Hermann Zimmermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hermann Zimmermann (* 17. Dezember 1845 in Langensalza; † 3. April 1935 in Berlin; vollständiger Name: August Ernst Hermann Zimmermann) war ein deutscher Bauingenieur und preußischer Baubeamter.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zimmermann wurde am 17. Dezember 1845 im Haus Herrenstraße 9 in Langensalza geboren. Seine Familie siedelte 1852 nach Mühlhausen/Thüringen über, wo er das Gymnasium besuchte. Nach Abbruch der gymnasialen Laufbahn erwog er 1862 zunächst einen Eintritt in die Preußische Marine, stattdessen fuhr er bis 1868 auf verschiedenen Handelsschiffen und kam dabei bis nach Afrika und Ostindien. Seine seemännische Ausbildung schloss er 1867 mit dem Erwerb des Steuermannspatents 1. Klasse mit Auszeichnung in Hamburg ab. 1868 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Marine des Norddeutschen Bundes.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1869 änderte Zimmermann im Alter von 24 Jahren seine beruflichen Ziele und begann ein Studium des Ingenieurwesens an der Polytechnischen Hochschule Karlsruhe, wo er zu den begabtesten Schülern von Franz Grashof gehörte. Sein Studium wurde durch die Teilnahme als Soldat am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unterbrochen. Da die Technischen Hochschulen in Deutschland zu dieser Zeit noch nicht das Promotionsrecht besaßen, legte Zimmermann seine wissenschaftliche Arbeit über Kinematik 1874 als Dissertation an der Universität Leipzig vor und wurde dort zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.) promoviert. Obwohl sich Zimmermann im Laufe des Studiums mehr auf das Bauingenieurwesen konzentriert hatte, schloss er im Jahr 1875 sein Studium in Karlsruhe mit einer auf das gesamte Ingenieurwesen ausgerichteten, deshalb besonders schweren und nur von wenigen Studierenden abgelegten Prüfung ab, für die er ein Diplom der Hochschule erhielt.

Straßburg (1875–1881)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßburger Hauptbahnhof

Auf Empfehlung seines Hochschullehrers Hermann Sternberg (1825–1885) erhielt er zunächst eine Anstellung bei der Kaiserlichen Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen in Straßburg. Um sich eine Karriere als Baubeamter im Staatsdienst offen zu halten, holte Zimmermann 1878 am Straßburger Lyzeum das Abitur nach, das wiederum formale Voraussetzung für das ebenfalls nachgeholte 1. Staatsexamen an der Karlsruher Hochschule war. Danach arbeitete er weitere drei Jahre in Straßburg, und zwar als Sektionsbaumeister beim Bau des neuen Straßburger Hauptbahnhofs (1878–1881). Nebenbei war er 1878 an der Konstruktion der Drehkuppeln mit Uhrwerkantrieb für die Straßburger Sternwarte beteiligt, womit er die Aufmerksamkeit des hochrangigen preußischen Baubeamten Albert Kinel in Berlin erregte.

Berlin (ab 1881)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich unter Einflussnahme durch Kinel wurde Hermann Zimmermann 1881 an das Reichseisenbahnamt in Berlin berufen, zunächst bekleidete er die untergeordnete Position eines ständigen Hilfsarbeiters. In dieser Zeit verfasste er wissenschaftliche Werke, in denen er sich mit dem Eisenbahn-Oberbau und mit Schwingungen von Trägern mit bewegten Lasten beschäftigte. Auch hier fand ein außerhalb seiner dienstlichen Tätigkeit entstandener konstruktiver Entwurf große Beachtung, nach dem 1888 die große Kuppel über dem Sitzungssaal des Reichstagsgebäudes in Berlin trotz statischer Probleme ausgeführt werden konnte.

1891 wurde Zimmermann in das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin berufen, wo er zunächst zum Geheimen Baurat und vortragenden Rat ernannt wurde. 1895 erhielt er die Beförderung zum Geheimen Oberbaurat und 1905 zum Wirklichen Geheimen Oberbaurat. In Zimmermanns Zuständigkeit fielen Brücken und Bahnsteighallen im gesamten Netz der Preußischen Staatsbahn, außerdem war er beim Bau des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig beratend tätig und schlug eine Konstruktion für die Kuppel des Neuen Rathauses in Hannover vor.

Bereits 1891 berief die Preußische Akademie des Bauwesens Zimmermann als außerordentliches Mitglied, 1901 wurde er zum ordentlichen Mitglied. Im Jahr 1904 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Trotz guter Gesundheit und ohne den Zwang der erst 1923 eingeführten Altersgrenze für Beamte ließ er sich bereits 1911 – kurz nach seinem 65. Geburtstag – in den Ruhestand versetzen, widmete sich aber weiterhin verschiedenen Ehrenämtern.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Zimmermann heiratete 1875 seine aus Darmstadt stammende Braut Clara Lambert († 1923), mit der er mindestens vier Kinder bekam, darunter zwei Söhne. Zum Zeitpunkt seines 80. Geburtstags hatte er zehn Enkel. Über diese Nachkommen ist nur bekannt, dass der älteste Sohn in den 1920er Jahren als Chemieingenieur in Spanien arbeitete.

Zimmermann befasste sich außerdienstlich auch mit der Luftschifffahrt, für seine Verdienste auf diesem Gebiet und seine in der Praxis bewiesenen Fähigkeiten als Ballonfahrer wurde er zum Ehrenmitglied des Berliner Vereins für Luftschifffahrt ernannt. Er war gut bekannt mit Ferdinand von Zeppelin, den er beim Bau von Luftschiffhallen beriet und auf mindestens einer Luftfahrt begleitete.

Einen sportlichen Ausgleich zu seinen umfangreichen dienstlichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten fand Zimmermann im Bergsteigen, 1905 bestieg er im Alter von beinahe sechzig Jahren den Mont Blanc, und selbst mit achtzig Jahren scheint er noch rüstig genug für Bergtouren gewesen zu sein.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Technischen Hochschulen 1900 das Recht auf Promotion und Ehrenpromotion erhalten hatten, verlieh die Karlsruher Hochschule ihrem renommierten Absolventen Hermann Zimmermann 1901 die Ehrendoktorwürde als Dr.-Ing. E.h. Unter den zahlreichen weiteren Ehrungen und Auszeichnungen ragt die von 1894 bis heute nur rund 100 Mal verliehene, nach seinem Karlsruher Lehrer benannte Grashof-Denkmünze heraus, die er 1924 vom Verein Deutscher Ingenieure bekam.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die relative Bewegung sich berührender Rotationsflächen. 1874.
  • Die Berechnung des Eisenbahnoberbaus. 1888.
  • Über Raumfachwerke, neue Form und Berechnungsweise für Kuppeln und sonstige Dachbauten. 1888.
  • Die Lehre vom Knicken auf neuer Grundlage. 1931.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]