Hermann Jacobi

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Hermann Georg Jacobi (* 11. Februar 1850 in Köln; † 19. Oktober 1937 in Bonn) war ein deutscher Indologe, der bedeutende Beiträge zur Erforschung des Jainismus, der indischen Astronomie und Philosophie leistete.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jacobi war der Sohn von Otto Fritz Jacobi aus Mühlenberg. Er studierte eine Zeit lang Mathematik in Berlin, wechselte jedoch schon bald in die Fächer Indologie und Vergleichende Sprachwissenschaft über. 1869 wurde er Mitglied des Corps Teutonia Bonn.[1] In seiner Dissertation (1872) beschäftigte er sich einem Thema der indischen Astrologie. 1885 wurde er Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 1889 an der Universität Bonn, wo er 1922 emeritiert wurde.

1873–74 besuchte Jacobi Indien und reiste mit Georg Bühler durch Rajasthan, wo Bühler seltene Manuskripte aufspürte. Eine zweite Indienreise folgte 1913–14 auf Einladung der Universität Kalkutta, wo er Vorlesungen über die indische Poesie hielt.

Jacobi gab zahlreiche jainistische Texte heraus, übersetzte und kommentierte sie. Sein Titel „Ausgewählte Erzählungen in Maharashtri“ mit Grammatik und Glossar gilt als richtungweisende Veröffentlichung für Prakrit-Studien. In einer Studie über die Datierung der Hymnen des Rig Veda, veröffentlicht in einer Festschrift für Rudolph von Roth, gelangte er aufgrund astronomischer Berechnungen zu einer Zeit um 4500 v. Chr. Später griff er dasselbe Thema noch einmal auf und publizierte 1908 einen Artikel über das Alter der vedischen Kultur im Journal of the Royal Asiatic Society, der eine große Kontroverse auslöste.

Tatsächlich befand sich Jacobi mit seinen Forschungen im Widerspruch zur herkömmlichen Lehre der Indologie, welche besagt, dass die Veden erst nach der „arischen Einwanderung“ in Indien (erste Hälfte des zweiten Jahrtausends) entstanden seien. Jacobis Erkenntnisse sind heute wieder aktuell, da er der einzige renommierte westliche Indologe ist, der für eine sehr frühe Datierung der Veden eintrat und sich somit im Einklang mit Vertretern der heutigen Out-of-India-Theorie befindet, die bei ihren Ansätzen zum Teil ebenfalls bis ins 5. Jahrtausend zurückgehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichte Jacobi noch eine Reihe von Studien zu den Epen, zu Poesie und Ästhetik, Samkhya, Yoga und Buddhismus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 15, 258

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Zwei Jainastotras (1876)
  • Ausgewählte Erzählungen in Maharashtri (1886)
  • The Computation of Hindu Dates in the Inscriptions (1892)
  • Das Ramayana, Geschichte und Inhalt nebst Concordanz nach den gedruckten Rezensionen (1893)
  • Compositum und Nebensatz, Studien über die indogermanische Sprachentwicklung (1897)
  • On the Antiquity of Vedic Culture (1908)
  • Die Entwicklung der Gottesidee bei den Indern und deren Beweise für das Dasein Gottes (1923)
  • Über das ursprüngliche Yogasystem (1929 / 1930)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]