Herchen

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50.7805555555567.515105Koordinaten: 50° 46′ 50″ N, 7° 30′ 54″ O

Herchen
Gemeinde Windeck
Wappen von Herchen
Höhe: 105 m ü. NHN
Einwohner: 1067 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. August 1969
Postleitzahl: 51570
Vorwahl: 02243
Herchen (Nordrhein-Westfalen)
Herchen

Lage von Herchen in Nordrhein-Westfalen

Herchen, Ortszentrum (2010)

Herchen, Ortszentrum (2010)

Herchen ist ein Ort in der Gemeinde Windeck im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen.

Lage[Bearbeiten]

Herchen liegt an der Sieg zwischen Bergischem Land und Westerwald, eingebettet in bewaldete Höhen.

Geschichte[Bearbeiten]

Herchen um 1900 mit seinen Fachwerkhäusern in Übersehn und den beiden Kirchen
Herchen gehörte auch einmal zum Kreis Siegen

Die frühere Bezeichnung von Herchen ist Herchingen, es geht also zumindest auf eine fränkische Gründung zurück. Die erste urkundliche Erwähnung zu den Rechten der Kirche Sankt Peter stammt aus dem Jahr 1131. Der auf der anderen Siegseite liegende Ortsteil Übersehn wird 1394 erstmals erwähnt. Dann wird ein vermutlich 1247 gegründetes Kloster Herchen erwähnt, welches aber schon 1581 aufgelöst und dem Kloster Merten unterstellt wird. Von den Gebäuden des Klosters ist heute noch eine Bruchsteinwand und der Klosterbrunnen zu sehen. Die 1702 zum Andenken erbaute Kapelle steht noch im Ort.

1398 verpfändete Herzog Wilhelm von Berg an Graf Gerhard von Sayn die Orte Much, Herchen, Dattenfeld und Wahlscheid. Wann Herchen ausgelöst wurde, ist unbekannt.

1477 traf sich Herzog Wilhelm von Jülich-Berg mit Graf Gerhard von Sayn in Herchen, 1500 wurde ein Treffen von ihm mit dem Grafen von Wied in Herchen erwähnt.

1492 ließ Herzog Wilhelm von Jülich-Berg in Herchen vier weiße Tücher kaufen, 1645 wurden in Herchen vier Walkmühlen erwähnt.

1789 gehörte das Kirchspiel Herchen zum Amt Blankenberg im Herzogtum Berg und bestand aus den Honschaften Herchen, Höhe, Röcklingen und Stromberg. Das Kirchspiel Herchen hatte eine Größe von ca. 2380 ha. 1792 gab es im Kirchspiel Herchen 490 Katholiken und 528 Lutheraner.

1830 wurde eine Erhebung veröffentlicht. Danach umfasste die Bürgermeisterei Herchen, 2 Dörfer, 27 Weiler und 3 Höfe, mit 6 Kirchen und Kapellen, 7 öffentliche Gebäude, 467 Privatwohnhäuser, 5 Mühlen, 447 Scheunen und Ställe. Die Einwohnerzahl betrug 1816: 2150, 1825: 2386, 1828: 2553. Davon waren 1278 männlich, 1275 weiblich, 1757 evangelisch, 783 katholisch, 13 jüdisch. In dem Kirchdorf Herchen gab es eine Pfarrkirche und 171 Einwohner. Die Weiler Altenherfen hatten 26, Gutmannseichen 39, Gerressen 175, Lüttershausen 78, Niederrieferath 87, Oberrieferath 46, Stromberg 277, Ringenstellen 38, Röcklingen 235, Übersehen 89 Einwohner. Die Höfe Neuenhof hatten 8, Ohmbach 10 und Richardshohn ebenfalls 8 Einwohner. Das Kirchdorf Leuscheid, ebenfalls zur Bürgermeisterei Herchen gehörend, hatte eine Pfarrkirche und 192 Einwohner. Die Weiler Alsen hatten 160, Dahlhausen 78, Bitze 24, Eutscheid 24, Himmeroth 33, Hundhausen 41, Leidhecke 20, Mühl 43, Kuchhausen 78, Kocherscheid 42, Locksiefen 56, Werfen 109, Saal 132, Mittelirsen 89, Reidershof 33, Schabernack 68 und Nieder-Leuscheid 43 Einwohner.

