Herkulesbrücke

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Koordinaten: 52° 30′ 20,6″ N, 13° 21′ 7,3″ O

Herkulesbrücke
Herkulesbrücke
Nutzung Straßenverkehr
Querung von

Landwehrkanal

Ort Tiergarten
Konstruktion Stahlbeton, Spannbeton
Gesamtlänge 32 m / 41 m
Breite 27 m / 30 m
Lichte Höhe 4,0 m
Fertigstellung 1950, Ergänzung 1964
Lage
Herkulesbrücke (Berlin)
Herkulesbrücke

Herkulesbrücke ist eine Bezeichnung, mit der nacheinander zwei Berliner Brücken an verschiedenen Standorten benannt worden sind. Der Name ist abgeleitet von den Skulpturen, die als Brückenschmuck dienten. Die vorhandene Herkulesbrücke im Ortsteil Tiergarten verbindet den Straßenzug Klingelhöfer Straße über den Landwehrkanal am Kanalkilometer 3,00 nach Süden mit dem Lützowplatz und den angeschlossenen getrennten Fahrbahnen der Schillstraße.

Die Brücke über den Königsgraben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Herkulesbrücke über den Königsgraben 1846 mit den Wohn- und Speichergebäuden der Speicher-Aktiengesellschaft, Gemälde von Eduard Gärtner
Seitenriss der Brücke über den Königsgraben
Abriss der Brücke 1890, rechts hinten der S-Bahnhof Börse

Der Königsgraben war Teil der Berliner Festungsanlagen, die schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts militärisch sinnlos geworden waren und ab 1735 schrittweise beseitigt wurden. Er mündete nahe der Westspitze der heutigen Museumsinsel in die Spree. An dieser Stelle verband seit 1749 eine hölzerne Brücke, die (Große) Pomerantzen, ab 1809 Neue Friedrichsbrücke oder Monbijoubrücke, das Kerngebiet Berlins über den Königsgraben hinweg mit dem Schloss Monbijou und mit der Spandauer Vorstadt (auch: Spandauer Viertel) außerhalb der alten Stadtgrenze. 1787/88 entstand anstelle der Holzbrücke eine steinerne Gewölbebrücke, etwa gleichzeitig mit mehreren anderen Schmuckbrücken im Berliner Stadtgebiet. Dieses zuweilen Simsonbrücke, meist aber Alte Friedrichsbrücke (1750) oder Herkulesbrücke[1] genannte Bauwerk war 26 m lang und 11,50 m breit,[2] der Entwurf stammte von dem Architekten Carl Gotthard Langhans. Die künstlerische Ausschmückung durch den Bildhauer Johann Gottfried Schadow war 1791 beendet.

Hauptelemente des plastischen Schmucks waren zwei überlebensgroße Sandstein-Skulpturen nach Motiven der griechischen Mythologie, die beiderseits über den Mittelpfeilern der Brücke platziert waren – Herkules im Kampf mit einem Kentauren, von Schadow entworfen und ausgeführt, und Herkules im Kampf mit dem nemeischen Löwen, nach einem Entwurf von Schadow von Conrad Nicolas Boy (1753–1793) ausgeführt. Vier Sphingen mit Putten und Laternen an den äußeren Endpunkten der Brücke sowie Reliefs mit der Darstellung Das Fell des Cerberus und einer Löwenhaut ergänzten den Brückenschmuck. 1875 begann der Bau der Berliner Stadtbahn zwischen dem heutigen Ostbahnhof und Charlottenburg. Die Grundstücke der ehemaligen Festungsanlagen konnten kostengünstig für den Verlauf der Trasse genutzt werden. Der Königsgraben wurde zugeschüttet, die zugehörigen Brücken verschwanden. Die Herkulesbrücke wurde 1890 abgebrochen, als unmittelbar daneben der S-Bahnhof Börse (heute Hackescher Markt) schon in Betrieb war. Der Brückenschmuck fand bei der neuen Herkulesbrücke über den Landwehrkanal Verwendung.

Die Brücke über den Landwehrkanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkulesbrücke über den Landwehrkanal 1900

Eine alte, hölzerne Klappbrücke über den Landwehrkanal aus dem Jahre 1850, die zuerst Moritzhof-, später Albrechtshofbrücke hieß, war 1889/90 durch eine Steingewölbekonstruktion ersetzt worden. Nachdem Schadows inzwischen schadhafte Figuren ausgebessert und 1891 hier aufgestellt worden waren, erhielt die neue Brücke nunmehr den Namen Herkulesbrücke. Sie überquerte den Kanal nördlich des Lützowplatzes im Verlauf eines Straßenzuges, der vom Großen Stern aus nach Süden führt (heute: Hofjägerallee, Klingelhöferstraße, Schillstraße, An der Urania). 1934 war der Zustand der Skulpturen so bedenklich geworden, dass sie in das Depot des Deutschen Museums verbracht wurden[3] und 1935 durch Kopien ersetzt werden mussten. Die Brücke wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges gesprengt, die meisten Skulpturen wurden dabei zerstört. Das Original der Gruppe Herkules im Kampf mit den Kentauren gilt seit dem Kriegsende als verschollen. Die Gruppe mit dem nemeischen Löwen erlitt Schäden, blieb jedoch erhalten, wurde restauriert und steht seit den 1990er Jahren im Köllnischen Park hinter dem Märkischen Museum.

Die zerstörte Brücke wurde 1950 durch eine dreispurige Stahlbetonbrücke ersetzt. 1962/64 entstand nur wenige Meter daneben als ebenfalls dreispurig befahrbare Gegenfahrbahn ein Spannbetonbau. Der völlig schmucklose Neubaukomplex heißt wie zuvor Herkulesbrücke. Direkt am Lützowplatz steht die Bronzeskulptur Herkules und der erymanthische Eber von Louis Tuaillon. Mit diesem Motiv wird eine gedankliche Verbindung zu dem früheren Brückenschmuck hergestellt, aber auch zu einem nicht mehr vorhandenen Herkulesbrunnen an dieser Stelle.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsches Technikmuseum Berlin, Zeitschrift der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin und der Freunde und Förderer des DTMB e. V., 4/2006.
  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 176
  • Borrmann: Die Hercules-Brücke in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 40 (1890), Sp. 1–6, Tafel 1. Digitalisat im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herkulesbrücke (Berlin-Tiergarten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Herkulesbrücke (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burgstraße. In: Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen, 1799, Straßendarstellungen, S. 2.
  2. Richard Borrmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Julius Springer, Berlin 1893, S. 383.
  3. Wissenswertes über die Stadt Berlin. In: Berliner Adreßbuch, 1936, Teil 3, S. 166 (Freistehende Bildwerke; Bezirk 2).
  4. Bild und Kurzbeschreibung des Herkules vom Lützowplatz abgerufen am 17. November 2009