Hermann Knoflacher

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Hermann Knoflacher (in der Mitte) und Heiner Monheim (links) während des 18. Bundesweiten Umwelt- und Verkehrskongress BUVKO an der Universität Trier am 19. März 2011

Hermann Knoflacher (* 21. September 1940 in Villach, Kärnten) ist ein österreichischer Zivilingenieur. Er ist Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien.

Leben, Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knoflacher studierte Bauingenieurwesen, Vermessungswesen und Mathematik an der TU Wien. Er ist seit 1975 Professor an der Technischen Universität Wien und war seit 1985 Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik.[1] Seine Lehrschwerpunkte sind Raum- und Stadtplanung sowie Einflüsse der Mobilität. Seine Thesen stellen einen wesentlichen Beitrag zum Konzept der Sanften Mobilität dar. Seit 1982 ist Knoflacher Leiter des Institutes für Verkehrswesen im Kuratorium für Verkehrssicherheit Wien, seit 1993 ist er ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste,[2] seit 2004 ist Knoflacher Präsident des Club of Vienna. Außerdem ist er Mitglied des Club of Budapest und globaler Fußgehervertreter der Vereinten Nationen. Seit 2004 ist Knoflacher auch Vorsitzender des Fahrgastbeirats der Wiener Linien. Hermann Knoflacher schreibt die Umwelt-Kolumne in der auflagenstarken österreichischen Wochenzeitung Die ganze Woche.

Hermann Knoflacher wurde vom Veranstalter für die Verkehrsplanung für die Olympischen Winterspiele im Februar 2014 beigezogen.

2017 wurde er mit dem Würdigungspreis des Kulturpreises des Landes Kärnten ausgezeichnet.[3]

Kritik an der automobilen Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Knoflacher in seinem als Karikatur des enormen Platzbedarfs des motorisierten Individualverkehrs konstruierten Gehzeug

Bekannt ist Knoflacher für seine Kritik am Automobil und seinen Folgen für die Umwelt des Menschen.[4] Das Auto ist für Knoflacher „wie ein Virus“:

„Wir ziehen uns mehr oder weniger freiwillig in abgedichtete Häuser mit Lärmschutzfenstern zurück, um den Außenraum dem Krach, dem Staub und den Abgasen der Autos zu überlassen.“

Hermann Knoflacher im Zeit-Interview[5]

Um die Problematik unseres Verkehrswesens aufzuzeigen, entwickelte er 1975 das „Gehzeug“. Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen, den sich Fußgänger umhängen können, um dieselbe Fläche wie PKW-Fahrer in Anspruch zu nehmen. Es wird vor allem in Österreich in Demonstrationen gegen den Autoverkehr eingesetzt und verbildlicht die auch von Knoflacher formulierte Kritik an der Irrationalität des Straßenverkehrs, vor allem des städtischen, und an dessen relativ hohem Platzbedarf.[6][7]

Auswirkungen, Konflikt mit Umweltzielen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Interviews mit dem Spiegel[8] und der ARD[9] gab Knoflacher an, Maßnahmen gegen den Autoverkehr initiiert zu haben, welche die Bevorzugung desselben in Frage stellen und teilweise beseitigen sollten. Ein Auto dürfe laut Knoflacher nicht mehr Platz verbrauchen, als andere Verkehrsteilnehmer auch. Tatsächlich sei es aber ein Vielfaches. Weiter behauptete er, Parkraum sei in Städten subventioniert und damit zu günstig. Durch bauliche Hindernisse wurden Autofahrer gezwungen, hinter öffentlichen Verkehrsmitteln an Haltestellen zu warten. Der öffentliche Verkehr sollte das Tempo bestimmen und das des Autoverkehrs künstlich darauf reduziert werden.

Ebenso gab es unter Knoflacher bewusst geplante Staus und an Ampeln rote statt grüner Wellen. Durch die gehäuften Brems- und Beschleunigungsvorgänge, Wartezeiten im Leerlauf und sehr niedrigen Geschwindigkeiten steigen Schadstoffausstoß, Kraftstoffverbrauch und Lärm deutlich an.[10][11]

Knoflacher wurde von ÖVP, FPÖ und dem ÖAMTC für die von ihm umgesetzten Verschlechterungen für den motorisierten Individualverkehr heftig kritisiert.[12][13]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite des Instituts für Verkehrswissenschaften an der TU Wien
  2. Donau Universität Krems: Porträt o.Univ.-Prof. DI Dr. Hermann Knoflacher
  3. orf.at: Literatur-Landeskulturpreis für Peter Turrini. Artikel vom 14. Dezember 2017, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  4. Raus aus der Autofalle!. In: Die Presse, 5. April 2013.
  5. „Das Auto macht uns total verrückt“ (13. September 2007)
  6. Der Mensch in der Falle, in: Der Spiegel, Ausgabe 9/1997, S. 19.
  7. Was war da los, Herr Knoflacher, in: Der Spiegel, Ausgabe 1/2010, S. 44.
  8. "Manche Autofahrer haben geschrien, vor Verzweiflung", in: Der Spiegel, Ausgabe 10/2018
  9. Stauplanung richtig, ARD Wien, 16.4.2018
  10. Heinz Steven Fachtagung Tempo 30 - Chancen, Hindernisse, Erfahrungen Arbeitsring Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik, 8.11.2012
  11. Günter Murr Dicke Luft durch Tempo 30, Frankfurter Neue Presse, 2.9.2016
  12. Josef Gebhard Haben Stau erzeugt, kurier.at, abgerufen 19.8.2018
  13. Wiener Verkehrsplaner: "Autofahrer kein Mensch", oe24.at, abgerufen 19.8.2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]