Heroischer Realismus

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Der heroische Realismus oder Tragizismus[1] ist eine mit Pessimismus, Nihilismus und Nationalismus verbundene Stilrichtung der deutschen Literatur der Zwischenkriegszeit.[2] Der Terminus beschreibt eine Opferhaltung, die sich häufig am Motiv des „Aushaltens auf verlornem Posten“ zeigt. Er wird zumeist im Kontext des Œuvres vom Soldatendichter Ernst Jünger und der „konservativen Revolution“ genannt. Wegen ideologischer Verstrickungen in den Nationalsozialismus ist die moralisch-politische Bewertung des heroischen Realismus umstritten. Gegenwärtiger Repräsentant ist Botho Strauß.[3]

Ideengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Nietzsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nietzsche als Artillerist, 1868

Vorformen dieser Haltung sind schon im 19. Jahrhundert zu konstatieren, wo die heroische Weltanschauung oft als Antwort auf die Sinn- und Identitätskrise der Moderne erscheint. Zu verfolgen wäre nach Gilbert Merlio die Entwicklung des heroischen Weltbildes vom Schillerschen Begriff des Erhabenen oder der Würde über die Genie- bzw. Heldenkonzeption der Romantik bis zum nietzscheschen Übermenschen und amor fati.[4] Der Philosoph Friedrich Nietzsche vertritt die Auffassung, daß die Welt nur ästhetisch, nicht aber ethisch zu rechtfertigen sei. Die heroische Haltung, die man noch als ethisches Moment verstehen könnte, werde nur wegen ihrer Schönheit geschätzt. Sie trage ihren Wert in sich selbst, nicht in einem Wozu.[2] Der heroische Realismus sei im Grunde „nichts anderes“, Martin Lindner zufolge, „als eine aktualisierte Neuauflage der Forderung Nietzsches nach ‚gefährlichem Leben.‘“[5] Der deutschnationale Dichter Robert Hamerling gilt auch als Vorläufer des heroischen Realismus.[6]

Hans Roeseler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heroische Realismus wird vor allem als Grundhaltung der sogenannten „Konservativen Revolution“ bzw. als „Sozialphilosophie der derangierten Bohème“ (Joachim Bruhn) betrachtet.[7] Als Vorläufer des Wortes vom „heroischen Realismus“ tritt 1922 in einem Aufsatz vom Jungkonservativen Hans Roeseler in umgekehrter Paarung der Elemente die Bezeichnung „skeptischer Enthusiasmus“ auf,[8] „der der Geist der wahrhaft revolutionären jungen deutschen Generation sein“ werde.[9] In einer Rede zum 50sten Jahrestag der Reichsgründung hatte schon Roeseler 1921 in der Aula der Universität Berlin gesagt:

„Der neue Adel, der aus der Jugend herauswachsen wird, die neue Führerschicht, die aristoi werden nur sein können, wenn sie von ihrer heldisch-tragischen Aufgabe wissen, wenn sie Skeptiker und Enthusiasten zugleich sein können, wenn sie politische Menschen der Wirklichkeit bleiben wollen.[10]

Oswald Spengler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer ähnlichen Weise sprach Oswald Spengler 1930 von „tapferem Pessimismus“ oder „tapferer Skepsis“ und berief sich dabei auf Nietzsches amor fati.[11] So setzte er Skepsis und pessimistische Wertung mit gesteigerter und unmittelbarer Kraft des Handelns in Verbindung.[12] 1931 in Der Mensch und die Technik schrieb er hierzu:

„Die Zeit lässt sich nicht anhalten; es gibt keine weise Umkehr, keinen klugen Verzicht. Nur Träumer glauben an Auswege. Optimismus ist Feigheit. Wir sind in diese Zeit geboren und müssen tapfer den Weg zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Es gibt keinen andern. Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen. Das ist Größe, das heißt Rasse haben. Dieses ehrliche Ende ist das einzige, das man dem Menschen nicht nehmen kann.[13]

Ernst Jünger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kampf als inneres Erlebnis

Vom Ersten Weltkrieg erwartete Ernst Jünger wie viele Zeitgenossen einen neuen Aufbruch, eine Erneuerung der Kultur. In den Materialschlachten und Stellungskämpfen weicht aber bald die anfängliche romantische Kriegsbegeisterung einer anderen Erfahrung, der des „heroischen Realismus“.[14] Rolf Peter Sieferle schreibt darüber: „Es ist dies die Haltung des Kämpfers in der Materialschlacht, der standhält, ohne den Feind zu erkennen.“[15] Im kriegerischen „Stahlgewitter“ weiß der Frontkämpfer auch nicht mehr für welche Werte er kämpft und leidet. Dabei besteht das Wesentliche in der Widerstandskraft, in der Haltung. So schreibt Jünger 1922 in Der Kampf als inneres Erlebnis:[16]

Gefallene deutsche Soldaten bei Guillemont, 1916

„Nicht wofür wir kämpfen ist das Wesentliche, sondern wie wir kämpfen.[17]

Wobei Walter Benjamins Diktum, die Kriegstheorie des Soldatischen Nationalismus sei „nichts als eine hemmungslose Übertragung der Thesen des L’art pour l’art auf den Krieg“,[18] seine Bestätigung zu finden scheint. Harro Segeberg schreibt von jener „Mischung aus Entsetzen und Faszination,“ mit der der Sturmtruppführer Ernst Jünger „das Massensterben der Materialschlachten in die sakrale Ästhetik einer heroisch-tragischen Jahrhundert-Neuschöpfung transformiert“ habe.[19] Das sei aber, so Gilbert Merlio, nicht nur bloß ästhetisch zu sehen: Denn der Frontkämpfer spüre, daß sein Leiden und sein Opfer einen Sinn haben, gleichsam zu den Geburtsschmerzen einer neuen Epoche gehören, indem die bürgerlich-liberale Zeit mit ihren humanistisch-humanitären Parolen zu Ende gehe.[16] Dies zeigt sich nicht zuletzt in der weiteren Ausformung jener Haltung des aktivistischen Einverständnisses mit der als schicksalhaft empfundenen Moderne, die Jünger in seinen nationalistischen Artikeln entwickelte und die den Namen eines „heroischen Realismus“ nun erhielt.[20]

Der heroische Realismus

Während Ludwig Klages dem modernen Menschen, der mit Hilfe des „Mord Werkzeuges Technik“ die ganze Erde verwüstet, den naturnahen Urmenschen als eine Art Vorbild gegenüberstellt, läßt Jünger keinerlei Auswege gelten. Er plädiert für einen „heroischen Realismus“, der auf sentimentale Illusionen verzichtet und sich der Wucht und Geschwindigkeit der Prozesse gewachsen zeigt.[21] So bestand Jüngers Antwort auf die Abhängigkeit von der Technik 1927 darin, sie als schicksalhafte Gegebenheit zu akzeptieren und zu behaupten, dass es „unser innerster Wille [ist], unsere Freiheit zum Opfer zu bringen, uns aufzugeben als Einzelne und einzuschmelzen in einen großen Lebenskreis“,[22] der als technischer Schaltkreis erscheint. Gleichzeitig betonte Jünger die heroische Dimension dieser Selbstpreisgabe:

„Der Nationalismus ist der erste Versuch, einer brutalen Wirklichkeit mit Brutalität ins Auge zu sehen.[23]

1930 findet der Begriff „heroischer Realismus“ bei Jünger zum ersten Mal Verwendung im Titel eines Artikels für Die literarische Welt: Die „Haltung“ des neuen deutschen oder „modernen“ Nationalismus sei die „eines heroischen Realismus“. Er suche „nicht die Lösungen auf, sondern die Konflikte, - in ihre Schärfe und Unerbittlichkeit scheint ihm der ewige Sinn des Lebens eingebettet zu sein.“ Es komme darauf an, eine tiefere Substanz des Realen, „jene Schicht einer unbedingten Wirklichkeit“ zu begreifen, die eigene Existenz als „Symbol eines tieferen und mächtigeren Lebens“ zu erblicken. So gelte es, die politische Gegenwart als Zone der Gefahr, die ausbrechenden Konflikte als Ausdruck eines „ewigen Sinns“ zu akzeptieren, ja, auf eine Zuspitzung dieses dramatischen Szenarios hinzuarbeiten und auf die „unbedingte Entscheidung“ zu pochen.[24] Der heroische Realismus Jüngers sei allerdings politisch Inhaltsleer, so Karl Löwith.[25] Jakob Schissler meint: Weder Ernst Niekisch noch Ernst Jünger fanden, weil sie Moral-Ästheten und von ihrer Lebensform her „Bürger“ wären, den prosaischen Weg zum Nationalsozialismus, den sie als Pöbelherrschaft und als zu wenig antibürgerlich disqualifizierten.[26]

Der Arbeiter

1932 in Der Arbeiter wurde der heroische Realismus auf besonderer Weise mit dem Problem der Technik verknüpft.[20] Das „Leben“, wie es sich in der technischen Zivilisation der Gegenwart darstellt, darf laut Jünger nicht negiert werden - weder durch pessimistische Weltflucht, noch durch wirklichkeitsfremden Utopismus. Jede „Wertung“ der Wirklichkeit lehnt er ab: „Das Leben geht über solche Einwände als unzulässig hinweg, und es ist die Aufgabe des heroischen Realismus, sich dennoch und gerade deshalb zu bestätigen.“[27] Der heroische Realismus soll kein Fatalismus sein, sondern ein spezieller Freiheitsbegriff, der dem liberalen Verständnis von Freiheit widerspricht:[3]

„Diese Stellung innezuhalten und dennoch nicht in ihr aufzugehen, nicht nur Material, sondern zugleich Träger des Schicksals zu sein, das Leben nicht nur als Feld des Notwendigen, sondern zugleich der Freiheit zu begreifen – dies ist ein Vermögen, das bereits als der heroische Realismus gekennzeichnet worden ist.“[28]

Diese Definition erinnere, so Martin Lindner, an die Tragödientheorie der Klassik oder an die anschauliche Formulierung des „GanzheitspsychologenFelix Krueger 1939:[5] „Alles Leben quillt aus einem tragischen Grund.“[29] Peter Koslowski charakterisiert das Wesen des heroischen Realismus wie folgt: „Der Heroismus ist ein Mittel, den Schmerz zu bestehen, der heroische Realismus der Versuch, den Schmerz in einer Welt, die keinen Sinn kennt als denjenigen des Willens zur Macht, zu überwinden. Der Held der Moderne bedarf des heroischen Realismus, der zugleich heroischer Nihilismus ist, um dem Angriff zu trotzen, der darin besteht, daß kein Sinn außer der Mobilmachung und des Willens zur Macht mehr existiert. Das heroische Opfer wird in der Moderne fur die Mobilisierung des totalen Arbeitscharakters des Menschen und des technischen Raumes erbracht.“[30]

Werner Best[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sammelband Krieg und Krieger, in dem Der Krieg und das Recht 1930 erschien

Der Begriff „heroischer Realismus“ scheint 1930 vom Juristen Werner Best (NSDAP) in seinem Essay Der Krieg und das Recht für den von Ernst Jünger herausgegebenen Sammelband Krieg und Krieger unter Bezugnahme auf die Nietzsche-Kompilation Der Wille zur Macht erstmals gebraucht worden zu sein.[31] Darin beschreibt er den Nationalismus als eine „innere Haltung“, die „die friedlose, von Kampf und Spannung erfüllte Wirklichkeit“ der Welt bejahe. Der das Leben regierende Instinkt könne nur einen Sinn haben: Kampf. Es ist der ewige Krieg: „Denn diese ‚Wirklichkeit‘ heißt Krieg, heißt Spannung, heißt Unzulänglichkeit jeder Regelung und Ordnung“.[32] Ziel wäre schon zu viel gesagt, da der Krieg eine biologische Selbstverständlichkeit ist. Nicht einmal auf den Erfolg des Kampfes kommt es an:[33]

„nicht der Sieg entscheidet über den Wert des Kampfes. Die Hoffnung auf Sieg darf nicht einmal bestimmend sein für den Kämpfenden.[34]

Der Selbstzweck des Krieges bedingt auf der einen Seite das heroische Denken, auf der anderen die heroische Sittlichkeit.[33] Während nämlich Friedrich Georg Jünger die These aufstellt, daß die Reinheit des heroischen Denkens sich daran abmessen lasse, in welchem Grade es vermeidet, den Krieg als sittliches Phänomen darzustellen, sieht Best in der „Bejahung des Kampfes auf verlorenem Posten für eine verlorene Sache“ die „heroische Sittlichkeit“. Diese Einstellung bezeichnete Best als „heroisch-realistische“. Der „heroische Realismus“ unterscheide den Neuen Nationalismus von allen utopischen oder idealistischen Positionen, die gegenüber den bestehenden Verhältnissen eine kritische Position einnehmen.[34] Aus Bests Aufsatz spricht der Jurist und Aktivist, der sich durch präzise juristische Argumente rechtliche Freiräume für sein zukünftiges Handeln schaffen will:[35]

„[…] wir bejahen jedes Kampf- und Machtmittel, weil wir uns ausdrücklich vorbehalten, auch unsererseits eines Tages davon Gebrauch zu machen.[36]

So habe der spätere SS-Obergruppenführer Werner Best schon 1930, urteilt Hans-Ulrich Thamer, „die Handlungsnormen des Nationalsozialismus und damit vor allem der SS“ definiert.[37] Jan Ipema betont hingegen: Trotz Bests nationalsozialistischer Prägung müsse dies doch als Auffassung gewertet werden, die mit den „parvenüartigen“ Zielen des Nationalsozialismus nicht vereinbar wäre. Best müsse dort, wo er sich als Schüler Jüngers zu erkennen gebe, „als Eigenbrötler unter seinen Kameraden“ betrachtet werden.[38] Best glaubt 1930 an den „guten Kampf“ und an eine „heroische Sittlichkeit“. Der heroische SS-Kämpfer aber wird Befehle erhalten, die auch Verbrechen aus angeblicher staatspolitischer Notwendigkeit nur als Objekte menschlich-technischer Leistungskraft deutet. Denn der SS-Mann hat sein Gewissen dem Führer Hitler zu dessen Verwendung übergeben.[39] Hans Buchheim zieht das Fazit: „Wem es nicht darauf ankommt, wofür, sondern nur, wie er kämpft, der ist in einzigartiger Weise dafür disponiert, sich unter Umständen auch für verbrecherische Ziele heroisch einzusetzen. Während der heroische Kämpfer wähnt, allein auf sich selbst gestellt zu sein, wird er mitsamt dieser fragwürdigen Basis seiner Existenz in den Dienst des totalitären Verfügungsanspruches genommen - und merkt es entweder gar nicht oder zu spät.“[40]

Gottfried Benn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottfried Benns lyrisches Schaffen in den 1930er Jahren kann unter das Stichwort des „heroischen Nihilismus“ gestellt werden. In seinen Gedichten der frühen 1930er Jahre, Hans Esselborn zufolge, zeige sich in der Akzeptanz oder sogar der Forderung eines unmotivierten und unbelohnten Opfers des individuellen Lebens und Glücks für ein abstrakt Allgemeines eine heroische Haltung wie bei den militanten Nationalisten wie etwa Ernst Jünger.[41] Dieser heroische Nihilismus markiere in der Geschichte pessimistisch-nihilistischer Strömungen innerhalb der deutschen Literatur eine Endposition, so Joachim Vahland, die in ihren extremsten Formulierungen alle metaphysischen „Lösungen“ als Überbau-Ideologien entlarve und getreu dem Imperativ „habe Mangel an Versöhnung“ die metaphysische Obdachlosigkeit akzeptiere - um sie zugleich heroisch zu verbrämen.[42]

Ernst Jünger, Josef Weinheber und Gottfried Benn seien die „bedeutendste Vertreter des heroischen Realismus“, urteilt Walter Hof: Erst bei ihnen werde im Bereich der Lyrik und der Essayistik der Versuch des Durchbruchs zu einer neuen Kategorik zum Hauptanliegen, einer Kategorik, die in dem Sinne radikal „unbürgerlich“ sein will. Der heroische Realismus sei „ein ästhetisierter Existentialismus, ein existentieller Ästhetizismus“.[2] Im Gegensatz zur Armin Mohlers späteren Mythologisierung der „Konservativen Revolution“ sah der neomarxistiche Philosoph Herbert Marcuse keinen Grund, diesen Autorenkreis separat von explizit nationalsozialistischen Ideologen zu behandeln.[43]

Der Dichter Reinhold Schneider wäre auch mit Benn Repräsentant eines tragisch-heroischen Weltverständnis, Hans Urs von Balthasar zufolge: Schneider habe „das Unmögliche unternommen, den Katholizismus Philipps und Camoes' und den protestantischen Pantheismus Fichtes und Atheismus Friedrichs des Großen von einer Warte aus schauen, positiv verstehen zu wollen. Diese Warte war der heroische Tragizismus, wie er anhebt im deutschen Idealismus, seine Mitte hat in Nietzsche, sein Ende und seine Katastrophe in Hitler und im Existentialismus“.[44]

Martin Heidegger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf die Analogien von Martin Heideggers frühem „heroischen Existenzialismus[45] und dem „heroischen Realismus“ der Brüder Jünger wurde mehrfach hingewiesen.[46] Schon 1920 bezog er sich in einem Vortrag auf Oswald Spengler.[47] An Jüngers soldatischen Heroismus erinnert etwa die „Verachtung des Glücks“.[48] Der in Sein und Zeit 1927 implizit transportierte „existentielle Imperativ“ („Sei eigentlich!“) erinnert auch an die Bekundung der freideutschen Jugend von 1913, „aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr eigenes Leben gestalten“ zu wollen.[49] Den Entwurf des eigentlichen Seins zum Tode als eines „Vorlaufens in die Möglichkeit“ hat Thomas Rentsch als „Heldenbild soldatischer Existenz“ und als „Existenzideal des todesmutigen Frontkämpfers“ bezeichnet.[50] Gegner sei nicht das Nihil, sondern die „Alltäglichkeit“, die bürgerliche und demokratische Welt des „Man“. Damit wurde Heidegger zum „Philosophen der Konservativen Revolution“.[51][52] Mit den Kategorien „Wählen der Wahl“, Erbe, Schicksal, Gemeinschaft und Volk ist nämlich auf einen Argumentationszusammenhang verwiesen, der die Zugehörigkeit von „Sein und Zeit“ zum dezisionistischen und völkischen ideologischen Feld markiert. Eine Weiterentwicklung des heroischen Existenzialismus zu einem „politischen Existenzialismus“ erfolgte dann in mehreren Schritten in den Vorlesungen der Jahre 1928 bis 1930,[53] bevor er 1933 der NSDAP beitrat (siehe Martin Heidegger und der Nationalsozialismus).

Albert Leo Schlageters Hinrichtung durch französische Truppen (Gemälde)

Der Sprung von der ontologischen Analyse des Todes zur Heroisierung Schlageters im Juni 1933 sei nur ein „Übergang“, Karl Löwith zufolge, „vom je vereinzelten Dasein zu einem je allgemeinen, aber in seiner Allgemeinheit nicht minder vereinzelten, nämlich deutschen. (...) So weit war das Fatum der antiken Tragödie bis auf unsere Inflationszeit selbst bei einem Philosophen heruntergekommen.“[54] Das in Einführung in die Metaphysik 1935 gezeichnete griechische Bild des Menschseins lässt sich noch nach Heideggers Interpretation der Antigone als „heroisch-tragisch“ bezeichnen, auch wenn er sich zu keinem „Heroisch-Tragizismus“ als einer Philosophie bekenne.[55] 1939 aber distanzierte er sich vom Begriff des Heroismus, den er nicht mehr für geeignet hielt, die Überwindung des Nihilismus einzuleiten.[56] Der „aktive Nihilismus“ Nietzsches sei gleichzeitig „der äußerste Realismus“ und Jüngers „heroischer Realismus“ somit Nihilismus.[57] Im später geschriebenen Nachwort zu Was ist Metaphysik? 1943 lehnte er ausdrücklich ab, daß er „den Eindruck einer ,heroischen Philosophie' zu erschleichen [suche]“.[58]

Alfred Baeumler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Baeumler propagierte 1931 einen „heroischen Realismus“ auf der normativen Ebene, indem er mit Nietzsche eine konstruktivistische Erkenntnistheorie skizzierte und daraus ein agonales Weltbild ableitete.[59] Nietzsche sei kein „Moralist, Humanitarier oder Pazifist“; er habe sich vielmehr an der Vorstellung orientiert, dass der „Kampf [...] der Vater aller Dinge“ sei: „nicht dionysisch, sondern heraklitisch nennen wir das Bild der Welt, das Nietzsche geschaut hat“. Als „Formel für diese Weltansicht“ bietet Baeumler einen Terminus aus dem Umfeld Jüngers an: den „heroische[n] Realismus“.[60] Karl Löwith kommentierte: „Baeumler verkennt völlig die Art von Nietzsches Heroismus, weil er ihn nicht zusammen sieht mit seinem scheinbaren Gegenteil: dem Hang zum Leid und zum Idyll.“[61]

Adolf Hitler 1933

Ganz unterschiedliche Aspekte versucht Baeumler unter den Begriff „heroischer Realismus“ zu bringen. Je nach Bedarf wird dabei der „Wille zur Macht“ zitiert. Dabei wird eine eigene Systematik versucht, die durch Betonung der Vitalität, der Aktion, „Wikinger-Adel im Grunde“ (Antichrist), „dem nordisch-gespannten Wesen Nietzsches“ unterstellt wird. Über den griechischen Wettkampfgedanken hinweg entsteht eine reine Kampfethik - und Baeumler möchte sie für seinen Führer- und Reichsgedanken nutzbar machen.[62] Bezeichnend für den „heroischen Realismus“ Baeumlers ist sein Ausspruch 1933:[63] „Es ist durchaus nicht gleichgültig, ob man sagt: Hitler oder: die Idee [...] Hitler ist nicht weniger als die Idee, er ist mehr als die Idee, denn er ist wirklich.“ Nationalsozialismus bedeute, den unpolitischen, der Realität fernstehenden Intellektuellen durch den „Typus des Soldaten“ zu ersetzen. Im Wesentlichen besteht der Realismus Baeumlers in der Ablehnung der Idee eines freischwebenden Geistes und in der Lehre von der rassischen Bedingtheit des Denkens.

Ernst Krieck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Krieck (NSDAP) vertrat in der Zeitschrift Volk im Werden einen „heroisch-völkischen Realismus“, der sich gegen den Kulturidealismus wandte:[64] „Radikale Kritik lehrt einsehen, daß die sogenannte Kultur gänzlich unwesentlich geworden ist.“[65] Diesem „Kulturschwindel“ stellte Krieck 1933 den neuen Typus des heroischen Menschen entgegen: „Er lebt nicht aus dem Geist, sondern aus Blut und Erde. Er lebt nicht der Bildung, sondern der Tat.“[66] So traf er Hitlers grundsätzliche Haltung, die er schon in Mein Kampf formuliert hatte. Mythen und Helden gehörten zu den wichtigsten Elementen dessen, was Hitler den „magischen Einfluß“ der Massensuggestion nannte.[67]

In einer Anleihe an Ernst Krieck bezeichnete Herbert Marcuse 1934 die damalige antiliberalistische Theorie als „heroisch-völkischer Realismus“,[68] worunter Marcuse verstehen wollte: „Das Ganze der Geschichts- und Gesellschaftsauffassung, die der total-autoritäre Staat sich zuordnet“. Diese „neue politische Weltanschauung“ durchziehe „eine fundamentale Zweideutigkeit“: „Während sie einerseits einen ständigen harten fast zynischen Realismus fordert, preist sie andererseits die ‚ideellen‘ Werte als den ersten und letzten Sinn des Lebens und ruft zur Rettung des ‚Geistes‘ auf.“ Nebeneinander finden sich „Äusserungen gegen den weltfremden, schwachen ‚Idealisten‘, dem der neue Typus des heroischen Menschen entgegengestellt“ werde. So verbinde der „heroisch-völkische Realismus“ die irrationalistischen Inhalte der Lebensphilosophie und bürgerlichen Kulturkritik mit einem imaginativen Naturalismus, der „Natur als eine Dimension mythischer Ursprünglichkeit (treffend durch das Begriffspaar ‚Blut und Boden‘ bezeichnet)“ begreife.[69]

Bogislav von Selchow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1934 in einem kleinen Werk über den „bürgerlichen und heldischen Menschen“ verkündete Bogislav von Selchow: Das „kommende Wirrecht“ werde „grundsätzlich deutsch und damit grundsätzlich heroisch sein“. Die an die Stelle der bürgerlichen „Ichzeit“ tretende nationalsozialistische „Wirzeit“ werde „ihren eigenen Heldenmythos haben, in dem Elementhaftigkeit und höchste Wachheit, glühende Kampfleidenschaft und eiskühle Bewußtheit, Kraft der Empfindung und Klarheit des Geistes zusammenklingen im Einsatz für das Wir“.[70] In klarer Gegenüberstellung kennzeichnet Bogislav von Selchow zwei Haltungen dem Leben gegenüber: „Keine Brücke läßt sich schlagen von der bürgerlichen zu der heroischen Haltung. Lebt diese vom Kampf, so die andere vom Frieden. Strebt die eine sterbend oder siegend sich zu vollenden, so die andere, ihr Leben zu bewahren um jeden Preis.“[71]

Kurt Eggers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dichter und Freikorpsler Kurt Eggers trat der Waffen-SS bei. Er schrieb 1934: „Gräber verwehen, // Tage vergehen, // aber der Geist // schwebt durch die Höhen // und offenbart sich // dem, der die Freiheit liebt.“[72] In FAP-Intern, dem deutschen neonationalsozialistischen „inneren Organ“ der „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“, ist dieses Gedicht abgedruckt. Jürgen Hatzenbichler versuchte in der rechtsextremen Zeitschrift Aula, dem „heroische[n] Realismus des Kurt Eggers“ ein literarisches „Denkmal“ zu setzen.[73]

Heinrich Himmler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Himmlers (NSDAP) Satz aus der Posener Rede vom 4. Oktober 1943, daß es ein „niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer [der SS] Geschichte“ sei, „anständig“ geblieben zu sein im Anblick der Leichen der ermordeten Juden, knüpfte an diese Haltung an. Die „Anständigkeit“, mit der sich die NS-Verbrecher selbst beschreiben, soll sie von den „wirklichen Verbrechern“ unterscheiden. Sie weisen sich damit als zu einer Elite gehörig aus, die den inneren Verzicht auf „Ruhm“ für eine historisch notwendige Tat geleistet hat.[74] Es war aber die „bare Leistungsmentalität“, betont Hans Buchheim, die die SS eigentlich beherrschte. Der Heroismus „diente dabei als Vehikel und Verbrämung, mag er auch in der kämpfenden Truppe der Waffen-SS sich echt entfaltet“ haben:

„So finden wir also hinter der romantischen Stilisierung und der heroischen Allüre in der SS als eigentlich wirkende Kraft ein Stück Geist unserer Zeit befreit von allen Einschränkungen positiver und moralischer Normen, denen außerhalb des totalitären Herrschaftsbereichs die efficiency noch unterworfen ist. Der ‚heroische Kämpfer‘ war in Wirklichkeit der Mann, der gleichgültig genug war, sich überall einsetzen zu lassen, und der Rücksichtslos und vif genug war, jeden Auftrag erfolgreich zu erfüllen. Das ist nicht so erstaunlich, wie es zunächst scheint, denn schließlich waren es Durchschnittsmenschen unserer Zeit, die sich in der SS entfalteten. Gewisse Einzelzüge der SS-Mentalität standen mit dem ‚heroischen Realismus‘ in unmittelbarem Zusammenhang. Das gilt zum Beispiel für die Ketzerromantik, die in der SS eine große Rolle gespielt hat. Im Ketzer sah man das Urbild des ausschließlich auf sich selbst gestellten Menschen, des Menschen also, der keine anderen Wege gehen will, als die, die er sich selber gebaut hat, der sich selbst verdächtig wird, wenn er nicht unruhig ist, dem es beim Ringen um die Wahrheit mehr auf das Ringen als auf die Wahrheit ankommt.[40]

An der kontemplativen Haltung des „Aushaltens auf verlornem Posten“ macht Richard Herzinger den Interpretationsansatz deutlich, der es Intellektuellen nach 1945 wie Jünger und Heidegger ermöglichte, ihre mehr oder weniger starken ideologischen Verstrickungen in den Nationalsozialismus zu ihren Gunsten umzuinterpretieren. Dieses Bild diente auch der Umdeutung der sozialistischen Diktatur, wie Herzinger insbesondere an Christa Wolfs „Kassandra“ festgemacht hat.[75]

Sozialistische Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Totalitäre Kulturen haben das Etikett des „heroischen Realismus“ für sich als angemessen empfunden. So erschien das Fehlen des Heroismus in der zu überwindenden bürgerlichen Gesellschaft vom totalitären Standpunkt als grundlegender Mangel. In vergleichbarer Weise setzt sich der sozialistische Heroismus von der bürgerlichen Kultur ab. Seine Entstehung läßt sich beispielhaft, laut Hans Günther, am Werk Maxim Gorkis ablesen. Die von Max Nordau in seiner Schrift „Entartung“ (1892/93) geäußerte Kritik an allem Unheroischen, Dekadenten, die sich in Deutschland wie in Russland seit der Jahrhundertwende einer gewaltigen Popularität erfreute, zieht sich wie ein roter Faden durch Gorkis gesamtes Schaffen und wird Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre kanonischer Bestandteil der sowjetischen Kultur. Vor allem aber steht die Bedeutung Nietzsches für die Herausbildung des gorkischen Helden, wie die frühen Texte des Autors zeigen, außer Zweifel. Von dem deutschen Philosophen gingen wesentliche Impulse für die russische Kultur der Jahrhundertwende wie auch der sowjetischen Periode aus. Sein Aktivismus und Vitalismus trug dazu bei, den vom deterministischen Denken Georgi Walentinowitsch Plechanows beherrschten russischen Marxismus um eine subjektive, voluntaristische Komponente zu bereichern, ihm eine prometheisch-heroische Dimension Komponente zu eröffnen.[76]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nadja Thomas: Der Aufstand gegen die sekundäre Welt – Botho Strauss und die „Konservative Revolution“. Königshausen & Neumann, 2003, S. 130; James M. Demske: Sein, Mensch und Tod. Das Todesproblem bei Martin Heidegger, Freiburg – München, Alber, 1963, S. 115 ff.
  2. a b c Walter Hof: Der Weg zum heroischen Realismus. Pessimismus und Nihilismus in der deutschen Literatur von Hamerling bis Benn. Bebenhausen 1974, S. 240.
  3. a b Nadja Thomas: Der Aufstand gegen die sekundäre Welt – Botho Strauss und die „Konservative Revolution“. Königshausen & Neumann, 2003, S. 126 ff.
  4. Gilbert Merlio: Der sogenannte „heroische Realismus“ als Grundhaltung des Weimarer Neokonservatismus. In: Manfred Gangl/Gerard Raulet (Hg.): Intellektuellendiskurse in der Weimarer Republik. Zur politischen Kultur einer Gemengelage. Frankfurt a. M. 2007, S. 395.
  5. a b Martin Lindner: Leben in der Krise. Zeitromane der neuen Sachlichkeit und die intellektuelle Mentalität der klassischen Moderne. Stuttgart 1994, S. 93.
  6. Walter Hof: Der Weg zum heroischen Realismus. Pessimismus und Nihilismus in der deutschen Literatur von Hamerling bis Benn. Bebenhausen 1974, S. 22.
  7. Joachim Bruhn: Unter Zwischenmenschen. Bhagwan Shree Rajneesh und die Verwandlung der bürgerlichen Gesellschaft zur therapeutischen Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit. In: Initiative Sozialistisches Forum, Diktatur der Freundlichkeit, Freiburg 1984, Seite 59 – 105.
  8. Walter Hof: Der Weg zum heroischen Realismus. Pessimismus und Nihilismus in der deutschen Literatur von Hamerling bis Benn. Bebenhausen 1974, S. 235 f.
  9. Hans Roeseler: Monismus und Dualismus als metapolitische Grundanschauungen, in: Arthur Moeller van den Bruck, Heinrich von Gleichen, Max Hildebert Böhm (Hrsg.): Die Neue Front. Gebr. Paetel, Berlin 1922, S. 47-57, hier: 57.
  10. Zitiert bei Anne-S. Domm: Der „Klassische“ Hans von Marees und die Existenzmalerei am Anfang des 20. Jahrhunderts, Miscellanea Bavarica Monacensia, 146, München: Kommisverlag Uni-Druck 1989, S. 187.
  11. „Tapferer Pessimismus“: Vortrag Oswald Spenglers in Hamburg (Deutsche Allgemeine Zeitung, 1930-02-05)
  12. Maciej Walkowiak: Kunst, Geschichte und Standort des Intellektuellen, Gottfried Benn und die Kontroversen um die Moderne, Frankfurt a. M. 2006, S. 163.
  13. Oswald Spengler: Der Mensch und die Technik.
  14. Gilbert Merlio: Der sogenannte „heroische Realismus“ als Grundhaltung des Weimarer Neokonservatismus. In: Manfred Gangl/Gerard Raulet (Hg.): Intellektuellendiskurse in der Weimarer Republik. Zur politischen Kultur einer Gemengelage. Frankfurt a. M. 2007, S. 400.
  15. Rolf Peter Sieferle: „Ernst Jüngers Versuch einer heroischen Überwindung der Technikkritik“, in: Günter Figal und Rolf-Peter Sieferle, Selbstverständnisse der Moderne, Stuttgart 1991, S. 133-174.
  16. a b Gilbert Merlio: Der sogenannte „heroische Realismus“ als Grundhaltung des Weimarer Neokonservatismus. In: Manfred Gangl/Gerard Raulet (Hg.): Intellektuellendiskurse in der Weimarer Republik. Zur politischen Kultur einer Gemengelage. Frankfurt a. M. 2007, S. 401.
  17. Ernst Jünger: Der Kampf als inneres Erlebnis. in: (Ders.): Sämtliche Werke, Band 7, Stuttgart, Klett-Kota 1978, S. 74.
  18. Walter Benjamin: Theorien des deutschen Faschismus. Zu der Sammelschrift Krieg und Krieger. Herausgegeben von Ernst Jünger, in: ders., Gesammelte Schriften, III., hrsg. von Hella Tiedemann-Bartels, S. 308.
  19. Harro Segeberg: „Wir irren vorwärts“. Zur Funktion des Utopischen im Werk Ernst Jüngers. In: Lutz Hagestedt (Hrsg.): Ernst Jünger. Politik - Mythos - Kunst. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2004, S. 406.
  20. a b Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Göttingen 2007, S. 80.
  21. Michael Großheim: Ernst Jünger und die Moderne. Adnoten zum „Arbeiter“. In: Günther Figal und Heimo Schwilk (Hg.): Magie der Heiterkeit. Ernst Jünger zum Hundertsten, Stuttgart 1995, S. 147-168, hier: 149.
  22. Ernst Jünger, Fortschritt, Freiheit und Notwendigkeit, in: ders, Politische Publizistik 1919-1933, hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Sven-Olaf Berggötz, Stuttgart 2001, S. 327.
  23. Ernst Jünger, Fortschritt, Freiheit und Notwendigkeit, in: ders, Politische Publizistik 1919-1933, hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Sven-Olaf Berggötz, Stuttgart 2001, S. 329.
  24. Ernst Jünger: Der Heroische Realismus, in: ders, Politische Publizistik 1919-1933, hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Sven-Olaf Berggötz, Stuttgart 2001, S. 553 f. Zuerst in: Die literarische Welt 6 (1930) Nr. 13. Berlin: Literarische Welt Verlags-Gesellschaft; 3-4.
  25. Zitiert bei Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Göttingen 2007, S. 43.
  26. Jakob Schissler: Gewalt und gesellschaftliche Entwicklung. Die Kontroverse über die Gewalt zwischen Sozialdemokratie und Bolschewismus. Meisenheim am Glan 1976, S. 247: „So wenig diese Form von Theorie der nationalistischen Rechten verpflichtet war, so wenig war sie es dem Bolschewismus gegenüber. Was am Nationalismus und am Bolschewismus gleichermaßen faszinierte, war der Gedanke an eine andere, eine Gegenwelt. Aus dem antibürgerlichen Nationalismus und einem falsch verklärten Bolschewismus ließen sich eschatologische Perspektiven herausdestillieren, die sprachlichrhythmisch sich dazu eigneten, der verhaßten bürgerlichen Welt eine apokalyptische Melodie vorzusingen. Mag auch diese Sprache vor allem auf der nationalistischen Rechten ihre Wirkung gehabt haben, so war doch wenig an gesellschaftlicher Wirklichkeit, an konkreten Zeitproblemen, im verbalen Gerüst der Phraseologie aufbewahrt. Verbalradikale Rhetorik und der Zustand sozialer Verhältnisse gegen Ende der Weimarer Republik deckten sich keineswegs. Der Pseudoidealismus der Sprache verschleierte die gesellschaftliche Situation vollkommen; denn er produzierte sich aus sich selbst heraus, aus einer Haltung der Innerlichkeit. Nur wenige der existentialistischen Äußerungen aus dem Lager der Nationalisten können aus dieser Zeit als zielgerichtet, mit dem Bewußtsein der Zukunftsperspektive ausgestattet, angesehen werden.“
  27. Ernst Jünger: Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt. in: Ders.: Sämtliche Werke, Band 8, Stuttgart, Klett-Kota 1981, S. 141.
  28. Ernst Jünger: Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt. in: Ders.: Sämtliche Werke, Band 8, Stuttgart, Klett-Kota 1981, S. 70.
  29. Felix Krueger: Lehre von dem Ganzen. Seele, Gemeinschaft und das Göttliche. in: Beiheft zur Schweizerischen Zeitschrift für Psychologie und ihre Anwendungen, 15 (erstmals in: Revista de Psihologie, 2, 1939, S. 427-461) Bern 1848, 5-104.
  30. Peter Koslowski, Der Mythos der Moderne. Die dichterische Philosophie Ernst Jüngers, München, Fink 1991, S. 58.
  31. Steffen Martus: Ernst Jünger. Metzler, Stuttgart und Weimar 2001, S. 64.
  32. Werner Best: Der Krieg und das Recht, in: Ernst Jünger (Hg.): Krieg und Krieger. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1930, S. 135–161, hier S. 148.
  33. a b Hilarius Berg: Die ideologischen Grundlagen der rechtsradikalen Bewegung, in: Sozialistische Bildung (Dietz 1930), S. 201.
  34. a b Werner Best: Der Krieg und das Recht, in: Ernst Jünger (Hg.): Krieg und Krieger. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1930, S. 135–161, hier S. 152.
  35. Helmuth Kiesel: Ernst Jünger. Die Biographie. Siedler, München 2007, S. 340.
  36. Werner Best: Der Krieg und das Recht, in: Ernst Jünger (Hg.): Krieg und Krieger. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1930, S. 135–161, hier S. 161.
  37. Hans-Ulrich Thamer: Nationalsozialistischer Kult und Vernichtungspolitik. Heinrich Himmler auf der Wewelsburg und die Planungen des »Unternehmens Barbarossa«, in: Westfälische Zeitschrift Bd. 153 (2003), S. 327-338, hier: 332.
  38. Jan Ipema: Ernst Jünger in den Niederlanden, in: Leopold R. G. Decloedt: Der oft steinige Weg zum Erfolg: Literatur aus Deutschland im niederländischen Sprachraum 1900-2000. Amsterdam: Rodopi 2004, 89-113, hier: 93.
  39. Hans-Jürgen Eitner: Hitlers Deutsche. Das Ende eines Tabus, Gernsbach, Casimir Katz 1991, S. 367.
  40. a b Hans Buchheim: Die SS - das Herrschaftsinstrument: Befehl und Gehorsam. In: Buchheim/Broszat/Jacobsen/Krausnick (Hrsg.): Anatomie des SS-Staates. Bd 1. München, DTV, 1994, 231-246.
  41. Hans Esselborn: Der kurze Ausflug ins Heroische. Gottfried Benns Lyrik der 1930er Jahre. In: Joachim Dyck/Hermann Korte/Nadine Jessica Schmidt (Hrsg.): Beiträge zur literarischen Moderne, Bd. 3 (2011/2012), Berlin, New York 2013, S. 149.
  42. Joachim Vahland: Gottfried Benn. Der unversöhnte Widerspruch. Heidelberg 1979, S. 61.
  43. Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der „Jungen Freiheit“. DISS, 1994, S. 24.
  44. Hans Urs von Balthasar: Reinhold Schneider. Sein Weg und sein Werk. Köln/Olten 1953, S. 79.
  45. Klaus Held: „Die Welt und die Dinge. Zur Deutung der Philosophie Martin Heideggers“, in: Jamme/Harries (Hg.), Martin Heidegger, S. 319-333, hier 325.
  46. Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Göttingen 2007, S. 147.
  47. Heidegger-Jaspers: Briefwechsel: 1920-1963, Frankfurt aM. 1990, S. 15.
  48. Karl Löwith: Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Stuttgart 2007, S. 38.
  49. Richard Wolin: Seinspolitik. Das politische Denken Martin Heideggers, Wien 1991, S. 60.
  50. Thomas Rentsch: Martin Heidegger - Das Sein und der Tod. Eine kritische Einfuhrung, München 1989, S. 144.
  51. Walter Hof: Der Weg zum heroischen Realismus. Pessimismus und Nihilismus in der deutschen Literatur von Hamerling bis Benn. Bebenhausen 1974, S. 226ff.
  52. Siegfried Horst Lehnigk: Eine deutsche Katastrophe: 1933 - 1940, Landau 2010, S. 39.
  53. Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Göttingen 2007, S. 115.
  54. Karl Löwith: Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Stuttgart 2007, S. 38f.
  55. James M. Demske: Sein, Mensch und Tod. Das Todesproblem bei Martin Heidegger, Freiburg – München, Alber, 1963, S. 115 ff.
  56. Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Göttingen 2007, S. 165.
  57. Martin Heidegger: Zu Ernst Jünger. In: Ders.: Gesamtausgabe Band 90, Frankfurt am Main, S. 240.
  58. Martin Heidegger: Wegmarken, Frankfurt, aM. 1967, S. 103.
  59. Ulrich Fröschle: Vom ,Aufmarsch des Nationalismus' zu den ‚Illusionen der Technik'. Friedrich Georg Jüngers Revision des technischen Machtanspruchs. In: Strack, Friedrich (Hrsg.): Titan Technik. Ernst und Friedrich Georg Jünger über das technische Zeitalter. Würzburg 2000, S. 141.
  60. Alfred Baeumler, Nietzsche der Philosoph und Politiker. Leipzig 1931, S. 13-15.
  61. Karl Löwith: Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr des Gleichen, Hamburg 1986, S. 211.
  62. Horsa Harald Schacht: Friedrich Nietzsche - noch immer umstritten. In: DtStud. 13. 1975. S. 32-50, hier: 35.
  63. Theodor Schwarz: Irrationalismus und Humanismus, Kritik einer imperialistischen Ideologie. Zürich/New York, Der Aufbruch, 1944, S. 40.
  64. Rüdiger Safranski: Ein Meister aus Deutschland, München 1994, S. 277.
  65. Ernst Krieck: Unser Verhältnis zu Griechen und Römern, in: Volk im Werden, herausgegeben von Ernst Krieck, Hamburg 1937, Heft 5, S. 69, 71.
  66. Ernst Krieck: Der deutsche Idealismus zwischen den Zeitaltern, in: Volk im Werden, herausgegeben von Ernst Krieck, Leipzig, Armanen, 1933, Heft 3, S. 1.
  67. Helmuth Zebhauser: Alpinismus im Hitlerstaat: Gedanken, Erinnerungen, Dokumente, hrsg. vom Deutschen Alpenverein, München 1998, S. 123.
  68. Volker Weiß: Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und die Transformation des Konservatismus in Deutschland. 2009, S. 13.
  69. Herbert Marcuse: Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung, Zeitschrift für Sozialforschung, 3, l., 1934, S. 163 u. 182.
  70. Bogislav von Selchow: Der bürgerliche und der heldische Mensch, Leipzig: K. F. Köhler 1934, S. 34.
  71. Bogislav von Selchow: Der bürgerliche und der heldische Mensch, Leipzig: K. F. Köhler 1934, S. 40.
  72. Kurt Eggers: Hutten, Roman eines Deutschen (1934)
  73. Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der „Jungen Freiheit“. DISS, 1994, S. 84.
  74. Detlef Hoffmann: Die Kunst als Instrument gesellschaftlicher Homogenisierungsbestrebungen im Dritten Reich, in: Käte Meyer-Drawe/Kristen Platt (Hg.), Wissenschaft im Einsatz, München, S. 198.
  75. Nadja Thomas: Der Aufstand gegen die sekundäre Welt – Botho Strauss und die „Konservative Revolution“. Königshausen & Neumann, 2003, S. 126.
  76. Hans Günther: Held und Feind als Archetypen des totalitären Mythos, in: Matthias Vetter (Hrsg.), Terroristische Diktaturen im 20. Jahrhundert. Strukturelemente der nationalsozialistischen und stalinistischen Herrschaft. Opladen 1996, S. 46 f.