Hermann Hubacher

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Ganymed in Zürich

Hermann Hubacher (* 1. August 1885 in Biel; † 18. November 1976 in Zürich) war ein Schweizer Bildhauer und Plastiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Graveurs und Enkel des Graveurs, Fotografen, Landschaftszeichners und Zeichenlehrers Jakob Häuselmann[1][2] absolvierte zunächst ebenfalls eine Graveur-, Medaillen- und Goldschmiedeausbildung am Technikum in Biel. Nach Studienaufenthalten in Genf, München und Wien entschied er sich für die Bildhauerei.

Im Jahr 1912 heiratete er Anna Tscherter aus Biel. Ihre Mutter war die Malerin Louise Tscherter-Kuhn[3]. 1918 zog Hubacher mit der Familie nach Zürich, der Stadt mit einer lebhaften Kunstszene und Ausstellungsmöglichkeiten, im Gegensatz zu Bern, wo er zuerst wohnte und arbeitete. Einer der Treffpunkte war das Café Schneebeli am Limmatquai[4]. Hier trafen sich bildende Künstler, Literaten und Musiker, Sammler und Händler, es kamen emigrierte Franzosen, Deutsche und Italiener mit Schweizern zusammen.[5] Er lernte die vermögende und sehr kunstinteressierte Familie Reinhart aus Winterthur kennen, zum gleichaltrigen Oskar Reinhart entstand ein intensiver und lebenslanger enger Freundeskontakt.

Ausser zahlreichen Aufenthalten in Paris und Fahrten zu verschiedenen Orten in Europa führten ihn drei grössere Reisen, zusammen mit dem Winterthurer Sammler und Mäzen Georg Reinhart, 1922 nach Italien, 1927 nach England und 1929 nach Ägypten. In welcher Weise ihn diese Erfahrungen auch als Künstler prägten, davon zeugen seine Schriften, Tagebücher und Briefe an die Familie und Freunde. Im hohen Alter durfte er zum ersten Mal Griechenland bereisen, was den glühenden Verehrer der griechischen Klassik besonders beeindruckte.

Hubachers bevorzugtes Motiv war die menschliche Gestalt. Wie begehrt seine Porträts unter Zeitgenossen waren, belegen die gegen 100 verzeichneten Büsten. Ebenso erfolgreich war er als Plastiker mit zahlreichen Figuren im öffentlichen Raum[6]. Sein Œuvre umfasst gemäss Werk-Verzeichnis[7] nahezu 400 Skulpturen, nebst Graphiken, Zeichnungen und Aquarellen.

Über die Reiseerlebnisse und über seine künstlerische Arbeit teilte sich Hubacher immer wieder auch publizistisch mit, sei es mit Beiträgen in der NZZ oder in Buchform. Er war in der klassischen Literatur sehr belesen, unter anderen auch mit Hermann Hesse eng befreundet.

Hermann Hubacher war Mitglied der Gleyre-Stiftung und der Gottfried Keller-Stiftung, von 1926 bis 1929 der Eidgenössischen Kunstkommission und zeitweilig deren Präsident, von 1951 bis 1969 Rat der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur, sowie langjähriger Präsident der Stiftung Pro Arte[8]. Die Stadt Zürich ehrte ihn 1944 mit dem ersten Kunstpreis, die Universität Zürich 1945 mit dem Ehrendoktor. Er war bis ins hohe Alter ein begnadeter Erzähler mit einem hervorragenden Gedächtnis.

Er fand auf dem Friedhof Enzenbühl seine letzte Ruhestätte. Sein Nachlass, der auch zahlreiche Dokumente seiner Vorfahren enthält, befindet sich seit 2019 in der Zentralbibliothek Zürich.[9]

Hubachers Sohn war der Architekt Hans Hubacher.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bronzeplastik Die Lauschende zum Andenken an Johannes Brahms, Standort: Brahmsquai Thun. Die populäre Figur wird im Volksmund als "Brahmsrösi"[10] bezeichnet.
  • Büste Ludwig van Beethoven, 1905, (Terracotta?), Standort unbekannt.[11]
  • Büste Italienerin, 1916, Kunststein, Privatsammlung.[12]
  • Relief zum Gedenken an den 150. Geburtstag von Gottlieb Jakob Kuhn, 1925, Bronze, Sigriswil.[13]
  • Bronzeplastik Zwei sitzende Frauenfiguren von 1929 auf dem Grabmal von Eugen Huber auf dem Bremgartenfriedhof
  • Sitzende beim Zürichhorn
    Büste Heinrich Wölfflin, 1945, Bronze, Universitäten Zürich und Basel. Vorstudien in Ton und in Gips bemalt.
  • Figurengruppe Ganymed, 1946–1952, Bronze, Bürkliterrasse, Zürich.
  • Büste Traumgesicht des Pan, 1947, Bronze, Terracotta, Gips bemalt, Kunstmuseum Bern und Privatsammlungen.
  • Figur Ruhendes Mädchen, 1944/1949, Giallo perlato (Marmor), Museum Oskar Reinhart Am Stadtgarten, Winterthur.
  • Figur Badende II, 1951, Bronze. Sammlung Werner Bär, Zürich.36-9
  • Figur Sich kämmendes Mädchen, 1955, Bronze, Rittermatten-Anlage, Biel.

Weitere Abbildungen siehe Weblink unten: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften (Sikart).

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1938 XXI. Biennale di Venezia: Premio internazionale di sculptura.
  • 1944 Zürich: Kunstpreis der Stadt[18].
  • 1945 Ehrendoktor der Universität Zürich.
  • 1955 Biel: Kunstpreis der Stadt.
  • 1960 Galleria d’Arte Moderna, Firenze: Premio del Fiorino.
  • 1965 Ehrenmitglied der GSMBA.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Fierens: Hermann Hubacher. Paris 1932.
  • Emil Schaeffer: Hermann Hubacher. Basel 1935.
  • Hermann Hubacher: Aus meiner Werkstatt. Zürich 1944.
  • Hermann Hubacher: Rodin (Monographie). Zürich 1949.
  • Gotthard Jedlicka: Ganymed. Weinfelden o. J.
  • Emil Staiger: Der Bildhauer Hermann Hubacher. Zürich 1965.
  • Hans Hubacher: Der Bildhauer Hermann Hubacher. Werk-Verzeichnis. Zürich 2004.
  • Hermann Hesse: Der Klang der Trommeln. Briefwechsel mit Hermann Hubacher. Zürich 2011.
  • Stefan Haenni; Brahmsrösi. Gmeiner Verlag 2010. ISBN 978-3-8392-1036-9. (Der Titel bezieht sich auf Hermann Hubachers Bronzeplastik Die Lauschende am Brahmsquai in Thun.)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften: Jakob Häuselmann. Abgerufen am 16. April 2020.
  2. Fotostiftung Schweiz: Jakob Häuselmann. Abgerufen am 16. April 2020.
  3. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften: Louise Tscherter-Kuhn. Abgerufen am 16. April 2020.
  4. Hermann Hubacher: Warum ich in Zürich lebe. In: Zürcher Illustrierte. 9. Jahrgang, Nr. 14, 1933, S. 437 (e-periodica.ch [abgerufen am 29. Oktober 2019]).
  5. Hermann Hubacher: Aus meiner Werkstatt. Zürich 1944, S. 12.
  6. Ulrich Christoffel: Hermann Hubacher. In: Das Werk. 43. Jahrgang, Heft 8, 1956, S. 262–268 (e-periodica.ch [abgerufen am 29. Oktober 2019]).
  7. Hans Hubacher: Der Bildhauer Hermann Hubacher. Werk-Verzeichnis. Zürich 2004.
  8. Schweizerische Eidgenossenschaft: Bundesamt für Kultur: Kulturfonds. Abgerufen am 15. April 2020.
  9. Zentralbibliothek Zürich: ZBcollections: Nachlass Hermann Hubacher. Abgerufen am 15. April 2020.
  10. Stefan Haenni: "Brahmsrösi" - Ein Musikkrimi, 2010, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-1036-9.
  11. M.W.: Zu H. Hubachers Beethovenbüste. In: Die Schweiz. Band 11, 1907, S. 112. Abgerufen am 15. April 2020.
  12. M.W.: Zum Schweizerischen Turnus 1916. In: Die Schweiz. Band 20, 1916, S. 603. Abgerufen am 15. April 2020.
  13. Adolf Schaer: Geschichte unterwegs (Heimatkundliches aus Sigriswil). In: Die Berner Woche. Band 17, 1927, Heft 5, S. 66. Abgerufen am 15. April 2020.
  14. Maison Devambez
  15. Musée de l’Athénée: Website des Museums. Abgerufen am 15. April 2020.
  16. Johannes Widmer: Hermann Hubachers Plastiken im Athäneum. In: Das Werk. 16. Jahrgang, Heft 6, 1929, S. 161 (e-periodica.ch [abgerufen am 16. April 2020]).
  17. Georges Petit
  18. Zürich: Präsidialdepartement: Liste der Preisträger. Abgerufen am 15. April 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hermann Hubacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien