Herbert Riehl-Heyse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herbert Riehl-Heyse nach einem Vortrag in München 1995

Herbert Riehl-Heyse (* 2. Oktober 1940 in Altötting als Herbert Riehl; † 23. April 2003 in Eichenau) war ein deutscher Journalist und Autor.

Leben[Bearbeiten]

Nach Abschluss des Gymnasiums in Burghausen studierte Riehl-Heyse zunächst Rechtswissenschaften und legte beide juristischen Staatsexamina ab. Seine ersten Schritte als Journalist unternahm er 1968 im Rahmen eines Volontariats beim Münchner Merkur. 1971 wechselte er zur Süddeutschen Zeitung. Als leitender Redakteur und Kolumnist (u. a. im Streiflicht) prägte er mit seiner subtilen Satire und Ironie wesentlich den Stil der Zeitung. Anfang 1989 wurde er Chefredakteur des Magazins Stern, das er allerdings bereits nach vier Monaten wieder verließ und zur Süddeutschen Zeitung zurückkehrte.[1]

Riehl-Heyse war auch Autor von Büchern, in denen er vorwiegend das Spannungsfeld zwischen Politik und Medien ausleuchtete.

Am 27. April 2005 wurde ihm zu Ehren zum ersten Mal der Herbert-Riehl-Heyse-Preis verliehen.

Über Subjektivität & Objektivität im Journalismus (Zitat)[Bearbeiten]

Riehl-Heyse: „Ich glaube überhaupt nicht, dass die öffentliche Aufgabe der Tageszeitung zwangsläufig an die so genannte Objektivität gebunden ist – im Gegenteil, wenn ich diese Aufgabe der Presse recht verstehe, so besteht sie in verschiedenen Funktionen: Informations-, Artikulations-, Kontroll-Funktion. Alle drei würden von einer Zeitung, deren oberstes Prinzip die Herstellung völliger Objektivität wäre, nicht erfüllt und zwar vor allem deshalb, weil sie dem Leser vormacht, dass es die chemisch reine Objektivität gäbe, dass die Welt genauso funktioniere, wie sie in solchen Zeitungen erscheint als Nachricht.“

Deshalb „bin ich sicher, dass die vorsätzliche Subjektivität des Beschreibenden für den Leser hilfreicher und ehrlicher ist. Hilfreicher, weil er auf diese Weise Dinge erfahren kann, die in einer ‚objektiven’ Nachricht schon aus lauter Vorsicht nicht unterzubringen wären, ehrlicher, weil der Autor erst gar nicht den Eindruck zu vermitteln versucht, er schreibe die einzig wahre, gültige Geschichte über diesen oder jenen politischen, kulturellen, gesellschaftlichen Vorgang. Ideal wäre es in diesem Sinne, wenn der Leser am Schluss des Artikels genau wüsste, dass er nichts anderes gelesen hat, als die ganz persönliche Sicht eines bestimmten Schreibers, und dass er es trotzdem nützlich fand, sich gerade mit dieser Sicht auseinanderzusetzen.“

(Herbert Riehl-Heyse zitiert nach Petra E. Dorsch: Objektivität durch Subjektivität? Ein Gespräch mit dem Reporter Herbert Riehl-Heyse. In: Wolfgang R. Langenbucher: Journalismus&Journalismus. München 1980, Seiten 97–105, hier Seite 100f.)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Am Rande des Kraters - Reportagen und Essays aus drei bewegten Jahren (1993)
  • CSU – Die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat (1979)
  • Bayern braucht Wolpertinger (mit Ernst Fischer und Hannes Burger 1977)
  • Die Weihe des Ersatzkaisers und andere Geschichten. Helbing & Lichtenhahn Verlag, Basel 1986, ISBN 3-7190-0954-8
  • Bestellte Wahrheiten (1989)
  • Das Streiflichtbuch (mit Axel Hacke, Claus-Heinrich Meyer, Rainer Stephan, Hermann Unterstöger 1995)
  • Götterdämmerung (1995)
  • Ach, Du mein Vaterland (1998)
  • Das neue Streiflichtbuch (mit Axel Hacke, Claus-Heinrich Meyer, Rainer Stephan, Hermann Unterstöger 2000)
  • Arbeiten in vermintem Gelände - Macht und Ohnmacht des Journalismus. Hg von Wolfgang R. Langenbucher. Picus Verlag Wien 2002.
  • Jugendwahn und Altersstarrsinn (2003)
  • Die Seite Drei. Reportagen aus fünf Jahrzehnten. Hg. von Gernot Sittner. Süddeutsche Zeitung Edition 2007.
  • Das tägliche Gegengift - Reportagen und Essays 1972-2003. Süddeutsche Zeitung Edition 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trauer um Journalisten-Legende Herbert Riehl-Heyse, Spiegel Online vom 23. April 2003, abgerufen am 26. November 2013