Hermine Reuß ältere Linie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Prinzessin Hermine von Schoenaich-Carolath

Hermine, Prinzessin Reuß ältere Linie (* 17. Dezember 1887 in Greiz; † 7. August 1947 in Frankfurt (Oder)) wurde als verwitwete Hermine von Schoenaich-Carolath die zweite Ehefrau des ehemaligen deutschen Kaisers und preußischen Königs Wilhelm II. in seinem niederländischen Exil. Unter Anhängern der Hohenzollernmonarchie hieß sie Kaiserin Hermine.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermine wurde als vierte Tochter von Heinrich XXII., Fürst Reuß ältere Linie (1846–1902), und der Fürstin Ida (1852–1891), einer geborenen Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, geboren. Im Alter von drei Jahren verlor Hermine ihre Mutter, die Vollendung ihrer Erziehung erlebte sie im Haus der Großherzogin Luise von Baden (1838–1923), der Tochter Kaiser Wilhelms I. Ihr Bruder Heinrich XXIV. (1878–1927) war von 1902 bis 1918 der letzte regierende Fürst Reuß älterer Linie, stand aber wegen körperlicher und geistiger Gebrechen unter Regentschaft.

Prinzessin Hermine Reuss ä. L. heiratete am 7. Januar 1907 den Prinzen Johann Georg von Schoenaich-Carolath (1873–1920) und zog zu ihm auf das Schloss Saabor in Saabor im Landkreis Grünberg in Schlesien. Aus dieser Verbindung gingen fünf Kinder hervor, darunter auch die Tochter Henriette, die später mit ihrer Mutter in die Niederlande kommen durfte. Johann Georg starb 1920 an Tuberkulose. 1943 wurde ihr Enkelsohn Franz Wilhelm Prinz von Preußen auf Schloss Saabor geboren.

Exil-„Kaiserin“ Hermine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermine war von früher Jugend an eine Bewunderin von Kaiser Wilhelm II. gewesen, hatte schon in ihrem Mädchenzimmer ein Bild von ihm hängen sowie Artikel und Bücher über ihn gesammelt. Als Kaiserin Auguste Viktoria im April 1921 in Doorn starb, sandte sie dem Witwer einen Beileidsbrief, geschrieben von ihrem jüngsten Sohn. Der Kaiser lud den Sohn und sie daraufhin zu einem Besuch auf seinen niederländischen Exilsitz Haus Doorn ein.

Anfang September 1921 stürzte im Park von Schloss Saabor ein Flugzeug mit zwei Männern an Bord ab, dabei handelte es sich um den Piloten Antonius Raab und den US-amerikanischen Journalisten Siegfried Dunbar Weyer. Bei diesem „Absturz“ handelte es sich um ein Täuschungsmanöver, denn Weyer war Korrespondent des International News Service und wollte herausfinden, ob die Gerüchte stimmten, dass sich der abgedankte Kaiser Wilhelm II. mit der Schlossherrin vermählen wolle. Hermine bat die beiden Männer wie erhofft ins Haus, wo Weyer ein Foto von Wilhelm II. auf dem Klavier entdeckte. Er fühlte sich in seinem Verdacht bestätigt und publizierte die Meldung, dass das Paar seine Hochzeit plane. Diese Pressemeldung soll den ehemaligen Kaiser in Zugzwang gebracht haben, der sich daraufhin vier Wochen später mit der Prinzessin von Schoenaich-Carolath verlobte.[1][2]

Am 5. November 1922 heirateten Hermine und Wilhelm im Haus Doorn. Zu Hermine erwies sich Wilhelm ehrfürchtiger und liebenswürdiger als er es gegenüber der verstorbenen ersten Frau Auguste Viktoria gewesen war. Das Verhältnis zu den Kindern des Kaisers gestaltete sich für Hermine eher schwierig.[3] Hermine führte ein strenges Regime in Haus Doorn und kümmerte sich auch um dessen Verwaltung.

Dass der Ex-Kaiser nur anderthalb Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, die in großen Teilen der deutschen Bevölkerung beliebt gewesen war, erneut heiratete, und obendrein eine reiche Witwe, die jünger war als sein ältester Sohn, wurde von Monarchisten in Deutschland als kritikwürdig empfunden.[4]

Hermine und Wilhelm II. im Haus Doorn (1933)

Der frühere Kaiser und Hermine legten in Doorn großen Wert auf Etikette. Deshalb wurde sie nach der Hochzeit mit Kaiserliche Hoheit, von manchen auch mit Majestät angeredet und als Kaiserin Hermine bezeichnet.[5]

Gesellschaftspolitische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1927 ihr Bruder kinderlos starb, übernahm Hermine in einer Erbteilung mit ihren Schwestern das Schloss Burgk im thüringischen Vogtland, trat es aber 1933 an ihre Schwester Ida ab, die Ehefrau des Fürsten Christoph Martin zu Stolberg-Roßla. 1929 gründete sie das Herminen-Hilfswerk, das sich um Menschen in Not kümmerte und während der großen Arbeitslosigkeit der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik starken Zuspruch fand.

In Deutschland unterhielt Hermine rege Kontakte zu monarchistischen, nationalistischen und faschistischen Kreisen. Sie förderte entsprechende Organisationen und beteiligte sich am politischen Geschehen.

Aktivitäten im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch von der NSDAP erhoffte sie sich die Wiedererrichtung der Monarchie. Bereits 1926 traf sie Adolf Hitler, dessen entschiedenes Eintreten gegen die Fürstenenteignung ihm die Anerkennung von Teilen des Hochadels eingetragen hatte. 1931 und 1932 arrangierte sie zwei Besuche des Hitler-Vertrauten Hermann Göring in Doorn. Ihrem Mann empfahl sie stetig die NS-Bewegung als die ihres Erachtens einzige Kraft, die ihn zurück auf den Thron bringen könnte.[6] Die Regierungsübernahme der NSDAP begrüßte sie sehr. Erst um 1935 kam Hermine von ihren Hoffnungen ab.[7]

Nach dem Tod von Wilhelm II. und Rückkehr nach Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Wilhelms II. 1941 kehrte Hermine zu ihrem Wohnsitz Schloss Saabor in Niederschlesien zurück. Vor der Roten Armee floh sie bei Kriegsende 1945 zu ihrer Schwester nach Roßla im Harz. Nach der Festnahme durch die sowjetische Besatzungsmacht lebte sie in Frankfurt an der Oder unter privilegierten Bedingungen unter Aufsicht der sowjetischen Militärverwaltung.[8] Sie wohnte mit einer ukrainischen Familie in einem Lager für Vertriebene. Die erste Nachricht über sie nach Kriegsende war, dass sie im Lager überfallen und ausgeraubt worden war.[9] Sie starb 1947 in Frankfurt (Oder) laut Totenschein an einem durch einen Mandelabszess hervorgerufenen Herzversagen[10][11] und wurde im Antikentempel des Parks von Sanssouci in Potsdam beigesetzt, wo bereits die erste Frau des Kaisers lag. Die von ihr gewünschte Beisetzung in einem Sarkophag neben Kaiser Wilhelm II. in dessen Mausoleum in Doorn kam nicht zustande.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermine Prinzessin von Preußen: „Der Kaiser und ich“. Mein Leben mit Kaiser Wilhelm II. im Exil. Herausgegeben, aus dem Niederländ. übersetzt und kommentiert von Jens-Uwe Brinkmann. MatrixMedia-Verlag, Göttingen 2008, ISBN 978-3-932313-26-4.
  • Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen: Das Haus Hohenzollern 1918–1945. Langen Müller, München u. a. 1985, ISBN 3-7844-2077-X.
  • Friedhild den Toom, Sven Michael Klein: Hermine. Die zweite Gemahlin von Wilhelm II. (= Verein für Greizer Geschichte e.V. Vereinsmitteilungen 15, ZDB-ID 2088917-3). Verein für Greizer Geschichte e.V. u. a., Greiz 2007.
  • Louis Ferdinand Freiherr von Massenbach: Die Hohenzollern einst und jetzt. Die königliche Linie in Brandenburg-Preußen. Die fürstliche Linie in Hohenzollern. 21. überarbeitete Auflage. Verlag Tradition und Leben, Bonn 2009, ISBN 978-3-9800373-0-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hermine Reuß ältere Linie – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine von Brühl: Anmut im märkischen Sand. Aufbau Digital, 2015, ISBN 978-3-841-20879-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. S. Dunbar Weyer nahm sich im April 1927 das Leben, indem er sich in einem Abteil des Zuges von Bremen nach Berlin erschoss. In einem Abschiedsbrief gab er als Grund für seinen Selbstmord einen Nervenzusammenbruch an, nachdem der sieben Jahre lang keinen Urlaub gemacht habe. Borger Daily Herald (Borger, Tex.), Bd. 1, Nr. 127, Ed. 1, Mittwoch, 20. April 1927.
  3. Viktoria Luise von Preußen, in: Ein Leben als Tochter des Kaisers. 1965. Göttinger Verlagsanstalt, Hannover 1979, ISBN 3-87267-020-4
  4. Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, S. 56.
  5. vgl. Reinhold Schneider: Wille zur Haltung. In: Martin Kohlrausch (Hrsg.): Samt und Stahl. Kaiser Wilhelm II. im Urteil seiner Zeitgenossen. Landtverlag, Berlin 2006, ISBN 3-938844-05-1, S. 390.
  6. Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, S. 233.
  7. Gerd Heinrich: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie. Propyläen, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-549-07620-7, S. 516.
  8. https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1694525/
  9. Witwe Wilhelms II. überfallen. In: Neue Zeit. Organ der Sozialistischen Partei Steiermarks. 3. Jahrgang, Nr. 27, 4. Februar 1947, S. 3 (onb.ac.at).
  10. Preussen.de - Hermine Schönaich-Carolath, Teil 2. In: www.preussen.de. Archiviert vom Original am 5. Januar 2011; abgerufen am 28. Dezember 2019.
  11. Karin Feuerstein-Praßer: Die deutschen Kaiserinnen. Pustet Verlag, Regensburg 1887, ISBN 978-3-7917-1545-2, S. 259.