Heringen (Werra)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Heringen (Werra)
Heringen (Werra)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Heringen (Werra) hervorgehoben
50.88722222222210.005555555556221Koordinaten: 50° 53′ N, 10° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Hersfeld-Rotenburg
Höhe: 221 m ü. NHN
Fläche: 61,18 km²
Einwohner: 7419 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36266
Vorwahlen: 06624, 06674, 06678
Kfz-Kennzeichen: HEF, ROF
Gemeindeschlüssel: 06 6 32 009
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Obere Goethestraße 17
36266 Heringen (Werra)
Webpräsenz: www.heringen.de
Bürgermeister: Hans Ries (WGH)
Lage von Heringen (Werra) im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Thüringen Vogelsbergkreis Landkreis Fulda Schwalm-Eder-Kreis Werra-Meißner-Kreis Alheim Rotenburg an der Fulda Cornberg Nentershausen (Hessen) Bebra Bebra Wildeck Heringen (Werra) Philippsthal (Werra) Friedewald (Hessen) Ludwigsau Neuenstein (Hessen) Hohenroda Schenklengsfeld Schenklengsfeld Hauneck Haunetal Niederaula Kirchheim (Hessen) Breitenbach am Herzberg Ronshausen Bad HersfeldKarte
Über dieses Bild

Heringen (Werra) ist eine Kleinstadt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Osthessen, Deutschland, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen gelegen. Die nächstgrößeren Städte sind im Westen Bad Hersfeld (28 km), im Nordosten Eisenach (30 km) und im Norden Kassel (80 km).

Geographie[Bearbeiten]

Heringen mit dem Werk Wintershall der K+S Kali GmbH in der Bildmitte. Aufgenommen vom Monte Kali

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an dem Fluss Werra, umgeben von den Ausläufern des Thüringer Waldes, des Seulingswaldes und der Vorderrhön.

Der tiefste Punkt liegt mit 210 m ü. NN in der Werraaue. Der höchste Punkt in der Stadtgemarkung ist der Lehnberg 471 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn beginnend im Norden sind das die Gemeinden Wildeck, Großensee, Dankmarshausen, Dippach, Berka/Werra, Philippsthal (Werra) und Friedewald (Hessen).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadtteile sind neben dem Kernort Heringen die Orte Bengendorf, Herfa, Kleinensee, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Salzberg („Monte Kali“) des Kaliwerks Wintershall in Heringen
Der Stadtteil Kleinensee mit dem „Monte Kali“ im Hintergrund
Grenzpfahl der DDR, an der ehemaligen hessisch-thüringischen Grenze zwischen Kleinensee und Großensee

Das erste Mal wird der Ort Heringen im Jahre 1153 urkundlich erwähnt. Das Kloster Fulda belehnte um das Jahr 1170 den adligen Heinrich von Heringen mit dem Ort. Das Gericht Heringen umfasste im frühen 15. Jahrhundert das heutige Stadtgebiet, den Ort Harnrode (heute zu Philippsthal) und die heute thüringischen Orte Vitzeroda, Gasteroda und Abteroda. Diese drei Orte gehören heute zur Stadt Berka/Werra. Im Jahre 1432 verkaufte Margarethe von Heringen das Gericht an die Landgrafen von Hessen. Damit gehörte Heringen zur Landgrafschaft Hessen und wurde dem Amt Friedewald angegliedert. Allein Harnrode und die Wüstung Geiderstad kamen zur hersfeldischen Vogtei Kreuzberg, die Obrigkeit über den Ort lag aber beim Amt Friedewald[2]. Das Marktrecht wurde dem Ort Heringen im Jahr 1526 verliehen.

Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807-1813) war Heringen Hauptort des Kantons Heringen und Sitz des Friedensgerichts.

