Herakleion (Ägypten)

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Koordinaten: 31° 20′ 0″ N, 30° 9′ 0″ O

Karte: Ägypten
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Herakleion
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Ägypten
Ptolemäische Münzen aus dem untergegangenen Herakleion

Herakleion (griechisch Ἡράκλειον), auch Thonis (Θῶνις, vom altägyptischen Taḥont „der See“[1]) genannt, war Ägyptens wichtigster Seehafen nach Griechenland in den beiden Jahrhunderten zwischen 550 und 331 v. Chr. Nach mehreren Katastrophen ging die Stadt endgültig im 8. Jahrhundert n. Chr. unter.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt von Nordägypten mit den untergegangenen Städten Kanopus, Herakleion und Menouthis (gelb: versunkenes Land; die türkisfarbene Linie stellt einen heute versandeten Nilarm dar).

Herakleion lag – neben Menouthis und Teilen von Kanopus – in der Bucht von Abukir an einer Stelle, die heute etwa 6,5 Kilometer[2] von der Küste entfernt ist und knapp zehn Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Die genaue Lage der durch Texte von Herodot und Strabon bekannten Stadt war seit ihrem Untergang vollständig in Vergessenheit geraten. Erst 2001 wurde die genaue Position der antiken Stadt von Franck Goddio und seinem Team wiederentdeckt.[3]

Herakleion war auf mehreren Inseln erbaut und von zahlreichen Kanälen durchzogen, von denen einer die Stadt mit dem nahegelegenen See verband[2], welcher den ägyptischen Namen der Stadt ergeben hatte. Während der geologischen Vermessung, die parallel zu den Freilegungen 2001 durchgeführt wurde, wurden Anlagen zwischen den Städten Herakleion und Ost-Kanopus entdeckt, die den Aufzeichnungen antiker Texte entsprechen und aufzeigen, dass tatsächlich mehrere Siedlungen in diesem nun versunkenen Teil Ägyptens existiert haben. Nach wie vor ist unklar, welches Ereignis dazu führte, dass die Reste der Stadt sich heute mehrere Meter unter dem Meeresspiegel befinden.

Herakles-Tempel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen griechischen Namen Herakleion verdankte Thonis dem Tempel des Amun-Sohns und Mondgottes Chons, der hier als Heiler und Orakelgott verehrt wurde. Die Griechen setzten den jugendlichen Gott mit Herakles gleich. Laut Herodot soll der Chons-Tempel der erste Ort gewesen sein, in dem Herakles ägyptischen Boden betrat. Außerdem berichtet er von dem Abstecher des Troianers Paris und der griechischen Königsgattin Helena nach Herakleion auf ihrer Flucht vor Menelaos, dem eifersüchtigen Herrscher Spartas, kurz bevor sie den Troianischen Krieg auslösten.[2] Später wurde das Heiligtum dem Amun gewidmet.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Herakleion galt nicht nur als eines der prominentesten religiösen Zentren. Sie war seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. auch ein reger Handelshafen. So verkündete die Inschrift einer 1899 in Naukratis entdeckten Stele aus dem Jahre 380 v. Chr.: „Zehn Prozent Zoll erhebt Pharao Nektanebos I. durch seine Schatzhausbeamten in Herakleion auf Gold, Silber, Holz und alle anderen Waren, die aus dem Meer der Griechen kommen, ebenso auf Güter aus Naukratis.“ Die Bedeutung der Stadt für den Seehandel wird von den zahlreichen Hafenbecken, Kanälen sowie mehr als 70 im Hafenbecken gefundenen antiken Schiffswracks aus dem 6. bis 2. Jahrhundert v. Chr. dokumentiert.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly: Enzyklopädie der Antike. J.B. Metzler, 1996, S. 471, ISBN 3476014703.
  • Franck Goddio, Damian Robinson: Thonis-Heracleion in Context. Oxford Centre for Maritime Archaeology, 2015, ISBN 9781905905331.
  • Franck Goddio und Manfred Clauss (Hrsg.), Fotografien von Christoph Gerigk: Ägyptens versunkene Schätze. Prestel Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7913-3828-6.
  • Christophe Thiers: Underwater Archaeology in the Canopic Region – La stele de Ptolémée VIII Évergète II à Héracléion. Oxford Centre for Maritime Archaeology, Oxford 2009, ISBN 978-1-905905-05-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Funde der archäologischen Ausgrabungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Erler und Martin Andreas Stadler (Hrsg.): Platonismus und spätägyptische Religion. Plutarch und die Ägyptenrezeption in der römischen Kaiserzeit. De Gruyter, Berlin und Boston 2017, S. 245, n. 104.
  2. a b c d „Thonis-Heracleion: From Legend to Reality“, auf der Website von Franck Goddio.
  3. Fotos der Bergung der Statuen mit einem Kurzbericht (französisch).