Herbert Benson

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Herbert Benson (* 24. April 1935 in Yonkers, New York; † 3. Februar 2022 in Boston, Massachusetts)[1] war ein US-amerikanischer Arzt und Gründer des Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine im Massachusetts General Hospital (MGH) in Boston. Er unterrichtete Mind-Body-Medizin an der Medizinischen Fakultät in Harvard und war Direktor des Benson-Henry Institute (BHI) am MGH. Er war ein Gründungskurator des American Institute of Stress.

Benson prägte den wissenschaftlichen Begriff der Benson-Meditation (englisch relaxation response) – er schrieb auch ein Buch mit demselben Titel – und benutzte diesen Begriff, um die Fähigkeit des Körpers zu beschreiben, Entspannung von Muskeln und Organen zu stimulieren.[2]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benson schloss ein Bachelor-Studium im Fach Biologie an der Wesleyan Universität 1957 ab und begann mit einem medizinischen Studiengang an der Harvard Medical School, wo ihm 1961 sein Berufsdoktorat (MD) verliehen wurde. Anschließend besuchte er postdoktorale Kurse am King County Hospital in Seattle; am University Hospital der University of Washington in Seattle, am National Heart Institute in Bethesda, an der University of Puerto Rico und am Thorndike Memorial Laboratory des Boston City Hospital.

1969 wurde er Dozent für Physiologie, im Jahr darauf Assistenzprofessor für Medizin und 1972 außerordentlicher Professor für Medizin an der Harvard Medical School. 1977 wurde er zum außerordentlichen Professor am Beth Israel Hospital (NY) ernannt. Diesen Posten hatte er bis 1987 inne. Anschließend kehrte er zur Medizinischen Fakultät der Harvard University zurück. Mit der Schaffung des Mind/Body Instituts an der Harvard University 1992, wurde er wieder außerordentlicher Professor, dann ordentlicher Professor.

Ab 1974 war er praktizierender Arzt am Beth Israel Hospital. Zwischen 1990 und 1997 unterrichtete er Medizin und Religion an der Andover Newton Theological School, Newton Centre.[3][4]

Benson wurde 1988 der Gründungsvorsitzende des Mind/Body Medical Institute der Harvard Medical School. Er gründete 2006 das Benson-Henry Institute für Mind-Body-Medizin am Massachusetts General Hospital[5] und wurde dessen Direktor.[6]

1988[7] wurde er Leiter der Studie über den therapeutischen Effekt von Fürbitten (englisch Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer – STEP oder auch Great Prayer Experiment genannt). Als Ergebnis, 2006 veröffentlicht, kam man zu dem Schluss, dass Fürbitten keine positive Auswirkung auf Patienten nach koronaren Bypass-Operationen haben.[8] Dennoch glaubt er weiterhin an positive Auswirkungen von Gebeten auf die Genesung.[9]

Benson war verheiratet mit Marilyn Benson. Aus der Verbindung gingen zwei Kinder, Jennifer und Gregory, hervor.[4]

Besondere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mind-Body-Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er-Jahren, also während seiner Zeit an der Harvard Medical School,[10] leistete er Pionierarbeit in der Geist-Körper-Forschung. Der Fokus lag dabei auf Stress und der so genannten Benson-Meditation (engl. relaxation response). In seiner Forschung werden Geist und Körper als Einheit angesehen; dadurch kann Meditation eine signifikante Rolle bei Stressreaktionen spielen. Er forschte weiterhin zum medizinischen Zusammenhang von Körper und Geist. Benson führte das Wort relaxation response als wissenschaftlichen Alternativbegriff für Meditation ein. Er meinte, dass relaxation response die Fähigkeit hat, im Körper verminderte Muskel- und Organaktivität wieder neu anzuregen. Sie ist gegenläufig zur Kampf-oder-Flucht-Reaktion.[2] Gemeinsam mit Keith Wallace beobachtete er, dass Benson-Meditation den Stoffwechsel, Atemfrequenz, Puls und Gehirnaktivität reduziert.[6][11]

Fürbitten-Studie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benson begann 1988 mit einem Forschungsprojekt, das die Wirksamkeit von Gebeten bei Patienten, die sich einer Koronararterien-Bypass-Operation unterzogen, als Ziel hatte. Das Projekt wurde von der John Templeton Stiftung finanziert und verstand sich keineswegs als Gottesbeweis oder Widerlegung.[7] Diese "Studie über den therapeutischen Effekt von Fürbitten" wurde als „das große Gebetsexperiment“[12] weitläufig bekannt und wurde als „die intensivste Untersuchung aller Zeiten, ob durch Gebete Krankheiten geheilt werden können“, beschrieben.[13] Im Versuch wurden drei Gruppen von Patienten unterschieden:

  • jene, für die gebetet wurde, die aber darüber im Unklaren gelassen wurden,
  • jene, für die nicht gebetet wurde und die ebenfalls im Unklaren gelassen wurden und schließlich
  • jene, die sicher waren, dass für sie gebetet wurde.

Das Ergebnis wurde 2006 veröffentlicht und zeigte, dass Fürbittengebete keine heilungsunterstützende Wirkung auf Patienten mit Koronararterien-Bypass hatten.[8][14][15] Tatsächlich brachte es eine höhere Komplikations-Häufigkeit mit sich, wenn die Gewissheit bestand, Inhalt eines Fürbittengebetes zu sein.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961 Mosby Stipendium an der Harvard Medical School
  • 1967–1969 Medical Foundation Fellowship
  • 1976 Fellow vom American College of Cardiology
  • 1976 Medical Self-Care Award
  • 1988 Honorary President, Chinese Society of Behavioral Medicine and Biofeedback
  • 1992 Distinguished Alumnus Award der Wesleyan University
  • 1997 Doctor of Humane Letters des Becker College, ehrenhalber
  • 2000 Doctor of Professional Studies des Cedar Crest College, ehrenhalber
  • 2000 Hans Selye Award
  • 2002 Doctor of Humane Letters des Lasell College
  • 2002 National Samaritan Award des The Samaritan Institute
  • 2007 Doctor of Humane Letters der Massachusetts School of Professional Psychology
  • 2009 Mani Bhaumik Award des The Cousins Center for Psychoneuroimmunology der University of California, Los Angeles

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benson veröffentlichte mehr als 190 wissenschaftlichen Publikationen und 12 Bücher.[6] Es wurden mehr als 5 Millionen Ausgaben seiner Bücher in mehreren Sprachen gedruckt.[16][17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bryan Marquard: Dr. Herbert Benson, who documented and promoted meditation's health benefits, dies at 86. In: The Boston Globe. 6. Februar 2022, abgerufen am 8. Februar 2022 (englisch).
  2. a b Marilyn Mitchell: Dr. Herbert Benson’s Relaxation Response. In: Psychology Today, Sussex Publishers, LLC, 29. März 2013. Abgerufen am 12. Juli 2014. Vorlage:Cite news/temporär
  3. Herbert Benson: Curriculum Vitae. Massachusetts General Hospital, 2011, abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  4. a b Benson, Herbert, 1935- . Papers, 1960–2003: A Finding Aid. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Oasis: Harvard University Library. President and Fellows of Harvard College, 26. August 2004, archiviert vom Original am 3. Juli 2014; abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  5. About the Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine. (Nicht mehr online verfügbar.) Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine, archiviert vom Original am 14. Juli 2014; abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  6. a b c Dr. Herbert Benson. (Nicht mehr online verfügbar.) Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine, archiviert vom Original am 14. Juli 2014; abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  7. a b Jeffery A. Dusek, Jane B. Sherwood, Richard Friedman, Patricia Myers, Charles F. Bethea, Sidney Levitsky, Peter C. Hill, Manoj K. Jain, Stephen L. Kopecky, Paul S. Mueller, Peter Lam, Herbert Benson, Patricia L. Hibberd: Study of the therapeutic effects of intercessory prayer (STEP): Study design and research methods. In: American Heart Journal. 143. Jahrgang, Nr. 4, 2002, S. 577–584, doi:10.1067/mhj.2002.122172, PMID 11923793.
  8. a b Herbert Benson, Jeffery A. Dusek, Jane B. Sherwood, Peter Lam, Charles F. Bethea, William Carpenter, Sidney Levitsky, Peter C. Hill, Donald W. Clem, Manoj K. Jain, David Drumel, Stephen L. Kopecky, Paul S. Mueller, Dean Marek, Sue Rollins, Patricia L. Hibberd: Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer (STEP) in cardiac bypass patients: A multicenter randomized trial of uncertainty and certainty of receiving intercessory prayer. In: American Heart Journal. 151. Jahrgang, Nr. 4, 2006, S. 934–942, doi:10.1016/j.ahj.2005.05.028, PMID 16569567.
  9. Dr Herbert Benson: Prayer Has a Therapeutic Effect. VISUAL MEDITATION, abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  10. Massachusetts General Hospital, Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine, https://www.bensonhenryinstitute.org/mission-history/
  11. Margaret Emory: Dr. Herbert Benson on the Mind/Body Connection. In: BrainWorld, 15. Dezember 2011. Abgerufen am 12. Juli 2014. Vorlage:Cite news/temporär
  12. Dave Gamble: Scientific Studies of Prayer – the good, the bad, and the really really ugly. In: Skeptical Science. 30. Juni 2013, abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  13. G. Weissmann: NIH funding: not a prayer. In: The FASEB Journal. 20. Jahrgang, Nr. 9, 2006, S. 1278–1280, doi:10.1096/fj.06-0701ufm, PMID 16816099.
  14. Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer (STEP). (Nicht mehr online verfügbar.) John Templeton Foundation, archiviert vom Original am 16. Juni 2014; abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  15. William J. Cromie: Prayers don't help heart surgery patients. In: Harvard University Gazette, President and Fellows of Harvard College, 6. April 2006. Archiviert vom Original am 30. April 2014. Abgerufen am 12. Juli 2014. Vorlage:Cite news/temporär
  16. Dr. Herbert Benson. In: The Legacy of Wisdom Project. Abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  17. 2000 Hans Selye Award. The American Institute of Stress, abgerufen am 12. Juli 2014.Vorlage:Cite web/temporär