Herophilos von Chalkedon

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Relief am Paraninfo, dem Eingang zur Medizinischen Fakultät der Universität Saragossa

Herophilos von Chalkedon (auch H. von Kalchedon und Herophilos von Alexandria; * um 330 v. Chr.; † um 255 v. Chr.) war ein antiker griechischer Arzt, der in Alexandria lehrte. Herophilos, der als „Vater der Anatomie“[1] gilt, und der etwas jüngere Erasistratos waren die führenden Anatomen der alexandrinischen Schule.

Herophilos erhielt seine medizinische Ausbildung bei Praxagoras von Kos, der ihn in die Humoralpathologie einführte. Anschließend zog er nach Alexandria. Dort begründete er die Lehre von der diagnostischen Bedeutung des Pulses bei Herzkrankheiten und konstruierte eine Taschenwasseruhr zu dessen Messung. Als einer der Ersten unterschied Herophilos Arterien und Venen, eine der Grundlagen zur späteren Entdeckung des Blutkreislaufes (wenngleich bereits Praxagoras darauf hingewiesen hatte).

Herophilos werden die ersten wissenschaftlichen Obduktionen am Menschen zugeschrieben. Er führte auch Vivisektionen an Mensch und Tier aus. Diese Arbeit wurde vom ägyptischen Königshof der Ptolemäer gefördert. Die Sektionen trugen wesentlich zur Kenntnis des Gehirns bei. Herophilos beschrieb die Schichten des Augapfels (Retina, Choroidea und Sklera).[2] Er schuf eine Nomenklatur der Organe, die er anatomisch untersuchte. Ihm wird ferner unter anderem die erste Erwähnung der Bauchspeicheldrüse, der Hirnhaut und des Eileiters zugeschrieben.[3] Ob er tatsächlich wie Celsus (Proömium 1) berichtet als verurteilter Verbrecher mit Erasistratos zur Vivisektion und somit zum Tode verurteilt wurde, ist umstritten.

Von den Werken, die Herophilos zugeschrieben wurden, sind sechs sehr wahrscheinlich echt: Anatomie, Über den Puls, Geburtshilfe, Diätetik, Therapeutik und Gegen verbreitete Vorstellungen. Es sind aber nur Zitate erhalten.

Textausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich von Staden: Herophilus: The Art of Medicine in Early Alexandria: Edition, Translation, and Essays, Cambridge University Press, Cambridge 1989 (Google Bücher; maßgebliche Ausgabe und Darstellung)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtsdarstellungen

  • Jochen Althoff: Herophilos aus Alexandrien. In: Bernhard Zimmermann, Antonios Rengakos (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 2: Die Literatur der klassischen und hellenistischen Zeit. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-61818-5, S. 578–580
  • Ferdinand Peter Moog: Herophilos von Kalchedon. In: Werner E. Gerabek (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Berlin 2004, S. 575–579 (umfassender Überblick mit Literatur)

Untersuchungen

  • Hans Erwin Hecking: Quellen und Studien zu Herophilos. Dissertation, Freiburg im Breisgau 1969.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ferdinand Peter Moog: Zum Gleichnis vom tapferen Feldherrn bei Herophilos. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 30–39, hier: S. 30.
  2. Frank Krogmann: Ophthalmologie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.):Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1069–1075, hier: S 1069.
  3. Die große Chronik Weltgeschichte 05. Rom und der Hellenismus. wissenmedia Verlag 2008, S. 56. ISBN 9783577090650