Hermann Henselmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hermann Henselmann, 1952
Hermann Henselmann als Chefarchitekt in Ost-Berlin (im Bild links) zusammen mit Kurt Liebknecht (rechts), dem Präsidenten der Deutschen Bauakademie (DBA) und Edmund Collein, dem Vizepräsidenten der Akademie (Mitte) im Mai 1954 bei der zweiten öffentlichen Vollversammlung der DBA
Gedenktafel am Haus Marchlewskistraße 25a, in Berlin-Friedrichshain

Hermann Henselmann (* 3. Februar 1905 in Roßla; † 19. Januar 1995 in Berlin) war ein deutscher Architekt. Sein Wirken prägte Architektur und Städtebau in der DDR der 1950er und 1960er Jahre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Henselmann studierte nach einer Schreinerlehre an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Berlin, fand Arbeit in Architekturbüros und erhielt 1930 seinen ersten eigenständigen Auftrag. Die von ihm in den 1930er Jahren entworfenen Villen und Einfamilienhäuser sind Beispiele einer konsequenten Moderne. Nachdem er wegen jüdischer Vorfahren Schwierigkeiten mit den regierenden Nationalsozialisten bekam, musste er sein eigenes Büro aufgeben und wurde angestellter Architekt. Er lebte in den 30er Jahren einige Zeit mit seiner Familie in Wilhelmshorst bei Berlin.

Nach Kriegsende wurde Hermann Henselmann zuerst Stadtbaurat in Gotha und von 1946 an Direktor an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, dann ab 1949 Abteilungsleiter am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften, Berlin (DDR). Hier revidierte Henselmann Anfang der 1950er seine „modernistische“ Architekturauffassung und übernahm die Vorstellungen des Sozialistischen Realismus. Sein architektonischer Erfolg insbesondere im Zusammenhang mit dem Projekt Stalinallee führte 1953 zur Ernennung zum Chefarchitekten beim Magistrat von Groß-Berlin (bis 1959). Danach leitete er unterschiedliche Entwurfsbrigaden und von 1964 bis 1967 das Institut für Typenprojektierung (VEB), an dem er sich der industriell ausgerichteten Massenproduktion in der Wohnbebauung zuwandte. Bis 1972 war er stellvertretender Direktor des Instituts für Städtebau und Architektur der Bauakademie. 1972 wurde Hermann Henselmann pensioniert. Bis 1960 wohnte er mit Frau und acht Kindern in der 6. Etage des "Kinderkaufhauses" am Strausberger Platz in Berlin.[1]

Als eines seiner Hauptwerke gilt das von 1961 bis 1964 errichtete Ensemble aus dem zwölfgeschossigen Haus des Lehrers und dem Kuppelbau der Kongresshalle am Alexanderplatz.

Hermann Henselmann ist der Großvater der Schauspielerin Anne-Sophie Briest.

Hermann-Henselmann-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 100. Geburtstag von Hermann Henselmann wurde von seinem Sohn Andreas Henselmann Die Hermann-Henselmann-Stiftung errichtet. Sie widmet sich den Fragen der Architektur und des Städtebaus unter sozialen, ästhetischen und gesellschaftspolitischen Aspekten.[2]

Bauwerke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

von

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Henselmann: Reisen in Bekanntes und Unbekanntes. Berlin 1969.
  • Irene Henselmann, Hermann Henselmann: Das große Buch vom Bauen. Kinderbuchverlag, Berlin 1976.
  • Hermann Henselmann: Drei Reisen nach Berlin, der Lebenslauf und Lebenswandel eines deutschen Architekten im letzten Jahrhundert des zweiten Jahrtausends Henschelverlag, Berlin 1981.
  • Hermann Henselmann: Vom Himmel an das Reißbrett ziehen. Ausgewählte Aufsätze 1936 bis 1981. Baukünstler im Sozialismus. Verlag der Beeken, Berlin 1982, ISBN 3-922993-01-X.
  • Hermann Henselmann: Ich habe Vorschläge gemacht. Ernst und Sohn, Berlin 1995, ISBN 3-433-02872-9 (Aufsatzsammlung).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Hermann Henselmann. Architekt, Jahrgang 1905“, DEFA-Dokumentarfilm, 1986, Regie: Gunther Scholz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Henselmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/print-welt/article512774 Interview mit Irene Henselmann
  2. Hermann-Henselmann-Stiftung
  3. Mit Abbildungen der Villa Kenwin Villa Kenwin auf veronique-goel.net
  4. Niels Gutschow, "Ordnungswahn: Architekten planen im 'eingedeutschten Osten' 1939-1945" S. 35f
  5. Karin Bühner: Leben unter der Glasglocke eines politischen Denkmals. In der Neubauernsiedlung Großfurra-Neuheide sucht man Wege in die Zukunft. In: Thüringische Landeszeitung. 9. August 1990.