Bis 1806 gehörte Herchen zum Amt Windeck, danach zum Kanton Eitorf.

Bereits am 5. Oktober 1932 wurde Adolf Hitler Ehrenbürger der Bürgermeisterei Herchen. Der Antrag war von Robert Ley und der starken NSDAP-Fraktion des Gemeinderates ausgegangen.[2]

Am 1. August 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Herchen in die Gemeinde Windeck eingegliedert.[3]

Bürgermeisteramt Herchen[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Herchen

Zum früheren Bürgermeisteramt Herchen gehörten neben dem 1808 eingegliederten Kirchspiel Leuscheid die Stromberger Mark, die Herchener Höhe und die Orte Gerressen, Neuenhof, Engelsbruch, Ohmbach, Röcklingen, Kaltbachmühle, Hoppengarten und Richardshohn. Der ehemalige Hof Ottofeld ist untergegangen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen der Gemeinde Herchen:

Jahr Einwohner
1808 2728
1910 3514
1925 3756
1933 3644
1939 4018
1961[4] 4805
Erholungsort Herchen

Politik[Bearbeiten]

Maire bzw. Bürgermeister der Gemeinde Herchen:

Jahr Bürgermeister
1811–15.02.1815 Johann Gerhard Anton Überzezig
1815–1819 Johann Peter Schildgen
1819–1846 Friedrich Lenz
1846–1851 Heinrich Wilhelm Otto
1851–1864 Karl Theodor Komp
1864–1868 Ludwig Heuser
1868–1871 Josef Commer
1871–1873 Wilhelm Gansäuer
1873–1887 Guido Alberty
1887–1893 Herr Lichtenthäler
1893–1930 Philipp Dörmer
1930–1931 Herr Manner
Jahr Bürgermeister
01.05.1931–13.10.1932 Walter Tersteegen
01.06.1933–1935 Otto Simon
1935–1937 Karl Schmidt
03.01.1938–23.09.1938 Herr Esser
23.09.1938–1939 Dr. Orth
01.06.1939–24.06.1940 Herr Brüning / Karl Schmidt
11.03.1940–1944 Karl Schmidt
1944–1946 Alfred Kuttenkeuler
06.02.1946–30.09.1946 Armin Vogel
01.10.1946–Mai 1947 Albrecht Land
Mai 1947–30.04.1960 Gemeindedirektor Josef Dahmen

Das Wappen der Gemeinde Herchen zeigte den aufrechten, doppelschwänzigen bergischen Löwen.

Erholungsort[Bearbeiten]

Erholungsheim Dr. Loewe, heute als Restaurant betrieben

Bereits früher war Herchen eine beliebte Sommerfrische. Belegt sind Aufenthalte des Musikers Engelbert Humperdinck, des Schriftstellers Josef Winckler, der hier den Tollen Bomberg geschrieben hat, und die Gruppe des Düsseldorfer Malkastens. Hierzu gehörten die Malerbrüder Oswald und Andreas Achenbach sowie Johannes Deiker, aber auch Musiker und Dichter wie Edmund Henoumont.

Die Künstlergruppe veranstaltete hier von Mitte der 1880er Jahre bis 1900 am 2. September sogenannte Sedan-Spiele. Diese Theaterstücke mit bengalischem Feuer und auf der Sieg schwimmenden Bühnenbildern wurden bald so gerühmt, dass die Eisenbahn am Spieltag Sonderzüge einsetzte.

Später wurden in Herchen einige Gebäude für den Kuraufenthalt errichtet, denen aber kein großer Erfolg beschieden war, beispielsweise der Herchener Hof und die Löwenburg.

Seit 1986 ist Herchen staatlich anerkannter Erholungsort.

Der Aufgang zur katholischen Kirche St. Peter (Zeichnung)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Landeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden errang Herchen 1983 Bronze, 1985 Silber und 1990 als schönstes Dorf im Rhein-Sieg-Kreis Bronze. 2006 erhielt die besondere Initiative der Frauen für die Entwicklung des Dorfes einen Sonderpreis in dem Landeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft; Herchen wurde Silberdorf.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Herchen ist über die Landesstraße 333 und die Landesstraße 312 erreichbar. Außerdem gibt es in dem außerhalb gelegenen Ortsteil Herchen-Bahnhof Anbindung an die Siegstrecke. Hier verkehren stündlich die Züge S12 (von Au nach Düren) und der Rhein-Sieg-Express RE9 (von Aachen nach Siegen).

Schulen[Bearbeiten]

In Herchen gibt es neben einer Grundschule eine der wenigen Privatschulen Deutschlands, das Bodelschwingh-Internat, welche im Besitz der evangelischen Kirche ist, sie wird im Ort immer noch Päda genannt. Im Nebenort Herchen-Bahnhof besteht seit 1966 eine Realschule, die bereits 1963 provisorisch in Herchen unterhalten wurde.

Außerdem befinden sich zwei Kindergärten in Herchen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Thingplatz auf einem Bergsporn über dem Dorf

Neben der alten katholischen Kirche St. Peter ist der Thingplatz mit den unterhalb stehenden Kölner Kanonen geschichtsträchtig. Die evangelische Kirche wurde 1879 bzw. 1885 (Turm) erbaut. Im Haus des Gastes finden Ausstellungen und Vorstellungen statt, der dahinterliegende Skulpturenpark geht in die Anlage der Löwenburg über, wo Minigolf und Tretbootverleih angeboten werden. Das Hindenburgdenkmal bietet einen schönen Ausblick über das Siegtal. Außerhalb gelegen ist der mit einer Sage belegte Heilbrunnen.

Kölner Kanonen[Bearbeiten]

Kölner Kanone in Herchen

Bei den beiden s.g. „Kölner Kanonen“ handelt es sich um in Lüttich hergestellte preußische C/61 Geschütze der Festungsartillerie. Die Bauart, mit den auf die Lafettenwände aufgesetzten eisernen Böcken und der Richtmaschine, lässt darauf schließen, dass die beiden 12-zügigen 12-Pfünder mit Warendorff‘schem Kolbenverschluss zur Festungsverteidigung, der Überlieferung nach in Köln, eingesetzt waren. Diese Konstruktion ermöglichte es einerseits die Erhöhungsfähigkeit entsprechend der größeren Schussweite der gezogenen Rohre zu vergrößern und andererseits bei größtmöglicher Deckung über Brüstungen hinweg schießen zu können.

Durch allerhöchste Kabinettsorder vom 18. Februar 1858, erlassen durch den damaligen Prinzregenten und späteren Kaiser Wilhelm I., wurden die drei ersten gezogenen Hinterlader-Geschütze in die preußische Artillerie eingeführt. Es waren dies zunächst der eiserne 12-Pfünder und der eiserne 24-Pfünder. Der eiserne 6-Pfünder folgte im Jahr 1859. Mit der Einführung dieser als C/61 bezeichneten Geschütze wurde in der preußischen Artillerie die Umstellung von den herkömmlichen Vorderlader-Geschützen mit glatten Rohren, zu modernen Hinterlader mit gezogenen Rohren vollzogen. Gleichzeitig erfolgte die Ablösung des bis dahin gebräuchlichen Schwarzpulvers durch leistungsstärkere moderne Treibladungen. Gezogene Geschützrohre und stärkere Treibmittel erforderten ebenfalls eine Weiterentwicklung der Geschosse. Die damals gebräuchliche Rundkugel konnte den Anforderungen nicht mehr gerecht werden und wurde durch das Langgeschoss, damals „Bleihemdgranate“ genannt, abgelöst.

Die beiden „Kölner Kanonen“ stellen ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument in der Entwicklung der Artillerietechnik und Festungsverteidigung dar.

Vereine[Bearbeiten]

  • Bürger- und Verschönerungsverein Herchen a. d. Sieg e. V.
  • TuS Herchen 1922 e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Windeck, Löschgruppe Herchen
  • Wanderverein Herchen
  • Quartettverein Herchen
  • Reitverein Herchen
  • Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Herchen 1994 e. V.
  • kirchliche Vereine (evangelischer Posaunen- und Kirchenchor, katholischer Kirchenchor, Gospelchor sowie Verein für kirchliche Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen)
  • Verein der Freunde und Förderer der Gemeinschaftsgrundschule Herchen e.V.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Ein Karussell der kleinen Herchener Dorfkirmes

In Herchen gibt es einen Karnevalsumzug (immer am Karnevalssonntag) und eine kleine Kirmes im August. Außerdem findet am letzten Sonntag vor den Sommerferien ein Kinderfest im Kurpark statt. Während des autofreien Siegtals (Sperrung der Siegtalstraße am ersten Julisonntag für Autos) gibt es auch in Herchen zahlreiche Stände zur Verpflegung.

Sport[Bearbeiten]

Der Ort besitzt einen Haupt-Sportplatz auf der Siegseite des Bergischen Landes und einen neueren Trainingsplatz in Übersehn, beides sind Rasenplätze. Genutzt werden sie vom Turn- und Sportverein Herchen 1922 e.V. Die erste Fußball-Herrenmannschaft des Ortes spielt seit der Saison 2010/2011 in der Kreisklasse B/Sieg/Mittelrhein. Weitere Sportarten sind Volleyball, Schwimmen (Halle des Bodelschwingh-Gymnasiums), Seniorensport, Tennis und Damengymnastik.

In der Sporthalle des Bodelschwingh-Gymnasiums trägt außerdem der ehemalige Volleyball-Zweitligist und jetzige Regionalligist TSV Germania Windeck seine Heimspiele aus.

Nahe der Sieg neben der „Löwenburg“ befinden sich eine Miniaturgolfanlage sowie ein Billardtisch. Zudem ist es bei entsprechender Witterung möglich, sich Tret- und Paddelboote auszuleihen.

Des Weiteren empfiehlt sich Herchen für Wandersportler, da ein ganzes Stück Natursteig Sieg um das Dorf herum führt: Auf der fünften Etappe lohnt sich – von Eitorf kommend – ein Abstecher in den Ort, die sechste Etappe endet in Herchen am ehemaligen Hindenburgdenkmal. Auch Radsportler kommen auf ihre Kosten, führt doch der Siegweg direkt am Ort vorbei, sodass sich von dort aus Ausflüge entlang der Sieg lohnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriel Busch (Hrsg.): Merten (Sieg). Seine viel liebe Heimat. Reckinger & Co., Siegburg 1978.
  • Wilhelm Fabricius: Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz. Die Karte von 1789: Einteilung und Entwickelung der Territorien von 1600 bis 1794. Nachdruck der Ausg. von 1898. Hanstein, Bonn 1965, S. 308.
  • Wilhelm Mummenhoff: Die modernen Geschütze der Fußartillerie. Bd. 1: Vom Auftreten der gezogenen Geschütze bis zur Verwendung des rauchschwachen Pulvers 1850–1890. Göschen, Leipzig 1907.
  • Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz. Nicolai, Berlin und Stettin 1830 (digital).
  • Wolf-Rüdiger Weisbach: Vom Blitzauto zur Klümpches-Tante. Bilder und Geschichten aus dem alten Herchen. Verlag Kunst im Keller, Herchen 1997, ISBN 3-9804131-3-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herchen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Windeck - Ortschaftenverzeichnis, abgerufen am 1. April 2014
  2. Karl Schröder: Aufstieg und Fall des Robert Ley, Bürgerverein Ruppichteroth, Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2008, ISBN 978-3-87710-342-5, S. 79
  3.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.
  4.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 198.