1893 wurde an der Werra erstmals Kali nachgewiesen. 1894 wurde eine Tiefbohrung angesetzt, die in 470 Meter Tiefe ein zwei bis drei Meter mächtiges Kaliflöz fand. Etwa 60 bis 70 Meter tiefer wurde ein zweites noch mächtigeres Flöz nachgewiesen. Mit dem Bau des Kaliwerks Wintershall (heute K+S AG), das mit der Förderung im Jahre 1903 begann, bekam der Ort die ersten industriellen Arbeitsplätze. Später wurden noch die Kalibergwerke Neu-Heringen und Herfa-Neurode gebaut. Während der letzten Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs wurden in den Stollen des Heringer Bergwerkes die Bibliothek des Reichspatentamts und der Wehrgeologenstellen versteckt. Die letztgenannte Bibliothek ist heute Teil der „US Geological Survey Library“ und ist dort als „Heringen Collection“ gekennzeichnet. In Herfa-Neurode wurde 1972 die erste und größte untertägige Sondermülldeponie der Welt eingerichtet; sie wird bis heute von K+S betrieben.

Das Bergwerk ist heute das größte Kaliabbaugebiet der Welt und hat etwa die Abbaufläche des Großraumes Münchens.

Heringen bekam am 8. März 1977 von der Hessischen Landesregierung die Stadtrechte verliehen.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 15. September 1968 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wölferode eingegliedert. Am 31. Dezember 1970 kam Lengers hinzu. Bengendorf und Leimbach folgten am 31. Dezember 1971. Die Reihe der Eingemeindungen fand am 1. August 1972 mit der Eingliederung von Herfa, Kleinensee und Widdershausen ihren Abschluss.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Stadtteile Einwohnerzahl
Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2012
Heringen 3.402 3.558 3.637 3.631 3.603 3.623 3.594 3.604 3.607 3.525 3.516 3.501 3.308
Bengendorf 69 68 68 68 70 72 72 72 73 56 52 51 59
Herfa 836 880 869 867 853 838 814 798 802 802 779 769 753
Leimbach 471 488 511 512 522 504 503 503 501 514 508 494 488
Lengers 1.019 1.092 1.072 1.072 1.071 1.061 1.024 1.003 1.012 990 970 957 931
Kleinensee 655 726 722 722 726 724 729 721 720 704 710 701 667
Widdershausen 1.140 1.204 1.190 1.190 1.203 1.193 1.166 1.181 1.182 1.127 1.111 1.101 1.051
Wölfershausen 1.091 1.150 1.139 1.137 1.117 1.101 1.117 1.093 1.088 1.098 1.087 1.086 1.051
Gesamt 8.683 9.166 9.208 9.199 9.165 9.116 9.019 8.975 8.985 8.816 8.733 8.660 8.308

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
46,1 %
36,0 %
17,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+10,9 %p
-4,0 %p
-6,9 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
WGH Wählergruppe Gemeinschaftsliste Heringen 46,1 14 35,2 11 22,3 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 36,0 11 40,0 12 50,1 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 17,9 6 24,8 8 26,5 8
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 51,7 59,3 64,5

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse[4]:

Bürgermeisterwahl 2010
Kandidaten Partei Ergebnis
Ries, Hans WGH 65,0 %
Knoch, Manfred 32,0 %
Otto, Evelyn 3,0 %
Wahlbeteiligung 75,6 %
Bürgermeisterwahl 2004
Kandidaten Partei Ergebnis
Knoch, Manfred* SPD 47,5 %
Ries, Hans* WGH 52,5 %
Wahlbeteiligung 70,7 %
Knoch, Manfred SPD 44,1 %
Bock, Eckhard CDU 14,1 %
Ries, Hans WGH 41,8 %
Wahlbeteiligung 69,6 %

* Stichwahl

Bürgermeisterwahl 1998
Kandidaten Partei Ergebnis
Pfromm, Rolf SPD 57,9 %
Dies, Roland CDU 13,7 %
Ries, Hans Grüne 28,4 %
Wahlbeteiligung 71,9 %

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen zeigt in blau eine silberne Schräglinkswellenlinie. Vorne silberne gekreuzte Schlägel und Eisen, hinten drei silberne Fische.

Bedeutung: Die Wellenlinie steht für die Werra, die drei Fische stammen aus dem Wappen der Herren von Heringen. Schlägel und Eisen ist das traditionelle Bergmannssymbol. Es wurde im Jahre 2003 in das Wappen aufgenommen[5], da seit über einhundert Jahren Kalisalze abgebaut werden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 wurden die Partnerschaftsurkunden mit folgenden Städten unterzeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Grenzmahnmal Bodelsruh

Museen[Bearbeiten]

  • Werra-Kalibergbaumuseum

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Steinsalz-Abraumhalde „Monte Kali“ (Heringer „Wahrzeichen“)
  • Kirchenruine Walterskirche (des vermutlich im 15. Jahrhundert verlassenen Dorfes Waldradeberg)
  • Mahnmal Bodesruh (ursprünglich als Mahnmal zur deutschen Teilung errichtete Turmanlage)
  • Nachfolgebauten des Ritterguts der Vultejus
  • Burg Hornsberg - stauferzeitliche Burganlage auf der Landesgrenze zu Thüringen, nur geringe Reste erhalten

Parks[Bearbeiten]

  • Rohrlache und Säulingssee (Feuchtbiotope in der Werraaue)
  • Forstbotanischer Garten Herfa

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Wochenmarkt (jeden Donnerstag, vormittags)
  • Motorrad-Grasbahnrennen (jährlich am zweiten August-Wochenende)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Heringen ist an das überregionale Verkehrsnetz über verschiedene Landstraßen angeschlossen. Sie stellen vor allem die Verbindung an die Bundesstraße 62, die südwestlich an der Gemeinde vorbei führt, und die Bundesautobahn 4 her.

Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt durch die ÜWAG Bus GmbH mit der Linie 330 und 331.

Der Personenverkehr der Bahnstrecke Gerstungen–Vacha ist 1981 eingestellt worden. Lediglich der Güterverkehr zwischen Gerstungen und dem Standort Wintershall und dem Standort Hattorf (Philippsthal) des Werks "Werra" der K+S KALI GmbH besteht noch. Der Heringer Bahnhof wurde 1904 auf Drängen des Kaliwerks in Betrieb genommen. Vorher waren die Fertigprodukte mit Pferdewagen bis zum Bahnhof Gerstungen transportiert worden. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren auch Überlegungen angestellt worden, die Werra schiffbar zu machen, um den hohen Transportbedarf zu decken. So war in den 1930er Jahren der Bau eines Hafens in Heringen geplant.

Forschung/Entwicklung[Bearbeiten]

In Heringen wurde seit Mitte der 1970er Jahre die Erfindung der elektrostatischen Salz-Trennungsanlage (ESTA) erstmals verwirklicht und weiterentwickelt. Im deutschen Kalibergbau konnte nach Untersuchungen und Erfindungen des früheren Bergwerksdirektors Arno Singewald eine völlig neuartige, umweltschonende Aufbereitung der geförderten Salze eingeführt werden: Die Trennung der verschiedenen Salzbestandteile im geförderten Rohsalz erfolgt nicht mehr durch das Ausnutzen unterschiedlicher spezifischer Schwere in einer Flüssigkeit (Flotation), sondern durch Aufspaltung und Sortierung im elektrischen Feld aufgrund unterschiedlicher elektrostatischer Eigenschaften der verschiedenen Salzfraktionen. Durch die ESTA werden salzbelastete Abwässer vermieden. Diese Anlagen, die in den Kaliwerken an der Werra errichtet wurden, sorgten auch dafür, dass in den ehemals (durch DDR-Kaliwerke) völlig versalzenen Fluss wieder Leben einzog. Die Einführung des ESTA-Verfahrens erforderte allerdings das Anlegen einer großen Halde zur Ablagerung der nicht verwertbaren Teile des Rohsalzes. 1976 begann die Aufschüttung der Halde, die etwa 60 bis 70 Prozent der Fördermenge enthält.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • K+S Kali GmbH - Kalibergbau (größter Arbeitgeber im Landkreis)
  • Schwabenhaus GmbH + Co. KG - Fertighauswerk
  • Messer Industriemontagen & Apparatebau GmbH - Rohrleitungs- und Sonderstahlbau
  • E.ON Energy from Waste (Müllverbrennungsanlage)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Historisches Ortslexikon von Hessen
  3. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 396, 397 und 414.
  4. Bürgermeisterwahlen in Heringen. Eingesehen am 9 März 2010
  5. altes Wappen von Heringen altes Wappen der Stadt, vor 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heringen (Werra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien