Herbert Föttinger

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Herbert Föttinger und Sandra Cervik, 2014

Herbert Föttinger (* 25. Juli 1961 in Wien) ist ein österreichischer Schauspieler und Theaterregisseur. Er ist Direktor des Theaters in der Josefstadt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbert Föttinger besuchte das Wiener Schottengymnasium und das Marianum im 18. Wiener Gemeindebezirk. Noch während seiner Schulzeit gründete er mit 16 Jahren eine Jugendtheatergruppe im niederösterreichischen Waldviertel. Nach der Matura nahm Föttinger drei Jahre privaten Schauspielunterricht bei Burgschauspieler Peter P. Jost. Ab 1984 spielte er am Städtebundtheater im deutschen Hof an der Saale, am Landestheater Detmold (1985–1987), am Stadttheater Hildesheim (1987–1988) und am Schauspielhaus Graz (1988–1990).

Nach sechs Jahren in der deutschen und österreichischen Provinz holte ihn Emmy Werner ans Wiener Volkstheater, drei Jahre später war es Karlheinz Hackl, der ihn für seine Inszenierung von Ödön von Horváths Volksstück Geschichten aus dem Wiener Wald ans Theater in der Josefstadt brachte.

Noch vor seinem Debüt im Februar 1994 als Strizzi Alfred bot ihm Otto Schenk, der damalige Direktor des Theaters in der Josefstadt, einen Ensemblevertrag an.

Neben seinem Schauspielengagement am Theater in der Josefstadt realisierte Herbert Föttinger auch eigene Theaterproduktionen, so konnte er 1995 mit "Talk Radio" als Produzent und Schauspieler einen großen Erfolg feiern, 1996 folgte "Die Bernfeld Revue", wo er neben seiner Schauspielertätigkeit auch als Regisseur einspringen musste.

1998 wurde ihm der Wiener Schauspielerring verliehen.

2004 kehrte Helmuth Lohner nach der kurzen Direktionszeit von Hans Gratzer wieder als künstlerischer Leiter ans Josefstädter Theater zurück, Otto Schenk wünschte sich für Nestroys "Kampl" Helmuth Lohner als Partner sowie Herbert Föttinger als Regisseur.

Seit dieser erfolgreichen und vom Publikum akklamierten Inszenierung führt Herbert Föttinger regelmäßig Regie am Theater in der Josefstadt und an den Kammerspielen der Josefstadt.

Seit 2004 wurde Herbert Föttinger in den Medien als Direktionsnachfolger von Helmuth Lohner gehandelt, im Juni 2005 war es schließlich Günter Rhomberg, der, als Stiftungsvorsitzender der kurz zuvor gegründeten "Theater in der Josefstadt-Stiftung", Herbert Föttinger zum neuen Josefstadt-Direktor designierte. Dieses Amt hat er seit 2006 bis heute inne.

Exakt 15 Monate nach seiner Designation zum Künstlerischen Direktor eröffnet er am 14. September 2006 die Spielzeit mit der Uraufführung von Peter Turrinis Mein Nestroy.

Dieser Abend war programmatisch für Föttingers zukünftige Spielplangestaltung, denn seither fanden im Theater in der Josefstadt und in den Kammerspielen der Josefstadt über 80 Uraufführungen und Erstaufführungen statt. Somit hat Herbert Föttinger im Laufe seiner bisherigen Direktion die beiden Theater als erste Uraufführungshäuser in Wien etabliert. Zahlreiche AutorInnen wie Peter Turrini, Felix Mitterer, Daniel Kehlmann, aber auch Christopher Hampton wurden damit beauftragt, Stücke für die beiden Häuser zu schreiben. Am 1. September 2016 hatte in seiner Inszenierung die Uraufführung von Ödön von Horváths Tragödie Niemand im Theater an der Josefstadt Premiere.

Im Laufe seiner Direktionszeit gelang es Föttinger auch renommierte RegisseurInnen an sein Haus zu holen, darunter Hans Neuenfels, Elmar Goerden, Anna Bergmann, Günter Krämer, Hans Hollmann, Mateja Koležnik, Amélie Niermeyer, Claus Peymann und David Bösch.

Mit der Generalrenovierung des Theaters in der Josefstadt gelang Herbert Föttinger zusammen mit Günter Rhomberg, dem Stiftungsvorstand der Josefstadt-Stiftung und Alexander Götz, dem kaufmännischen Direktor des Theaters in der Josefstadt 2007, ein historisches Großereignis.

Ein Drittel des Finanzierungsvolumens wurde durch das Theater selbst aufgebracht und durch die großzügige Unterstützung von Spendern und Donatoren ermöglicht.

Dank einer großzügigen Spende der Familie Pühringer konnte im Zuge der Generalrenovierung der Josefstadt im Jahr 2008 auch eine Probebühne errichtet werden.

Seit dem 24. Oktober 2013 erstrahlen auch die Kammerspiele der Josefstadt in neuem Glanz.

In nur fünfmonatiger Bauzeit konnte ein schwer sanierungsbedürftiges, veraltetes Theater in ein modernes, zukunftsorientiertes Haus verwandelt werden und dabei seine Identität und seinen Charme behalten.

Für Herbert Föttinger war die Renovierung des Hauses die einzige Chance, modernen künstlerischen Anforderungen und heutigen Zuschauerbedürfnissen gerecht zu werden und ein notwendiger Schritt, um die Zukunft dieses traditionsreichen Theaters zu sichern.

70 Prozent der Generalsanierungskosten konnten durch private Geldgeber und Spenden-Aktionen finanziert werden.

Im Sommer 2014 konnte Herbert Föttinger mit dem Umbau des ehemaligen Dekorationsfundus in Aspern eine weitere Probebühne für das Theater in der Josefstadt realisieren.

Das bis jetzt letzte Renovierungsprojekt des Theaters in der Josefstadt war für Herbert Föttinger ein ganz wichtiges und besonderes Anliegen.

Nach einer lediglich dreimonatigen intensiven Umbauphase konnte die Generalrenovierung der hauseigenen Werkstätten mit den Abteilungen Tischlerei, Schlosserei, Tapeziererei und dem Malersaal im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen werden. Die großzügige Unterstützung zahlreicher Donatoren ermöglichte es, diese einzigartige Infrastruktur in unmittelbarer Nähe des Theaters zu erhalten.

Seit 2013 führt Herbert Föttinger an renommierten Opernhäusern Regie, sein Debüt erfolgte mit Beethovens Fidelio im Theater an der Wien unter dem Dirigat von Nikolaus Harnoncourt.

2017 wurde er ans Münchner Gärtnerplatztheater engagiert, seine Inszenierung von Mozarts Don Giovanni wurde von der Kritik als „packendes und zeitgemäßes Musiktheater“ (Peter Jungblut, BR-Klassik) gefeiert.

Herbert Föttinger ist mit der Schauspielerin Sandra Cervik verheiratet, sie haben einen Sohn.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühnenrollen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater in der Josefstadt

Salzburger Festspiele

Sommerspiele Reichenau

  • „Trilogie der Sommerfrische“ (1997)
  • „Ein Monat auf dem Lande“ (1998)
  • „Lumpazivagabundus“ (1999)
  • „Anatol“ (2001)
  • „Affaire Lina Loos“ (2002)
  • Prof. Ebenwald in „Professor Bernhardi“ (2003)
  • Friedrich Hofreiter in „Das weite Land“ (2004)

Volksoper Wien

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manche Tage dauern Jahre – Herbert Föttinger liest Texte von Norbert Silberbauer – ORF Ö1-CD, Edition Literatur, 2003

Regiearbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater in der Josefstadt

Theater an der Wien

Theater am Gärtnerplatz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Herbert Föttinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. orf.at - Herbert Föttinger erhält Nestroy-Ring. Artikel vom 7. Dezember 2016, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  2. TV-Show statt Gala: Nestroy für Peters und Pätzold. In: ORF.at. 4. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  3. Georg Leyrer: Die Sieger der NESTROY-Preise: Leistungsschau, diesmal im TV. In: Kurier.at. 4. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  4. Mein Nestroy (Memento vom 4. November 2006 im Internet Archive) im Theater in der Josefstadt
  5. Aus Liebe (Memento vom 27. Mai 2013 im Internet Archive) im Theater in der Josefstadt