Hermann Struck (Maler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hermann Struck (1916)

Hermann Struck (mit hebräischem Namen Chaim Aharon ben David; * 6. März 1876 in Berlin; † 11. Januar 1944 in Haifa) war ein deutsch-jüdischer Zeichner, Maler, Radierer und Lithograf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Struck, Sohn des Berliner Kaufmanns David Struck und der Henriette Hanff, erhielt seine Ausbildung an der Berliner Kunstakademie, die er mit Bravour bestand. Struck wurde ein angesehener Zeichner, Lithograf und Radierer in der Berliner Gesellschaft in den Zeiten um die Jahrhundertwende. Sein Name findet sich bereits 1906 im Mitgliederverzeichnis des Deutschen Künstlerbundes.[1] Es ließen sich nicht nur viele Künstler bei ihm in den Feinheiten seiner Künste unterrichten, sondern er war auch ein oft konsultierter Ratgeber in vielen künstlerischen und gesellschaftlichen Fragen. Für die vielen Besuche von Künstlern, Dichtern, Theaterleuten, Musikern, Journalisten, Wissenschaftlern und auch Rabbinern ließ er sich eigene Gesprächsräume in seinem Atelier einrichten.

Während des Ersten Weltkriegs diente er als Referent für Jüdische Angelegenheiten beim Oberkommando Ost[2] der deutschen Armee in denjenigen Teilen des Russischen Reiches, die nun Polen, Litauen, Lettland und Weißrussland sind. Aus einer Begegnung mit Arnold Zweig in Litauen (1915) entstand das Buch Das ostjüdische Antlitz. In regem Austausch war er mit dem Künstlerkollegen Ernst Oppler, im Nachlass sind insgesamt 43 Briefe erhalten.

Als orthodoxer Jude und engagierter Zionist gehörte er zu den Gründern der Misrachi-Bewegung des religiösen Zionismus. Nach einem ersten Besuch in Palästina 1903 emigrierte er 1923 nach Palästina, wurde Mitglied der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem und half bei der Gründung des Tel Aviv Museum of Art. Sein großer Einsatz für die Kunst in Israel, die neben der Gründung des Museums in Tel Aviv und einer Kunstschule in Jerusalem auch den Aufbau einer Künstlerkolonie in Haifa umfasste, brachte ihm breite Verehrung als "die künstlerische Seele Israels" ein.[3]

Er starb 1944 in Haifa.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radierungen von Hermann Struck
Radierung, Vernis mou, Theodor Herzl (1860–1904)
Radierung, Albert Einstein (1879–1955)
Radierung Vernis Mou, August Bebel (1840–1913)
Radierung, Porträt Wolfgang Heine (1861–1944)
Radierung, Porträt Arno Holz (1863–1929)
Radierung, Porträt Georg Hermann (1871–1943)
Radierung, Porträt Heinrich Heine (1797–1856)
Radierung, Porträt Lesser Ury (1861–1931)
Radierung, Porträt Oskar Fried (1871–1941)
Radierung, Porträt Alfred Kerr (1867–1948)
Radierung, Porträt Hermann Cohen (1842–1918)
Radierung, Porträt Georg Hirschfeld (1873–1942)
Radierung, Porträt Abraham Berliner (1833–1915)
Radierung, Porträt Sholem Asch (1880–1957)
Radierung, Porträt Giovanni Segantini (1858–1899)
Radierung, Porträt des einflussreichen Kritikers Adolph Donath (1876–1937)
Radierung, Vernis mou, Pinchas Ruthenberg (1879–1942)
Radierung, Jozef Israëls (1827–1911)

Struck ist besonders bekannt für seine Radierungen und Lithografien. Besonderen Einfluss auf die Kunstwelt erreichte Struck um die Jahrhundertwende, als seine Drucke die grafische Kunst in Deutschland entscheidend mitprägte. Sein Buch Die Kunst des Radierens (1908) gilt heute noch als Standardwerk und war ein Werk mit großem Einfluss in seiner Epoche. Struck unterrichte unter anderem Marc Chagall, Max Lieberman, Max Slevogt, Lovis Corinth, Joseph Budko und Lesser Ury in der Kunst der Radierung und Lithografie.

Er schuf unter anderem Porträts von Henrik Ibsen, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Albert Einstein, Theodor Herzl, August Bebel, Alfred Kerr, Richard Dehmel, Hermann Cohen, Gerhart Hauptmann, Arnold Zweig und Oscar Wilde.

Eine Auswahl davon kann in der Hermann Struck-Ausstellung des Museums des Deutschsprachigen Judentums in Tefen im Norden Israels betrachtet werden. Dort befindet sich auch ein Zimmer mit Gegenständen aus Strucks Besitz.[4] Das Jüdische Museum Frankfurt widmete den Radierungen und Holzschnitten von Struck und seinem Künstlerkollegen Jakob Steinhardt Dezember 2014 bis März 2015 eine Ausstellung. In dieser Ausstellung lag der Fokus auf seinen Werken von den Reisen nach Italien (1911), Amerika (1912/13) und seinen Aufenthalten während des Ersten Weltkrieges in Polen und Russland.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lithographien wurden im Jahre 1918 in einer Druckerei des ehemaligen Gebietes Ober Ost unter der Aufsicht des Künstlers auf den Stein übertragen und dort gedruckt, so dass der Verlag darauf keinen Einfluss nehmen konnte.
  • Hermann Struck und Herbert Eulenberg: Skizzen aus Litauen, Weißrussland und Kurland. 60 Steinzeichnungen. Georg Stilke, Berlin 1916.
  • Felix von Luschan u. Hermann Struck: Kriegsgefangene, Reimer, Berlin, 1917. 100 Abb. n. Steinzeichnungen von H. Struck.
  • Adolph Donath: Herman Struck, Verlag für jüdische Kunst und Kultur, Fritz Gurlitt, Berlin 1920
  • Georg Brandes: Heinrich Heine. Mit zwei Radierungen von Hermann Struck (Porträt Heinrich Heine, Heines Grab). Hofmann & Campe, Hamburg, Berlin 1922.
  • Arnold Fortlage und Karl Schwarz: Das graphische Werk von Hermann Struck. Mit vier Originalradierungen. Paul Cassirer, Berlin 1911.
  • Jane Rusel: Hermann Struck (1876–1944). Das Leben und das graphische Werk eines jüdischen Künstlers. Judentum und Umwelt Bd. 66. Peter Lang Frankfurt am Main u.a. 1997.
Vollständiges Werkverzeichnis der Druckgraphik.
  • John F. Oppenheimer (Red.): Lexikon des Judentums. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh, Berlin, München, Wien. 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 284.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. s. Mitgliederverzeichnis im Katalog 3. Deutsche Künstlerbund-Ausstellung, Weimar 1906. S. 57 online (abgerufen am 18. März 2016)
  2. Gilya Gerda Schmidt, The art and artists of the fifth Zionist Congress, 1901: heralds of a new age
  3. Zwischen Berlin und Haifa - eine Instanz der Radierkunst. In: Berliner Zeitung. 1. August 2007. Abgerufen am 5. November 2015.
  4. http://www.omuseums.org.il/eng/mmty_Exhibitions/Current_Exhibition
  5. Frühere Wechselausstellungen, Hermann Struck und Jakob Steinhardt. Radierungen und Holzschnitte. In: Jüdisches Museum Frankfurt. 5. November 2015. Abgerufen am 5. November 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Struck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien