Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System

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Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System
Herbstlabyrinth 2009

Herbstlabyrinth 2009

Lage: Westerwald, Deutschland
Höhe: 417 m ü. NN
Geographische
Lage:
50° 41′ 15,7″ N, 8° 12′ 21,7″ O50.6876972222228.2060361111111417Koordinaten: 50° 41′ 15,7″ N, 8° 12′ 21,7″ O
Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System (Hessen)
Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System
Typ: Tropfsteinhöhle
Entdeckung: 1993
Schauhöhle seit: 2009
Beleuchtung: in LED-Technik
Gesamtlänge: 8300 m (Stand 2013)
Niveaudifferenz: 82 m
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
80 m (+ 45 m Zugangsstollen)
Besucher aktuell: 8.203 (2012)
Website: www.zeitspruenge.de

Das Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System bei Breitscheid im Westerwald ist das größte Höhlensystem Hessens und eines der bedeutendsten Deutschlands. Die Gesamtganglänge betrug im Jahre 2013 8300 Meter[1], die Tiefe 82 Meter. Die Tropfsteinhöhle zeichnet sich durch einen extrem sauberen, weißen bis durchsichtigen und unberührten Sinterschmuck aus, der in weitem Umkreis seinesgleichen sucht. Insbesondere die Länge und Vielfalt der Excentriques ist einmalig in Deutschland. Die Höhle ist noch nicht vollständig erforscht. Ein kleiner Teil, die so genannte Knöpfchenhalle, wurde 2009 als Schauhöhle eröffnet, die auch Teil des Nationalen Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus ist.

Geographische Lage und Geologie[Bearbeiten]

Das Höhlensystem liegt mitten im Karstgebiet zwischen Breitscheid und Erdbach am Osthang des Westerwalds in Hessen, nahe dem Dreiländereck mit Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der Kalk ist dort auf einer Fläche von etwa zwei Quadratkilometern nicht von anderen Gesteinen überdeckt.

Das Karstgebiet entstand durch das Wachstum eines atollartigen Korallenriffs infolge von unterseeischem Vulkanismus zur Zeit des Devons. Der Kalkstein wurde als Iberger Kalk klassifiziert.

In diesem Bereich gibt es neben dem Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System und einigen Dolinen noch viele weitere Höhlen, unter anderem die Erdbachhöhle, die mit knapp 100 Meter Tiefe als tiefste Höhle Hessens gilt. Eine Besonderheit ist ein Bach, der am Ortsrand von Breitscheid im Boden versickert, durch die Erdbachhöhle fließt und gut einen Kilometer weiter östlich bei Erdbach als Karstquelle wieder zu Tage tritt.

Entdeckung und Erschließung[Bearbeiten]

Während einer vorweihnachtlichen Wanderung der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen (SAH) wurde am 11. Dezember 1993 am Rande des Abbaugebietes des Kalksteinwerkes Medenbach zufällig eine schön versinterte Höhle entdeckt und Adventhöhle genannt. Sie wurde wieder verschlossen und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Erst nachdem rechtliche Aspekte mit dem Steinbruchbetrieb geklärt waren, konnte einige Monate später mit der Erforschung begonnen werden. In der Adventhöhle hat man große Mengen von eiszeitlichen Säugetierknochen, vor allem vom Höhlenbär, gefunden.

Am 28. Mai 1994 wurde in der Nähe der Adventhöhle eine schon seit dem vorhergehenden Herbst bekannte Spalte geöffnet, durch die der Zustieg zu einem weiteren Höhlenteil gelang. Dieser wurde Herbstlabyrinth genannt. Bei den Erkundungen konnte eine Reihe von Räumen befahren werden, deren Dimensionen zur Tiefe hin kontinuierlich zunehmen. Dazu gehört als größte Halle der Höhle die Knöpfchenhalle, die ihren Namen aufgrund vieler kleiner Sinterknöpfchen bekommen hat. Der prägnanteste Teil der Höhle ist der Hessentunnel, ein durchschnittlich sechs bis acht Meter breiter und vier Meter hoher Gang, der sich über mehrere hundert Meter erstreckt. 1995 konnte im Bereich des Hessentunnels eine Verbindung zwischen dem Herbstlabyrinth und der Adventhöhle gefunden werden: Das Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System war entstanden.

Sinterorgel in der Knöpfchenhalle

Bis Anfang 1997 wurde die Forschung und Vermessung fortgesetzt. Dabei wurden immer wieder neue Höhlenteile entdeckt. Von 1997 bis 2002 ruhte wegen fehlender Genehmigungen der Forschungsbetrieb. Dieser konnte erst wieder aufgenommen werden, als die Gemeinde Breitscheid eine Erschließung zur Schauhöhle plante. Nachdem das Höhlensystem lange Zeit durch den Kalkabbau gefährdet schien, wurde es Ende 1999 zum Naturdenkmal erklärt. Dem Steinbruchbetrieb wurden im Gegenzug Ausgleichsflächen zugesichert.

2002 wurde der so genannte Nordgang entdeckt und bis auf über 1400 Meter vermessen. Da er jedoch direkt durch das Abbaugebiet des Steinbruchs führte, wurde er in den folgenden Jahren zerstört. Die bis dahin spektakulärsten Teile der Höhle wurden 2004 entdeckt: Das Wolkenschlösschen, das mit seiner massiven Versinterung alles Bisherige in den Schatten stellte und die Rätselhalle mit Sinterformationen, die an Gletscher erinnern und einem azurblauen See. Eine weitere ungewöhnliche Entdeckung war 2005 der Fund von Bimsgestein, das aus der Eruption des Laacher-See-Vulkans in der Eifel vor rund 12.900 Jahren stammen soll.[2] Die Forschungs- und Vermessungsarbeiten gehen auch gegenwärtig weiter. Im Jahr 2009 und 2010 fanden Grabungsarbeiten in der so genannten Westfortsetzung statt. Dabei wurden große Gangfortsetzungen und mit Tropfsteinen ausgekleidete Hallen, darunter mit der Hohe Alp einer der größten Hohlräume des Höhlensystems, gefunden. In diesem Höhlenbereich liegt auch der Forschungsschwerpunkt.

Im Herbst 2012 wurden im westlichen Bereich neue Höhlenteile entdeckt, von denen bereits 520 Meter erkundet und vermessen werden konnten. Hier soll es unter anderem eine weitere, über 30 Meter hohe Halle sowie einen mehrere hundert Meter langen Gang geben, der von einem Bach durchflossen wird.[3] Im August 2013 wurde in diesem Bereich die lange gesuchte Verbindung zum Erdbach-Höhlensystem gefunden.[4]

Die Schauhöhle[Bearbeiten]

Eine acht Meter lange Sinterfahne

2007 wurde mit der touristischen Erschließung des Herbstlabyrinths begonnen. Als Schauhöhlenbereich bot sich die 50 Meter lange und bis zu 32 Meter hohe Knöpfchenhalle an, da in diesem Bereich fast alle in der Höhle vorkommenden Tropfsteinarten zu finden sind. Bemerkenswert ist neben mehreren gewaltigen Sinterorgeln eine ungefähr acht Meter lange und 50 Zentimeter breite Sinterfahne. Es wurde ein 45 Meter langer Stollen mit einer Treppe von 125 Stufen von der Erdoberfläche zur Knöpfchenhalle aufgefahren; am 9. Mai 2009 fand die feierliche Eröffnung statt.

Die Knöpfchenhalle

Die technische Ausstattung der Höhle macht sie zu einer der modernsten Schauhöhlen Europas: Die Fußwege wurden aus GFK-Material gebaut und als erste Schauhöhle wurde sie mit LED-Lichttechnik ausgestattet. Diese Technik führt zu einem stark verringerten Stromverbrauch, einer niedrigen Wärmeabstrahlung und zu einer besonderen Inszenierung der Strukturen in der Höhle, die mit herkömmlicher Beleuchtung nicht möglich gewesen wäre.

Durch die enge Lage des Höhleneingangs zwischen Kreisstraße und Kalksteinbruch konnten dort keine Parkplätze angelegt werden, deshalb müssen die Besucher einen gut einen Kilometer langen Fußmarsch von Breitscheid oder Erdbach in Kauf nehmen. Geöffnet ist die Höhle an Wochenenden ab zehn Uhr. Führungen für maximal 13 Personen finden stündlich statt. Es wird wegen der begrenzten Kapazität empfohlen, Eintrittskarten im Voraus im Rathaus Breitscheid zu buchen.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Röder: Die Höhle wächst. In: mittelhessen.de, 26. August 2013
  2. Fund von Laacher-See-Bims im Herbstlabyrinth-Adventhöhlen-System. (PDF; 275 kB) Speläologische Arbeitsgemeinschaft Hessen
  3. Dill-Zeitung, 24. November 2012, S. 20
  4. Verlauf des Erdbachs gefunden. In: mittelhessen.de, 22. August 2013