Hermann Staub

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Hermann Staub: Porträt im Nachruf 1904

Hermann Staub (* 21. März 1856 als Samuel Staub in Nicolai, Kreis Pleß; † 2. September 1904 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt und Rechtspublizist. Er war Begründer der Lehren von der positiven Vertragsverletzung sowie vom Scheinkaufmann.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staub stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen in Oberschlesien. Nach dem Abitur studierte er zunächst vier Semester Rechtswissenschaften in Breslau, wechselte von Oktober 1876 bis Mai 1877 an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, schloss das Studium dann in Breslau ab und war ab November 1877 Referendar am Appellationsgericht Ratibor. 1882 bestand er das Assessorexamen mit der Note „gut“ und ließ sich danach als Anwalt in Berlin nieder.

Bereits ab Beginn des Studiums verwendete er seinen ursprünglichen Vornamen Samuel nicht weiter und vollzog den Namenswechsel zu Hermann, eine damals nicht unübliche Vorkehrung zur Verminderung antisemitischer Diskriminierung. Einen Übertritt vom jüdischen zum christlichen Glauben lehnte er jedoch ab und vergab damit seine Chance auf eine Berufung zum Professor an der Berliner Universität.

Staub verstarb 1904 an einem Krebsleiden. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staub veröffentlichte 1893 beim Verlag J. J. Heines Berlin einen Kommentar zum Handelsgesetzbuch, der rasch hohe Bedeutung in der Rechtspraxis erlangte. Er begründete darin die Methode, die einzelnen Paragraphen in systematisierter Form darzustellen, anstatt sie wie bis dahin üblich Wort für Wort zu annotieren. Staub selbst führte diese Technik nach der Überlieferung seines Schwagers Arthur Schindler auf die jüdische Darstellungsweise der talmudischen Lehre zurück, weshalb der Ansatz auch als „talmudische Methode“ bezeichnet wird. Zeitgenossen wie Paul Laband und Max Hachenburg bewerteten Staubs Kommentarstil als für spätere Werke wegweisend und in der Ausführung unübertroffen.[1]

Bis 1933 erreichte Staubs HGB-Kommentar – mittlerweile bei Guttentag bzw. de Gruyter verlegt – vierzehn Auflagen. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Einfluss jüdischer Rechtswissenschaftler bekämpft, weshalb sich der Verlag bemühte, den Kommentar als eine „Arbeit von deutschem Geiste“ darzustellen und nicht mehr mit dem Namen Staub in Verbindung zu bringen. Die Neuauflage erschien darum 19401943 in neuer Zählung und „herausgegeben von Mitgliedern des Reichsgerichts“.[2] Die 19501963 erschienene 2. Auflage knüpft im Vorwort an Staubs Leistungen an. Seit der 4. Auflage 1982 erscheint das Werk wieder unter seinem Namen als Großkommentar beim Verlag Walter de Gruyter.

Neben dem HGB-Kommentar begründete Staub auch eine Kommentierung zum GmbH-Gesetz, welche 1903 erstmals erschien und nach seinem Tod von Max Hachenburg fortgeführt wurde.

Ab Januar 1896 war Staub Mitbegründer und Mitherausgeber der Deutschen Juristenzeitung.

In der Festschrift zum Deutschen Juristentag im Jahr 1902 veröffentlichte Staub einen Aufsatz über „Die positiven Vertragsverletzungen und ihre Rechtsfolgen“ und adressierte damit Regelungslücken im Bürgerlichen Gesetzbuch. Er prägte damit den Rechtsbegriff und die Rechtsfigur der positiven Vertragsverletzung. Begriff und Figur fanden nach umfassenden Kontroversen Eingang in die Rechtsprechung. Bei der Schuldrechtsreform 2002 wurde die positive Vertragsverletzung als Pflichtverletzung schließlich auch gesetzgeberisch berücksichtigt.

Ebenso war Staub Begründer der Lehre vom Scheinkaufmann, die heute eine gewohnheitsrechtliche Anerkennung findet.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kommentar zum Handelsgesetzbuch. 2 Bände. 6. und 7. Auflage. Heines, Berlin 1900 (digitalisierte Ausgabe: urn:nbn:de:s2w-7634).
  • Kommentar zum Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Guttentag, Berlin 1903 (digitalisierte Ausgabe: urn:nbn:de:s2w-7616).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Kästle-Lamparter: Welt der Kommentare: Struktur, Funktion und Stellenwert juristischer Kommentare in Geschichte und Gegenwart. Mohr Siebeck, 2016, ISBN 978-3-16-154142-1, S. 226–228 (google.de [abgerufen am 27. Februar 2019]).
  2. Angelika Königseder: Walter de Gruyter: Ein Wissenschaftsverlag im Nationalsozialismus. Mohr Siebeck, 2016, ISBN 978-3-16-154393-7, S. 191–193 (google.de [abgerufen am 27. Februar 2019]).
  3. Staub: Kommentar zum Handelsgesetzbuch, Erster Band, 6. Aufl., Berlin 1900, Exkurs zu § 5, Anm. 1.