Hermann Naumann

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Hermann Naumann (* 14. Februar 1930 in Kötzschenbroda, heute Radebeul) ist ein deutscher Grafiker und Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studenten beim Studium, 1956 (Detail)

Naumann ging 1946 in die Lehre als Steinmetz bei einem Friedhofbildhauer und erhielt im gleichen Jahr eine Privatausbildung zum Plastiker bei Burkhart Ebe. Die erste Plastik Portrait Mein Vater entstand zu dieser Zeit. Von 1947 bis 1949 folgte eine Bildhauerlehre bei Herbert Volwahsen, der ihn in sein Atelier in Loschwitz aufnahm. Im Jahr 1950 wurde Naumann im Alter von 20 Jahren als jüngster Schüler in den Verband Bildender Künstler Deutschlands aufgenommen. Ab 1950 war Naumann freischaffend in Dresden tätig. Als Künstler, der sich gegen die offizielle Kulturpolitik des Staates wandte, wurde er unter anderem von Werner Scheffel gefördert, der Werke Naumanns für die TH Dresden kaufte. Auch die Aufträge für Reliefgestaltungen am Studentenwohnheim Fritz-Löffler-Straße 16 und dem Studentenwohnheim Hoyerswerdaer Straße erhielt Naumann von der TH bzw. TU Dresden.[1] Naumann lebte und arbeitete ab 1950 im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz. Erst 1994 zog er nach Dittersbach in das „Künstlerhaus Hofmannsches Gut“, wo er seitdem lebt und arbeitet.

Von 1950 bis 1977 war Naumann mit der Bildhauerin Ursula Naumann, geb. Stöhr (* 1921) verheiratet. Der Ehe entstammen vier Kinder. Im Jahr 1991 heiratete Naumann Helga Luzens, die seit 1971 Modell für viele seiner Zeichnungen und Plastiken gestanden hatte.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab des Künstlers Ernst Hassebrauk auf dem Loschwitzer Friedhof. Grabgestaltung von Hermann Naumann, 1975

Naumann begann als Bildhauer zunächst mit naturalistischen Darstellungen. Es entstanden Werke wie Portrait mein Vater (1946) oder Portraitstatuette Angela (1953). Unter dem Einfluss Karl Albikers und Richard Scheibes hin zu Ernst Barlach fand er schon während der Ausbildung bei Volwahsen zur abstrakten Darstellung auf der Basis geometrischer Figuren, die er in den folgenden Jahren autodidaktisch weiterentwickelte. Er arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, so in Gips, gefärbtem Zement, Keramik, Sandstein und seit 1969 in Stahl. Zudem schuf er im Auftrag Sandsteinreliefs an Dresdner Gebäuden.

Naumann ist einer der wenigen Grafiker, die die aus der Renaissance stammende Technik des Punzenstichs beherrschen, mit der er sich seit 1950 beschäftigt.[2] Zahlreiche seiner Werke wurden seit 1960 als Buchillustrationen, unter anderem vom Verlag Phillip Reclam Jr. in Leipzig, verwendet.

Werke Naumanns befinden sich heute im Besitz unter anderem des Solomon R. Guggenheim Museums in New York und der Galerie Neue Meister, des Kupferstichkabinetts und der Skulpturensammlung in Dresden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulpturen und Reliefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erker Szenen aus dem Leben des Fürsten Putjatin, 1962

Buchillustrationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Böll: Erzählungen. 10 Holzschnitte. Union, Berlin 1961.
  • Luis de Góngora y Argote: Soledades. Kassette mit 11 signierten und nummerierten Lithographien, vierseitigem Begleittext und eingelassenem Buch in Halbpergament. Claassen Verlag, Hamburg/Düsseldorf, 1969.
  • Hubert Witt: Meine jüdischen Augen. 13 Punzenstiche. Philipp Reclam Jun., Leipzig 1969.
  • Max Dauthendey: Keine Wolke stille hält. 28 Farbholzschnitte. Union, Berlin 1970.
  • Knut Hamsun: Pan. 10 Radierungen. Philipp Reclam Jun., Leipzig 1979.
  • Franz Kafka: Betrachtung. 18 Steinzeichnungen. Philipp Reclam Jun., Leipzig 1986.
  • Gerhart Hauptmann: Glossen zum alten Testament. Lithografien und Handzeichnungen/Aquarelle, Sonderausgabe. Verlag Faber & Faber, Leipzig 1997.
  • Fjodor Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte. 33 Illustrationen. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grafik-Preis der CDU (3. Preis für Zyklen) für die Illustrationen zu Tewjes, der Milchhändler (1960)
  • Auszeichnung „Schönste Bücher der DDR“ für Meine jüdischen Augen mit 14 Punzenstichen Hermann Naumanns (1969)[3]
  • Auszeichnung „Schönste Bücher der DDR“ für Arthur Rimbaud: Gedichte mit 8 Punzenstichen und 10 Radierungen Hermann Naumanns (1976). Reclam, Leipzig
  • Ehrendoktorwürde der Accademia Italia delle Arti e del Lavoro (1987)

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marion Rasche (Regie): Der Maler Hermann Naumann. Dokumentarfilm, Defa-Studio, Dresden 1990.
  • Joachim Richter: Hermann Naumann zum 80. In: Radebeuler Monatshefte e. V. (Hrsg.): Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. März 2010 (Mit einem Foto des Künstlers).
  • Ortsverein Loschwitz-Wachwitz (Hrsg.): Künstler am Dresdner Elbhang. Band 1. Elbhang-Kurier-Verlag, Dresden 1999, S. 118.
  • Horst Zimmermann: Der Bildhauer Hermann Naumann. In: Hermann Naumann. Skulptur 2000. Katalog mit Werkverzeichnis. Quandt-Verein zur Förderung der Künste, Dittersbach 2000, S. 7–21.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simone Simpson: Zwischen Kulturauftrag und künstlerischer Autonomie. Dresdner Plastik der 1950er und 1960er Jahre. Böhlau, Köln et al. 2010, S. 32.
  2. Hermann Naumann
  3. Jiddische Dichtung aus Polen, übertragen und zusammengestellt von Hubert Witt. Reclam, Leipzig.