Hermann Kletke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dr. Hermann Kletke 1877 [1]

Hermann Kletke (* 14. März 1813 in Breslau; † 2. Mai 1886 in Berlin) war ein deutscher Lyriker, Schriftsteller und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Kletke war der Sohn eines Breslauer Rechtsanwalts. Schon als Gymnasiast dichtete er und war gelegentlicher Mitarbeiter Breslauer Zeitungen. Er studierte an der Universität Breslau und wurde zum Doktor der Philosophie promoviert. Ab 1832 war er Mitglied des Corps Borussia Breslau.[2] Vorübergehend hielt er sich in Wien auf, wo er zum Freundeskreis von Nikolaus Lenau gehörte. Von der österreichischen Zensur vertrieben, ging er nach Berlin, wo ihn Eduard Hitzig in den Montagsclub einführte.

Der Musikkritiker Ludwig Rellstab empfahl Kletke 1838 der Vossischen Zeitung. Bei diesem wohl wichtigsten Blatt des Berliner Bürgertums wurde Kletke zunächst Redakteur, 1849 zusammen mit Otto Lindner Gestalter des politischen Hauptteils. Von 1867 bis 1880 war Kletke Chefredakteur der Zeitung. Danach übergab er die Leitung an Friedrich Stephany, blieb aber bis einen Tag vor seinem Tod am 2. Mai 1886 nominell Redaktionsmitglied. In seinen letzten Arbeitsjahren widmete sich Kletke vor allem der Sonntagsbeilage.

Als Jugendschriftsteller sorgte Kletke vor allem dafür, dass ältere Stoffe der deutschen und der klassischen Dichtung jungen Lesern in Prosafassungen zugänglich gemacht wurden. Mit seinen Märchen am Kamin lieferte er ein Pendant zu der damals erfolgreichsten Märchensammlung von Richard Volkmann-Leander, den Träumereien an französischen Kaminen (1871). In der Herderschen Tradition steht Kletkes Sammlung Märchensaal der Völker (1844/1845), die ebenso wie seine Bearbeitung der Rübezahl-Sagen (1882) Eigenarten von Kletkes schlesischer Heimat festhält. Eine vielsprachige Kulturenmischung war Kletkes Wunschbild.

Als Herausgeber tat sich Kletke vor allem mit Geistliche Blumenlese aus deutschen Dichtern (1839), Buch der Reisen (1852) und der Sammlung Natur- und Sittenbilder (1861) hervor.

Als liberaler Denker und meinungsbildender Publizist war Kletke ein vielgefragter Gesprächs- und Briefpartner. Sein langjähriger Kontakt zu Theodor Fontane ist aufgrund der Edition ihrer Korrespondenz (1969) als Zeitdokument von Bedeutung.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedichte, 1836
  • Worte der Liebe und des Trostes (Gedichte), 1837
  • Deutscher Liederschatz in alten und neuen Liedern, 1839
  • Almanach deutscher Volksmärchen, 1840
  • Die Bürgerverschwörung zu Breslau, Novelle, 1840
  • Die Royalisten in der Vendée, Novelle, 1840
  • Phantasus, 1841 (mit dem Weihnachtslied „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“)
  • Die Savoyardenkinder (Erzählung), 1841
  • Der Großmutter Abenderzählungen, 1841
  • Geistliche Blumenlese aus deutschen Dichtern, 1841
  • Deutsche Fabeln des 18. und 19. Jahrhunderts, 1841
  • Almanach deutscher Volks- und Kindermärchen, 1841
  • Auswahl epischer Gedichte für Schule und Haus, 1842
  • Lieder und Bilder aus dem Kinderleben, 1842
  • Spinnstube, 1842
  • Liedermärchen, 1843
  • Album deutscher Dichter, 1843
  • Album der Liebe und Freundschaft, 1844
  • Der Kinderkreuzzug, 1844
  • Märchensaal, 3 Bde., 1844/1845
  • Handbuch zur Geschichte der neueren deutschen Literatur, 1845
  • Kinderlieder, 1846
  • Deutsche Geschichte in Liedern, Romanzen und Balladen deutscher Dichter, 1846
  • Deutsche Kindermärchen, in Reime gebracht, 1849
  • Das goldene Buch, 2 Bde., 1849
  • Dichtergarten für die deutsche Jugend, 2 Bde., 1850/1851
  • Deutscher Liederfreund für Schule und Haus, 2 Bde. (mit E. Pax), 1850
  • Preußens Ehrenspiegel (mit Adolf Müller), 1851
  • Märchen meiner Großmutter, 1851
  • Das Buch vom Rübezahl, 1852
  • Gedichte, 1852
  • Das Buch der Reisen, 1852
  • Neues Buch der Reisen, 1853
  • Die Tierwelt in Jagdszenen und Charakterbildern, 1853
  • Deutschlands Dichterinnen, 1854
  • Walhalla (Deutschlands Dichter des 18. und 19. Jahrhunderts), 1854
  • Bilder aus dem Weltall, 1854
  • Alexander von Humboldt. Reisen in Amerika und Asien. Eine Darstellung seiner wichtigsten Forschungen, 1854–1856
  • Neue Reisebilder, 1855
  • Bilder und Skizzen aus der Geschichte, 1856
  • Skizzenbuch, 1856
  • Lied und Spruch, 1857
  • Panorama, 1857
  • Jakob und sein Vetter, 1857
  • Prinzess Tausendschön, 1858
  • Deutschlands Krieges- und Siegesjahre 1809-15 im Lied deutscher Dichter, 1859
  • Neues Skizzenbuch, 1859
  • Ausgewählte Briefe deutscher Männer und deutscher Frauen, 1860
  • Neue historische Bilder, 1860
  • Länder und Völker, 1860
  • Natur- und Sittenbilder, 1861
  • Ein Märchenbuch, 1864
  • Alexander von Humboldt. Reisen in Amerika und Asien. Eine Darstellung seiner wichtigsten Forschungen, 1854–1856
  • Die drei Könige von Jerusalem, 1868
  • Kreuz und Halbmond, 1868
  • Ein neues Märchenbuch, 1869
  • Märchen am Kamin, 1873
  • Gedichte (Gesamtausgabe), 1873
  • Buntes Leben, gesammelte Erzählungen für die Jugend 1878
  • Die Kinderwelt in Märchen und Liedern, 1881
  • Kinderlieder (Gesamtausgabe), 1882

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Namenlose Blätter“, Illustrierte Zeitung für Kunst, Literatur und Unterhaltung, Nr. 16, 1877.
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 29, 180.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Kletke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien