Hermann Voss (Musiker)

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Selbstporträt von Hermann Voss, entstanden 1989 auf Schloss Elmau

Hermann Voss (* 9. Juli 1934[1] in Brünen) ist ein deutscher Bratscher, Maler und Marionettenspieler. Von 1975 bis 2005 lehrte er an der Musikhochschule Stuttgart Bratsche und Kammermusik. Voss spielte 40 Jahre lang die Viola im Melos Quartett.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Orchestertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Voss wurde 1934 in Brünen am Niederrhein geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf sowie an der Hochschule für Musik Freiburg bei Sándor Végh und Ulrich Koch.[2] Nach dem Violinstudium bei Sándor Végh wechselte er unter seinem neuen Lehrer Ulrich Koch zur Viola. Kurz darauf wurde er 1959 in Stuttgart auf der Bratsche mit dem 1. Preis des Deutschen Hochschulwettbewerbs ausgezeichnet. 1959 und 1960 besuchte Hermann Voss die Sommerkurse des Cellisten Pablo Casals in Zermatt. Im Jahre 1962 wurde er wiederum auf der Viola zum Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München. Von 1960 bis 1967 war Voss Solobratschist des Stuttgarter Kammerorchesters.

Melos Quartett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1965 war er Gründungsmitglied und bis zur Auflösung im Jahr 2005 einziger Bratschist des Melos Quartetts.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1975 war Hermann Voss als Dozent für Streichquartettspiel und von 1980 bis 2005 als Professor für Viola und Kammermusik an der Musikhochschule Stuttgart tätig. Außerdem übernahm er regelmäßig Dozentenaufgaben bei Musikfestivals mit Meisterkursen in Ratzeburg, Oberstdorf und bei internationalen Masterclasses in London, Sydney und Tokyo sowie bei der Akademie für Streichquartettinterpretation der Hindemith-Stiftung in Blonay.

Malerei und Marionettentheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Aufgaben als Musiker widmet sich Voss auch einer bildnerisch gestaltenden Tätigkeiten durch Anfertigung von Zeichnungen, Radierungen, Aquarell- und Acrylbildern.[3] Nach seiner Emeritierung im Jahr 2005 wandte sich Voss vor allem der Malerei mit Acrylfarben zu. Dabei entstanden unter anderem Bilderzyklen zu Schuberts Winterreise, zum Marionettentheater, zu Lieblingsstücken der Kammermusik und zur Lage der Frauen mit dem Titel Frauenlieben und Frauenleiden.

Mit selbst geschaffenen Marionettenfiguren, Masken und Instrumenten gibt Voss seit seiner Studienzeit in Freiburg regelmäßig private und öffentliche Auftritte in eigenen musikalischen Miniaturen und Pantomimen. Zudem betreibt Hermann Voss in Waldenbuch unter dem Dachstuhl seines privaten Wohnhauses das von ihm so genannte Schlafzimmertheater, welches ausgestattet mit einer kleinen Bühne und etwa 20 Zuschauerplätzen als fester Aufführungsort dient. Von Hermann Voss ausgearbeitete und aufgeführte Bühnenstücke sind unter anderem Festival kleiner Interpreten[4][5] und Bilder einer Vorstellung.[6][7]

Der langjährige Solobratschist des SWR Symphonieorchesters und Autor Gunter Teuffel bezeichnet Hermann Voss als Universalkünstler:[8]

„Musiker, Zeichner, Maler, Bildhauer, Marionettenbauer und Marionettenspieler, Maskenbildner, Pantomime, Theatermann, Regisseur und musikalischer Schriftsteller. Wenn ich mir die Frage stelle, wer in meinem Umfeld die meisten und unterschiedlichsten künstlerischen Begabungen in sich vereint, kenne ich niemanden, auf den der Begriff Universalkünstler besser zutreffen würde denn auf Hermann Voss.“

Waldenbucher Konzerte in Sankt Veit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Voss ist Mitbegründer der kammermusikalischen Veranstaltungsreihe Waldenbucher Konzerte in Sankt Veit,[9] die er betreut und künstlerisch berät. Im Herbst 1998 war Voss Gründungsmitglied des für die Organisation der Konzerte zuständigen Fördervereins. Ein Jahr später eröffnete dann das Melos Quartett die Veranstaltungsreihe mit einem ersten Konzert. In der Folge konnten unter Voss'scher Ägide viele renommierte Künstler für die Waldenbucher Konzertreihe gewonnen werden. So wurde Waldenbuch beispielsweise zu einer festen Anlaufstelle für Konzerte der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler des Deutschen Musikrats. Zum 80. Geburtstag von Hermann Voss wurde in Sankt Veit ein Sonderkonzert des DAFO-Quartetts aufgeführt.[10] Am 22. September 2018 konnte in der Waldenbucher Veitskirche das 20. Jubiläum der Fördervereinsgründung mit einem hundertsten Konzert feierlich begangen werden.[11]

Werksgalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Acrylgemälde eines Bilderzyklus zu Franz Schuberts Winterreise (Auswahl)

Allerlei Bleistiftzeichnungen

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Voss: Hackordnungen im Quadrat – Bleistiftzeichnungen von Hermann Voss. Res Novae Verlag, Aulendorf 2017
  • Gunter Teuffel (Hrsg.), Hermann Voss: EINE VERNISSAGE mit Bach, Schubert, Mendelssohn und Brahms. Festschrift 2019[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hermann Voss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Who's who in Classical Music 2006 ISBN 9781857433685, S. 835
  2. Joseph Stevenson: Hermann Voss Biography. allmusic.com, 2017
  3. Hermann Voss: Hackordnungen im Quadrat - Bleistiftzeichnungen von Hermann Voss. Res Novae Verlag, Aulendorf 2017, ISBN 978-3981825510
  4. Schwäbische Zeitung: Warum Krokodile so weinen müssen. (Memento des Originals vom 13. Januar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schwaebische.de 26. November 2001
  5. Julia Eiden: Wo der Esel Duke Ellington singt - Kleine Interpreten: Das Publikum lacht, das Krokodil weint. In: Westfälische Rundschau, 26. Februar 2009
  6. Thomas Krämer: Marionetten, Masken und Musik. In: Stuttgarter Zeitung, 31. Januar 2012
  7. Robert Krülle: Selbst beim Malen geht es nur um Musik. In: Kreiszeitung Böblinger Bote, 2014
  8. Gunter Teuffel (Hrsg.), Hermann Voss: Eine Vernissage mit Bach, Schubert, Mendelssohn und Brahms. Res Novae Verlag, Aulendorf 2019, S. 9, ISBN 978-3981825527
  9. Evangelische Kirchengemeinde Waldenbuch: Waldenbucher Konzerte in St. Veit – von den Anfängen bis heute.
  10. Wolfgang Teubner: Geburtstagsständchen für einen Götterfunken - DAFO-Quartett gab zum 80. Geburtstag von Hermann Voss ein Konzert in St.Veit in Waldenbuch. In: Kreiszeitung Böblinger Bote, 2014
  11. Hans-Jörg Lund: Eine Oase der Kammermusik - Festlicher Anlass: 100. Konzert im 20. Jahr der Reihe "Waldenbucher Konzerte in St. Veit" In: Kreiszeitung Böblinger Bote, 24. September 2018
  12. Bayerischer Rundfunk: Preisträger Viola des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD. br.de, abgerufen 3. Dezember 2018
  13. Stadtnachrichten Waldenbuch: Hermann Voß aus Waldenbuch mit der Staufermedaille des Landes Banden-Württemberg ausgezeichnet. Ausgabe Nr. 39/2020 vom 25. September 2020, Seite 4
  14. Kreiszeitung Böblinger Bote: Staufermedaille für den Waldenbucher Hermann Voss. In: krzbb.de, 22. September 2020
  15. Jacqueline Fritsch: Mit seinem Quartett bereiste er die Welt - Der Musiker, Maler und Bildhauer Hermann Voss hat die Staufermedaille bekommen. In: Stuttgarter Zeitung, September 2020
  16. Kreiszeitung Böblinger Bote: Würdigung eines Vielbegabten: Festschrift zum 85. Geburtstag von Hermann Voss erschienen. In: krzbb.de, 22. November 2019