Herbert Donner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Herbert Donner (* 16. Februar 1930 in Reichstädt; † 28. April 2016 in Kiel[1]) war ein deutscher evangelischer Theologe. Er war Spezialist für das Alte Testament und den Alten Orient.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Donner wuchs in Reichstädt im Osterzgebirge auf. Sein Vater, ein Bankkaufmann, hatte nach dem Tod der ersten Frau wieder geheiratet. Von 1942 bis 1945 besuchte der Sohn ein Wirtschaftsgymnasium in Freital bei Dresden, wechselte dann auf eine Oberschule in Dresden-Süd, wo er 1948 sein Abitur machte.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donner studierte ab 1949 als Schüler von Albrecht Alt an der Universität Leipzig Evangelische Theologie und ab 1952 zusätzlich Altorientalistik. Außerdem besuchte er Vorlesungen des Ägyptologen Siegfried Morenz.

Er promovierte dort zunächst 1957 mit einer Arbeit über die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der eisenzeitlichen Kleinstaaten Israel und Juda zum Dr. theol. und 1958 mit einer Arbeit über die keilschriftlichen Wirtschafts- und Verwaltungsurkunden des nordsyrischen Stadtstaates Alalach (Tell Açana) zum Dr. phil. Noch im gleichen Jahr verließ er die Deutsche Demokratische Republik. Sein Mentor Albrecht Alt war kurz vor Donners Promotion verstorben, seine berufliche Zukunft an der Universität Leipzig dadurch ungewiss. Über die Bekanntschaft mit Walther Zimmerli hoffte er, eine Stelle als Hebräischlektor an der Universität Göttingen zu finden.

An der Universität Göttingen unterrichtete Herbert Donner Hebräisch und schrieb seine Habilitationsschrift über die Stellung der Propheten des 8. Jahrhunderts zur Außenpolitik der Könige von Israel und Juda, die er 1960 einreichte.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1963 war Herbert Donner Professor für Altes Testament und Palästinakunde an der Universität Göttingen. 1968 folgte er einem Ruf an die Universität Tübingen. Von 1980 bis zu seiner Emeritierung lehrte er an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel. Donners Forschungsgebiet war das Alte Testament, die Geschichte des Alten Orients und Palästinakunde. Er verfasste zahlreiche Aufsätze und Monografien zu diesem Thema, die zum Teil gesammelt erschienen sind (Aufsätze zum Alten Testament aus vier Jahrzehnten, Berlin / New York 1994). Bekannt ist er als Verfasser des zweibändigen Standardwerks Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen, das bis 2008 in der vierten Auflage erschienen ist.

Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Kiel war ab 1983 die Leitung der Gesenius-Forschungsstelle. Sie arbeitete an der Aktualisierung der 18. Auflage des Hebräischen und Aramäischen Handwörterbuchs über das Alte Testament von Wilhelm Gesenius, das bis 2013 in sieben Bänden und schließlich als einbändige Ausgabe erschienen ist.

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donner war Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1973 ordentliches Mitglied, von 1980 bis 2016 korrespondierendes Mitglied), der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Universität Frankfurt am Main (1976 korrespondierendes Mitglied), der Südafrikanischen Akademie für Wissenschaft und Kunst (1979 korrespondierendes Mitglied) sowie des Deutschen Archäologischen Instituts (1987 korrespondierendes Mitglied).

Für die Einwerbung der Finanzmittel zur Restaurierung der Mosaikkarte von Madaba (1965, gefördert durch die Volkswagenstiftung) wurde Herbert Donner, gemeinsam mit den Restauratoren, vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem zum „Ritter des Ordens der orthodoxen Kreuzträger vom Heiligen Grab“ ernannt.

Am 28. Juni 2000 erhielt er die Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät der Universität Leipzig.

Donner starb im April 2016 im Alter von 86 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Parkfriedhof Eichhof.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. Band 1: A – H. 21. Ausgabe. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-23616-7, S. 648.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.kn-trauer.de/traueranzeige/herbert-donner/46886644
  2. http://www.kn-trauer.de/traueranzeige/herbert-donner/46886628