Herrenhaus Parow

Das Herrenhaus Schloss Parow ist ein Gutshaus am Ortsrand des gleichnamigen Ortsteiles der Gemeinde Kramerhof im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das historistische Herrenhaus ist ein zweigeschossiges, sechsachsiges und teilweise verputztes Gebäude mit markanter roter Backsteinfassade. Am Herrenhaus befindet sich ein ausgedehnter Landschaftspark aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ging an die Nachfahren des königlich schwedischen Regierungsrat und Fideikommissherrn Karl Freiherr von Langen (1775–1859) und Ehefrau Karolina Friedrika geb. von Könemann (1787–1871). Das Herrenhaus wurde von von ihrem Sohn, Kammerherr Friedrich Franz Freiherr (Baron) von Langen (1809–1890),[1][2] verheiratet[3] mit Anna Preston (1815–1902) aus Morley Hall-Grafschaft Yorkshire,[4] im Jahr 1860 beauftragt. Das Gebäude im Stil englischer Landhäuser kennzeichnen zahlreiche Verzierungen, Erker, Zierschornsteine und Dachfenster sowie Schweif- und Volutengiebel. An der Nordseite befindet sich ein kleiner Turm. An der Fassade des Hauses befinden sich Terrakotta-Reliefs mit den Kopfdarstellungen und die teilweise zerstörten Namenstafeln der Familienmitglieder. Teil des Gebäudes ist die Familienkapelle, die im Jahr 1878 im neogotischen Baustil hinzugefügt wurde. Zu den weiteren Nebengebäuden des Herrenhauses gehören ein Pferdestall, eine Scheune und die 1910 errichtete Orangerie bzw. Gutsgärtnerei. So bildet das Gesamtenbsemble seit 1913 eine gestaltete Einheit. Das Rittergut Parow beinhaltete 1914 etwa 435 ha, davon 51 ha Wald.
Bekanntester Schlossbesitzer war Carl-Friedrich von Langen, 1928 Olympiasieger im Dressurreiten. 1939 bestand das Gut aus 513 ha. Der vormals für sich juristisch eigenständige Gutsbezirk war damals schon Teil der Gemeinde Kramerhof.[5] Die Familie von Langen, vertreten durch Carl-Anton Freiherr von Langen (1912–1986) und Frau Conradine geb. Gräfin von Kanitz-Moschen,[6] blieb bis 1945 Eigentümer des Gutes, dann wurde das Gut Parow zusammen mit dem Herrenhaus durch die Bodenreform enteignet und ging in den Besitz der Gemeinde über.
Nach dem Krieg diente es zahlreichen Flüchtlingen als Unterkunft. Es folgten Nutzungen als Kindergarten, als Lebensmittelgeschäft und als Gemeindesaal.
2010 kaufte eine Gesellschaft aus Rathenow das Herrenhaus zum Bau von Ferienwohnungen; da dies trotz erteilter Baugenehmigung nicht geschah, wurde der Kauf 2015 von der Gemeinde, die Dach und Dachstuhl sanierte, rückgängig gemacht. Ein Investor wird gesucht.[7] Die Gutsgärtnerei wurde im Jahr 2017 aufwändig mit 500.000 Euro Fördermitteln aus dem LEADER-Programm auf Initiative des Storchennest-Vereines aus Niepars saniert und wird als Lehr- und Schaugarten genutzt.[8]
2019 kündigte die Gemeinde Kramerhof an 2,5 Millionen Euro in die Sanierung des Herrenhauses zu stecken damit dort eines Tages das Amt Altenpleen hin umziehen kann. Als mögliches Jahr wurde 2020 genannt.[9]
Die Familienkapelle sanierte man von 2000 bis November 2002.[10]. Neben der Kapellenfassade wurden der alte Ziegelfußboden, die alten Stuckfriese und Deckenverzierungen größtenteils wiederhergestellt. Die Kapelle wird als Außenstelle des Standesamtes genutzt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Besitz, In: Ernst Seyfert: Güter-Adressbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angabe der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen etc. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Nummer: Reg. – Bez. Stralsund. Kreis Franzburg, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 236–237.
- Besitzer, In: Walter von Hueck, Klaus von Andrian-Werburg, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1989. Band XV, Band 96 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1989, ISSN 0435-2408, S. 161 f., S. 290 ff.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur über Herrenhaus Parow in der Landesbibliographie MV
- Parow.de: Schloss Parow
- Minimanufaktur Parow: Parow |Cafe Gärntnerei im Gutshaus
- Historische Häuser: Herrenhaus | Schloss Parow | MV
- Schlösser und Gärten in MV: Gutshaus Parow
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Vgl. Verzeichnis der gegnwärtigen Mitglieder des Baltischen Vereins für Förderung der Landwirtschaft. 1876. XIV. Baltischer Pferdezucht-Verein. Fr. Hache, Greifswald 1876, S. 20.
- ↑ Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1891. R. (L). v. Decker`s Verlag G. Schenck, Berlin, 30. November 1890, S. 691.
- ↑ Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. Jahrgang XXXIV-Nr. 12, Hrsg. Herold (Verein), Mit: Familien-Nachrichten. Carl Heymanns Verlag, Berlin Dezember 1903, S. 101.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1899. Jahrgang 49, Justus Perthes, Gotha 1898, S. 524 f.
- ↑ H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Teil: Regierungsbezirk Stettin-Kreis Demmin, In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1939, S. 40.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 278.
- ↑ Parow.de.: Herrenhaus Parow.
- ↑ Parower Orangerie gerettet: Lehr- und Schaugarten wächst, Ostsee-Zeitung, 10. Oktober 2017.
- ↑ Ostsee-Zeitung: Schloss Parow wird zur Amtsstube. 8. Februar 2019, abgerufen am 23. August 2023.
- ↑ Kirche MV: Bericht des Konsistoriums über die Arbeit in der Landeskirche. Altstand 10. April 2018.
Koordinaten: 54° 21′ 11,4″ N, 13° 4′ 8,4″ O