamte Common Law dargestellt. Darüber hinaus gilt Bracton als wahrscheinlicher Verfasser des Note-Book, einer Sammlung von über 2000 Fällen aus der Rechtsprechung der königlichen Gerichte. Diese Fälle wurden auch in der Darstellung des obigen Traktatks verwendet. Damit wurden erstmals Präjudizien für die Argumentation benutzt. Gleichzeitig wurde mit diesem Werk dem sich immer stärker verselbstständigen Richterstand ein Entscheidungsvorbild gegeben. Das Traktat wurde im Lauf der Zeit zu einem der bedeutendsten juristischen Werk der englischen Rechtsgeschichte und Vorbild der gesamten Rechtsliteratur unter Eduard I. Frederic William Maitland bezeichnet das Werk als the flower and crown of english jurisprudence.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Kleinheyer und Jan Schröder: Deutsche und Europäische Juristen aus neuen Jahrhunderten. 5. Auflage. C.F. Müller, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8252-0578-2, S. 77–80.
  • William Searle Holdsworth: A History of English Law. 4. Auflage. Methuen, London 1922.
  • A. K. R. Kirkalfy: Potter’s Historical Introduction to English Law and Its Institutions. Sweet and Maxwell, London 1962.
  • T. Plucknett: A Concise History of the Common Law. Little, Brown and Company, 1956.
  • Pollock & Maitland: History of English Law. Cambridge 1956.
  • Peter Stein: Roman Law in European History. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 978-0-521-64379-5.