Herrenhaus Roggow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ansicht 2012

Das Herrenhaus Roggow in der Gemeinde Rerik im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern ist ein im Stil der Tudorgotik errichtetes Gutshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Rittergut Roggow ist seit dem 13./14. Jahrhundert der Stammsitz des Mecklenburger Uradelsgeschlechts von Oertzen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 60 Meter östlich der Landstraße zwischen Rerik und Neubukow befindet sich mitten im Dorf das Herrenhaus Roggow. 400 Meter westlich liegt das Salzhaff und 3,5 Kilometer nördlich das Seebad Rerik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wandspruch im Herrenhaus (1666)
Historische Ansicht (um 1858)

Die vormalige slawische Burganlage wurde nachfolgend als „Gut Roggow“ urkundlich erstmals am 28. Juni 1345 mit Hermann von Oertze van Rogghowe erwähnt. Man nimmt aber an, dass die von Oertzen bereits viel früher hier ansässig waren. Jahrhundertelang war dann der kleine, in sich geschlossene Ort ein Rittergut der uradeligen Mecklenburger Familie.

Nach schweren Zerstörungen und Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gutshaus um 1686 wieder im Stil des Barock aufgebaut. Ein Plan der Hofanlage aus dem Jahre 1745 sagt aus, dass zum Gut neben dem 1666 erbauten Wohnhaus und der Scheune ab 1736 noch ein Pferdestall, ein Wirtschaftshaus, zwei Viehställe und eine gewölbte Bogenbrücke gehörten. Der gesamte Gutskomplex war von einem wassergefüllten Wallgraben umgeben. Man konnte ihn über eine Zugbrücke überqueren, die noch bis 1835 in Betrieb war. Auf der Hofseite schloss sich ein Torhaus an. Vom einstigen Hof existieren heute neben dem Guts- bzw. Herrenhaus noch der östlich gelegene alte Schweinestall – heute ein Wohnhaus – und ein südlich gelegenes Gebäude. Auch der Graben, der die einstige Wasserburg umgab, ist bis auf kleinere Reste verschwunden, sodass der ursprüngliche Charakter der Gesamtanlage nur schwer erkennbar ist.

Das aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende und mehrfach umgebaute Gutshaus wurde vor 1850 durch den Wismarer Architekt Heinrich Thormann mit einer neogotischen Fassade versehen. 1921 soll es nochmals umgebaut worden sein. Im Kern soll es ein 1686 errichtetes Fachwerkgebäude gewesen sein, der westliche Anbau wurde 1844 hinzu gefügt.[1]

Der zweigeschossige Putzbau mit dem flachen Walmdach wurde neugotisch überbaut. Da nach 1945 die Giebel entfernt wurden, erscheint die Fassade etwas unsymmetrisch gegliedert. Von den zwölf Achsen ist die linke risalitartig vorgezogen und mit Fialen übergiebelt. In der Mitte der Fassade befand sich früher noch ein abgetreppter Zwerchgiebel.

Das Gut Roggow befand sich urkundlich seit dem Jahre 1345 bis zur Enteignung im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone im Eigentum der Oertzen.

Wilhelm von Oertzen, der Gründer der Herrengesellschaft Mecklenburg, schrieb in sein 1931 begonnenes Tagebuch:

„Die Zukunft von Roggow liegt mir mehr am Herzen als alles andere.“
„Ein einzelner Mensch ist vergänglich, ein Familiengut hat etwas Unvergängliches an sich, etwas von Ewigkeitswert.“
„Alle meine Gedanken und Kräfte gelten nur diesem einen Ziel, einem meiner Söhne Roggow als einen sicheren Boden unter den Füßen hinterlassen zu können.“[2]

Die Söhne Wilhelm von Oertzens, Jürgen und Frithjof, fielen im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Er selbst erschoss am 4. Mai 1945 seine Ehefrau Gerda, geb. Gräfin von Westarp, und sich selbst, als Soldaten der Roten Armee das Haus plünderten und den Schlüssel zur Bibliothek suchten. Damit endete vorerst die 600-jährige Familientradition derer von Oertzen zu Roggow.[3]

In der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland diente das Gebäude als Wohnhaus für Heimatvertriebene und später auch als Verkaufsstelle. Danach wurde es zu einem Kinderferienheim der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft umgebaut.

Nach 1990 konnte Peter von Oertzen, der Sohn des gefallenen Jürgen von Oertzen und seiner Frau (geb. von Alvensleben), das Herrenhaus Roggow und einen Teil des Gutsparks käuflich zurückerwerben. Heute werden im Herrenhaus Roggow Ferienwohnungen betrieben.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renate de Veer: Steinernes Gedächtnis. Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern., Stock&Stein Verlag, Schwerin 2006, ISBN 978-3-937447-18-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Tumm: Heinrich Gustav Thormann. Herrenhaus-Architekt im 19. Jahrhundert. Wismar 2017, S. 78.
  2. Marco Theelke: Wilhelm von Oertzen. In: Mecklenburger in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Herausgegeben von Ilona Buchsteiner. Ingo Koch Verlag. Rostock 2001. S. 218.
  3. Vergl. "Die Herren Gesellschaft" (Memento des Originals vom 13. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturportal-mv.de, Kulturportal Mecklenburg-Vorpommern - Buchtipp
  4. Die Geschichte in von-oertzen-roggow.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herrenhaus Roggow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 4′ 31,6″ N, 11° 38′ 4,6″ O