Herbert Blomstedt

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Herbert Blomstedt bei einer Probe mit den Bamberger Symphonikern, 2015

Herbert Blomstedt (Aussprache: [ˌhæɹːbəʈ ˈblʊmːstɛt], * 11. Juli 1927 in Springfield, USA) ist ein schwedischer Dirigent. Er ist Mitglied der Königlich-Schwedischen Musikakademie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Blomstedt wurde als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren. Sein Vater war adventistischer Pastor. Blomstedt erhielt seine erste musikalische Ausbildung am Königlichen Konservatorium in Stockholm und an der Universität Uppsala. Er studierte Dirigieren an der Juilliard School of Music in New York City, zeitgenössische Musik in Darmstadt sowie Renaissance- und Barockmusik an der Schola Cantorum Basel, außerdem arbeitete er unter Igor Markevitch in Salzburg und unter Leonard Bernstein in Tanglewood.

1954 debütierte Herbert Blomstedt als Dirigent mit dem Philharmonischen Orchester Stockholm und war dann als Chefdirigent bedeutender skandinavischer Orchester tätig, u. a. in Norrköping. Bis 1963 leitete er das Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks.

Herbert Blomstedt im Leipziger Gewandhaus, 2015

Von 1975 bis 1985 war er Chefdirigent der Staatskapelle Dresden und von 1985 bis 1995 Music Director des San Francisco Symphony. Von 1996 bis 1998 war er Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters, mit dem er zudem regelmäßig als Gastdirigent arbeitet. 1998 bis 2005 leitete er als Nachfolger von Kurt Masur das Gewandhausorchester Leipzig.

Herbert Blomstedt arbeitet mit vielen bedeutenden Orchestern als Gastdirigent, darunter die Bamberger Symphoniker, die Berliner Philharmoniker, das Boston Symphony Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das Israel Philharmonic Orchestra, das Concertgebouw-Orchester Amsterdam, das Los Angeles Philharmonic, die Münchner Philharmoniker und nicht zuletzt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Wiener Philharmoniker baten ihn 2013 zum ersten Mal ans Pult.

Herbert Blomstedt, dessen Ehefrau Traute Blomstedt im Februar 2003 verstarb, hat vier Töchter und lebt seit 1984 in Luzern. Er ist bekennender Siebenten-Tags-Adventist.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das NHK-Sinfonieorchester (1986), das San Francisco Symphony (1995), das Gewandhausorchester (2005), die Bamberger Symphoniker (2006), das Schwedische Radio-Sinfonieorchester Stockholm (2006), das Dänische Radio-Sinfonieorchester Kopenhagen (2006) und die Sächsische Staatskapelle Dresden (2016) ernannten ihn zu ihrem Ehrendirigenten. 2003 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz. Ihm wurde außerdem von zahlreichen Universitäten die Ehrendoktorwürde zuerkannt, beispielsweise von der Universität Göteborg. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, so zum Beispiel 2001 den Anton-Bruckner-Preis der Stadt Linz, 2007 den Max-Rudolf-Preis für sein Wirken als Dirigent und Pädagoge, 2007 die Goldene Ehrennadel der Sächsischen Staatskapelle Dresden, 2008 die Johann Walter Plakette des Sächsischen Musikrates und 2011 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig.

2016 erhielt Blomstedt den Léonie-Sonning-Musikpreis. Im selben Jahr wurde ihm von der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein der Brahmspreis 2017 zuerkannt, den er am 10. Juni 2017 im Rahmen der Brahms-Wochen 2017 in Wesselburen erhalten hat. Die Laudatio hielt die Journalistin und Biographin Julia Spinola.

Einspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blomstedt hat zahlreiche Werke eingespielt, die meisten mit der Staatskapelle Dresden, dem San Francisco Symphony und dem Gewandhausorchester Leipzig. Allein mit der Staatskapelle existieren 130 verschiedene Aufnahmen, darunter sämtliche Sinfonien von Beethoven und Schubert und auch Beethovens Oper Leonore, die Urfassung des Fidelio. Die Sinfonien von Sibelius, eine Reihe von Orchesterwerken Paul Hindemiths sowie sämtliche Sinfonien von Carl Nielsen, die als Referenzaufnahmen gelten, nahm er mit dem San Francisco Symphony auf. Mit dem Gewandhausorchester entstanden ab 1999 u. a. Einspielungen aller Sinfonien von Anton Bruckner und Ludwig van Beethoven, aber auch die High Mass des Schweden Sven-David Sandström.

Blomstedts Aufnahmen wurden unter anderem bei Decca veröffentlicht, vor allem jene mit dem San Francisco Symphony. Einspielungen mit der Staatskapelle Dresden erschienen bei Denon und Eterna (mittlerweile Edel Classics). Seit 2005 werden aktuelle Einspielungen hauptsächlich vom Label Querstand veröffentlicht.

Ausgewählte Aufnahmen
  • Beethoven: Sinfonien Nr. 1–9; Staatskapelle Dresden, 1976–1982.
  • Beethoven: Sinfonien Nr. 1–9; Gewandhausorchester Leipzig, 2014–2017.
  • Beethoven: Leonore; Hermann Christian Polster, Theo Adam, Richard Cassily, Edda Moser, Karl Ridderbusch, Helen Donath, Eberhard Büchner, Rundfunkchor Leipzig, Staatskapelle Dresden, 1977.
  • Beethoven: Missa solemnis, Simone Schneider, Gerhild Romberger, Richard Croft, Jochen Kupfer, MDR Rundfunkchor, Gewandhausorchester Leipzig, 2013.
  • Beethoven: Tripelkonzert, Isabelle Faust, Jean-Guihen Queyras, Martin Helmchen, Gewandhausorchester Leipzig, 2017.
  • Brahms: Sinfonie Nr. 4; San Francisco Symphony, 1990.
  • Bruckner: Sinfonien Nr. 4 und 7; Staatskapelle Dresden, 1980.
  • Bruckner: Sinfonien Nr. 1–9; Gewandhausorchester Leipzig, 2012.
  • Grieg: Peer Gynt; Urban Malmberg, Mari-Ann Haeggander, Wendy Hoffmann, Merlyn Vaughn, Wendy White, Urban Malmberg, Richard Haille, San Francisco Symphony, 1990.
  • Mendelssohn: Sinfonien Nr. 4 und 4; San Francisco Symphony, 1993.
  • Mendelssohn: Klavierkonzerte Nr. 1 und 2; Jean-Yves Thibaudet, Gewandhausorchester Leipzig, 2001.
  • Mozart: Sinfonien Nr. 38−41; Staatskapelle Dresden, 1981, 1982.
  • Mozart: Sinfonie Nr. 35; Israel Philharmonic Orchestra, 2005.
  • Nielsen: Sinfonien Nr. 1–6; San Francisco Symphony, 1989–1991.
  • Nielsen: Sinfonien Nr. 1–6; Dänisches Radio Sinfonieorchester, 1975.
  • Orff: Carmina Burana; Lynne Dawson, John Daniecki, Kevin McMillan, San Francisco Symphony, 1991.
  • Schubert: Sinfonien Nr. 1–9; Staatskapelle Dresden, 1982–1984.
  • Schubert: Sinfonien Nr. 5, 8 und 9; San Francisco Symphony, 1992, 1993.
  • Sibelius: Sinfonien Nr. 1–7; San Francisco Symphony, 1991–1996.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbert Blomstedt – Sammlung von Bildern