Hermes

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Hermes

Hermes (griechisch Ἑρμῆς, auch Hermeias Ἑρμείας, dor. Hermas Ἑρμᾶς) ist in der griechischen Mythologie der Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst, der Gymnastik und somit auch der Palästra und der Magie. Als Götterbote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt die Seelen der Verstorbenen in den Hades (Unterwelt). Er gehört zu den zwölf großen Olympischen Göttern.

Etymologie und weitere Namen

Meist wird der Name auf das griechische Wort herma (ἕρμα „Felsen“, „Stein“, „Ballast“) zurückgeführt, das sich auf die Steinpfeiler am Rand griechischer Straßen beziehen soll, die zur Kennzeichnung heiliger Orte aufgestellt wurden. Aber auch eine Herkunft aus der Sprache der vorgriechischen Bevölkerung Arkadiens, wo die Herkunft seines Kultes angenommen wird, ist nicht ausgeschlossen.

Die römische Entsprechung zu Hermes ist der Gott Mercurius, dessen Name sich auf den Handel (lat. merces „Waren“) bezieht. Auch wurde Hermes (ähnlich einigen anderen griechischen Göttern) mit dem Gott Thot der ägyptischen Mythologie identifiziert. Als Hermes Trismegistos (Ἑρμῆς Τρισμέγιστος) galt Thot/Hermes als sagenhafter Verfasser zahlreicher philosophischer, astrologischer, magischer und alchemistischer Schriften, die Neuplatoniker führten sogar die Schriften Pythagoras’ und Platons auf diesen Autor zurück. Auch der Gott Anubis, der in der ägyptischen Mythologie die Seelen Verstorbener ins Jenseits geleitet, wurde mit Hermes identifiziert.

Zu den Epitheta des Gottes zählt Argeiphontes (Ἀργεϊφόντης „Argostöter“), was ihn als Töter des Riesen Argos aus der Io-Sage kennzeichnet. Die Namen Psychagogos (ψυχαγωγός) Psychopompos (ψυχοπομπός) und Nekropompos (νεκροπομπός) „Seelen-“ oder „Totenführer“ beziehen sich auf seine Funktion als Todesboten, Atlantiadēs (Ἀτλαντιάδης) weist auf seinen Großvater Atlas, Kyllenios (Κυλλήνιος) auf seinen mutmaßlichen Geburtsort hin. Er galt als „Überbringer der Träume“ (hēgētōr oneirōn ἡγήτωρ ὀνείρων) und Glücksbringer (ploutodotēs πλουτοδότης, „Bringer des Reichtums“); seine Zuständigkeit für den Handel umschreiben die Epitheta „der den Verkehr Betreffende“ (empolaios ἐμπολαῖος), „Einfuhrhändler“ (palinkapēlos παλιγκάπηλος) oder „der den Profit Bestimmende“ (kerdemporos, κερδέμπορος) oder „der zum Markt Gehörige“ (agoraios ἀγοραῖος). Außerdem wurde er als „Hundebezwinger“ (kynanchēs κυνάγχης, eigentlich „Hundewürger“) betitelt.

Sagen um Hermes

Geburt und Kindheit

Hermes mit Dionysos-Kind, spätklassische Darstellung des Praxiteles

Hermes ist der Sohn des Zeus und der Pleiade Maia, einer Tochter des Atlas. Als Geburtsort gilt in den meisten Quellen der Berg Kyllēnē in Arkadien, aber auch die Gegend um den Berg Olymp wird genannt. Schon als Kleinkind wird Hermes als verschlagen und listig geschildert:

Noch am Tag seiner Geburt verließ er die Höhle seiner Mutter und tötete eine Schildkröte, die er als Resonanzkörper benutzte und so die Leier erfand. Noch am selben Tag begab er sich nach Pierien. Auf dem Weg dorthin stahl er 50 Rinder des Apollon und verwischte seine Spuren, indem er aus Zweigen eine Art Schneeschuhe flocht. Zwei der Rinder schlachtete er und zerlegte sie nach dem Opferritus. Zurück am Kyllene schlüpfte er wieder in seine Wiege. Ein Winzer hatte jedoch Apollon über den Viehdieb aufgeklärt. Als dieser am darauffolgenden Tag bei Maia ankam, stellte sich Hermes dumm und argumentierte, er sei viel zu jung, um überhaupt zu wissen, was eine Kuh sei. Doch Apollon brachte Hermes vor Zeus. Hermes verteidigt sich mit allerlei Lügen und stahl seinem Bruder bei dieser Verhandlung Bogen und Köcher. Zeus entschied, Hermes müsse die Rinder Apollon zurückgeben. Da zog Hermes die Schildkrötenleier hervor, sang zum Spiel darauf ein Lied und bot sie Apollon als Gegenwert für die fünfzig Rinder dar. Der Bruder akzeptierte und weihte Hermes in die Kunst der Weissagung ein und übergab ihm den Heroldsstab, der ihn fortan als Boten der Götter kennzeichnen sollte.

Auch die Erfindung der Hirtenflöte wird Hermes zugeschrieben, seinen Stab soll Hermes im Tausch gegen diese Flöte als Viehhüterstab von Apollon erhalten haben. Den Heroldsstab erhielt er nach dieser Version von Zeus, der ihn damit zu seinem Boten ernannte.

Weitere Erfindungen des Hermes

Von den Thrien soll Hermes die Kunst der Weissagung aus dem Werfen von Kieselsteinen in eine Urne erlernt haben. Als seine eigene Erfindung gilt das Würfelspiel und die Weissagung hieraus. Ihm wurde zusammen mit den Moiren die Entwicklung des griechischen Alphabets zugeschrieben, außerdem die Erfindung von Astronomie, der Tonleiter, der Sportarten Boxen und Turnen, der Gewichte und Maße sowie die Kultur des Ölbaums.

Geliebte und Nachkommen

Zahlreiche Nymphen wie Karmentis, Sose, Tanagra zählten ebenso zu seinen Geliebten, wie der Arkadier Krokos oder Amphion, der König von Theben. Als Mutter von Hermes’ Sohn Pan wurden Dryope, Penelope, Persephone oder die Ziege Amaltheia genannt, andere hielten Zeus oder Kronos für dessen Vater. Zusammen mit Aphrodite wurde ihm die Elternschaft des Zwitterwesens Hermaphroditos zugeschrieben.

Als sterbliche Söhne des Hermes galten Daphnis, der Erfinder der Hirtendichtung, der aus der Verbindung mit einer Nymphe hervorgegangen war, die mit der Sterblichen Antianeira gezeugten Argonauten Eurytos und Echion, Herold der Argonauten und Teilnehmer am Trojanischen Krieg, ferner Herakles’ Liebling Abderos und der berühmte Dieb Autolykos, den ihm Chione gebar.

Bedeutung

Hermes, Eurydike und Orpheus (Relief in der Villa Albani, Rom)

Hermes ist einer der Götter, dessen Kult sich am weitesten zurückverfolgen lässt. Der Mythologie nach ist er der Götterbote, der die Botschaft der Götter den Sterblichen überbringt und sie dabei auch übersetzt. Seine Botschaften sind damit also keine bloßen Mitteilungen, sondern fordern Einsicht und Verständnis. Deshalb wird die Wissenschaft vom „Erklären und Verstehen“ auch als Hermeneutik bezeichnet. Hermes kann sich als Götterbote schneller bewegen als das Licht. Dies ermöglichen ihm kleine Flügel, von denen sich je zwei an jedem seiner Stiefel befinden. Bevor Hermes geboren wurde, war Iris als Götterbotin tätig.

Darstellung

Hermes RI2.png

Bei den Griechen wurde Hermes meist jugendlich und bartlos, mit einem breitkrempigen Hut (Petasos), später einem geflügelten Helm, geflügelten Schuhen oder geflügelten Schultern und dem zaubermächtigen goldenen Hermesstab (griechisch Kerykeion, lateinisch Caduceus) dargestellt. Mit diesem kann Hermes einschläfern und Träume bewirken, der Stab ist ebenfalls ein Symbol für ihn. Neben dem Stab, der von zwei einander anblickenden Schlangen umwunden ist, hält er auf römischen Darstellungen meistens einen Geldbeutel.

Er wird auch manchmal mit einer Schildkröte oder mit einem Widder dargestellt. Sofern die Abbildung einen bärtigen Hermes zeigt, ist der Bart spitz und nach vorne gekrümmt. Man sieht Hermes auch mit einer Sichel, mit Pfeife und Degen oder als Hirte mit Rind. Der Hut wird auch halb schwarz, halb weiß dargestellt, manchmal trägt er auch den Panzer der Schildkröte als Helm auf seinem Kopf.

Römische Mythologie

In Ovids Metamorphosen nehmen Philemon und Baucis den unerkannt auf die Erde gestiegenen Mercurius auf.

Hermes in der griechisch-römischen Philosophie

In der Philosophie der Antike wurde Hermes mit dem Logos identifiziert und als die von den Göttern gesandte menschliche Vernunft gedeutet.[1]

Hermes als Postbote am Alten-Post-Gebäude in Flensburg

Wirkung nach der Antike

Als Gott der Wissenschaften ist Hermes eng mit der Chemie und besonders der Alchemie verbunden. Ein Gefäß so abzuschließen, dass nichts hinein und heraus kann, nannten die Alchemisten es „mit dem Siegel des Hermes“ [cum sigillo hermetis] verschließen, woher das heutige Wort hermetisch stammt.

Durch die Alchemie wird Hermes in vielen Quellen in die Nähe der Zauberkunst gerückt und ist damit auch der Gott der Magier, Gaukler und Diebe, eben eine Art „schelmischer Tunichtgut“ (Trickster). Da seine Botschaften und Künste immer nur dem voll zu Nutze gereichen, der sie wirklich versteht, steht so mancher, der sich mit Hermes einlässt, am Ende auch mal sehr dumm da.

Siehe auch

Quellen

  1. Barbara Aland, Dietmar Wyrwa: Die Weltlichkeit des Glaubens in der Alten Kirche: Festschrift für Ulrich Wickert. de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-015441-2, S. 367.

Literatur

Weblinks

 Commons: Hermes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien